Geistliches Leben

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Das Fest findet statt, mit oder ohne uns

Gott lädt ein und deckt den Tisch, nicht wir – Gedanken zum Matthäus-Evangelium 22, 1–10 von Pfarrer i.R. Bernhard Linvers

Was in unserem Evangelium an diesem Sonntag erzählt wird, könnte heute eigentlich so nicht mehr passieren. Wer wollte nicht bei einem Festessen oder Bankett dabei sein, zu dem beispielsweise ein Königshaus eingeladen hat? Statt Königshaus könnte es auch eine andere „hochgestellte“ Institution oder Person sein. Nicht das Ablehnen einer solchen Einladung ist heute das Problem; das Problem ist vielmehr, eine solche Einladung überhaupt zu bekommen. Durch sie fühlt man sich geehrt und aufgewertet.

Es ist ein Gleichnis, das Jesus den Ältesten und Hohenpriestern erzählt; aber es ist nicht einfach eine Erzählung aus längst vergangenen Zeiten, schon gar nicht, um etwa einfach zu sagen: „Das Volk des Alten Bundes hat die Einladung ausgeschlagen und damit seine Chance vertan, versagt.“ Im Gegenteil: Wir heute sind mit dem Gleichnis angesprochen und herausgefordert zum Nachdenken – und darauf zu antworten, sich dazu zu verhalten.

Gott als königlicher Gastgeber lädt uns ein – zur Hochzeitstafel. Das Himmelreich wird mit dieser Hochzeitstafel verglichen. In der ersten Lesung an diesem Sonntag aus dem Buch des Propheten Jesaja wird das Festmahl beschrieben: „Beste und feinste Speisen, beste und erlesene Weine…“. Und diese Einladung gilt für alle.
Der König sendet seine Boten zunächst zu den geladenen Gästen; seine Boten sind zum Beispiel die Propheten, die über Jahrhunderte die Einladung ausgesprochen haben. Die Geladenen wissen von dem Fest, es muss ihnen nur gesagt werden, wann genau es beginnt. „Alles vorbereitet, das Fest kann beginnen, das Essen steht auf dem Tisch.“ Und die Eingeladenen – das sind die Hohenpriester und Ältesten, die ja zu Beginn des Gleichnisses direkt angesprochen werden, lehnen ab. Sie haben keine Zeit, sie haben Wichtigeres zu tun. Sie zeigen den Boten die kalte Schulter, ja, werden aggressiv, misshandeln und töten sie sogar. Die Geladenen wollten nicht kommen, und daraus folgt: Sie waren es nicht wert, eingeladen zu werden.

Obwohl die Einladung abgelehnt wird, bleibt sie bestehen. Das Mahl fällt nicht aus, das Mahl findet statt. Wenn diejenigen, um die der König sich so sehr bemüht hat, nicht kommen, dann soll den Übrigen seine Einladung gelten. Geladen sind dabei nicht vor allem die Reichen, die Mächtigen, die Gesetzestreuen, die Frommen. Er schickt seine Boten „auf die Straßen“. Er holt alle herbei, Leute, die nichts sind und nichts haben, Böse und Gute.

Was bedeutet dieses Gleichnis uns? Welche Erkenntnisse und Konsequenzen berühren uns? Gott ist der Einladende, nicht die Kirche oder wir als Personen, sondern Gott. Wir als Christen, als Getaufte und Gefirmte sind seine Boten; wir bringen seine Einladung zu den Menschen. Das geschieht beispielsweise durch unseren Lebensstil. Auch wir können einander einladen. Das Gleichnis zeigt aber auch, ob und wie wir diese Einladung annehmen oder beiseite legen, bis wir vielleicht mehr Zeit haben oder das „Wichtige“ erledigt haben. Gott lädt uns ein, aus der Botschaft seines Sohnes zu leben. Das ist kein „Muss“ und kein „Du darfst nicht“, sondern ein „Du kannst“ und „Du darfst“. Er lädt uns ein, er lädt uns nicht vor wie ein Gerichtsvollzieher, der uns für unsere Taten bestrafen will; zum „Hochzeitsmahl“ lädt er ein.

Das Gleichnis zeigt außerdem auch, dass wir uns nicht nur im eigenen heiligen Zirkel bewegen dürfen, gleichsam als „heiliger Rest“ in der Kirche oder gar in der Sakristei einschließen – aus Angst vor der bösen Welt. Gottes Ruf kann durch unser Leben auch Menschen erreichen, die festgefahren sind und keine Perspektive mehr haben, die mit ihm nicht mehr rechnen und vielleicht sich selbst abgeschrieben haben.

Das Mahl findet statt. Aber hier in unserer Welt sind die Tische sehr unterschiedlich gedeckt. Müssten wir nicht heute schon unsere Tische enger zusammenrücken, damit möglichst alle daran Platz finden, genügend zum Essen haben und miteinander Freude erfahren? Nur so wird unsere Einladung zum königlichen Hochzeitsmahl glaubwürdig.

Gott findet seine Gäste. Wir dürfen dazu gehören, wenn wir uns einladen lassen, ja, wir dürfen selbst Einladende werden zu seinem Mahl.

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