Geistliches Leben

Mittwoch, 11. September 2019

Die Freude ist unendlich groß

Jesus sucht nach dem Verlorenen, bis er es findet. Zu Lukas-Evangelium 15, 1–10

„Freut euch mit mir“ – ruft im Gleichnis vom verlorenen und wiedergefundenen Schaf der Hirte seinen Freunden und Nachbarn zu. Voller Freude will er andere an seiner eigenen Freude teilhaben lassen. Er hat das Schaf, das sich von der Herde getrennt, sich verirrt hatte und so „verloren“ gegangen war, wiedergefunden. Er nimmt  das Schaf auf seine Schulter und trägt es zurück.
Es ist ein überwältigendes Bild, das uns Lukas hier zeichnet: So ist Gott; so handelt Gott an denen, die verloren waren. So handelt Gott auch an uns. Zwar stammt das Bild aus der archaischen Welt der Hirten, aber in seiner Aussage ist es zeitlos und auch uns, in einer modernen Welt lebenden Menschen von heute, durchaus verständlich.    
Mit diesem Gleichnis des guten Hirten stehen wir in einer großen Erzähl- und auch Gebetstradition. Schon der wunderbare Psalm 23 mit dem Gebetseingang „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts fehlen“ zeigt den Menschen in seinem engen Verhältnis zum fürsorgenden, bergenden Gott. Die Hirtengleichnisse der Evangelien knüpfen an diese Tradition an. Auch die junge, in Rom noch verfolgte Kirche nimmt diese trostvollen Bilder des Gebets auf. Selbst in der heidnischen Tradition des profanen Hirtenlebens wird die Darstellung des Hirten, der das verlorene Schaf zur zahlreichen Herde zurück trägt, zum Bild für einen paradiesischen Zustand. Die Welt des frühen Christentums kennt das Paradies als großen Garten, auch als Weidegrund des fürsorglichen Hirten.
In den frühchristlichen Katakomben, so in der Priscilla-Katakombe anfangs des dritte Jahrhunderts, steht der gute Hirte mit dem Schaf über der Schulter zwischen zwei Tieren, seine Rechte erhoben in der Geste des Redens oder des Segnens. Jahrhundertelang war das Motiv des guten Hirten als Andachtsbild beliebt. Sehr intensiv aufgenommen hat die Barockzeit das Motiv des guten Hirten. Auch in den Dörfern der Südpfalz, besonders der Weinstraße, gibt es immer wieder beeindruckende Sandstein-Skulpturen mit diesem Motiv. Sie sind ja schließlich Zeugen einer großen Glaubenstradition, auch Zeugen des Gottvertrauens – und uns Heutigen Hilfen und Impuls zu Gebet und Meditation. Auch zur Dankbarkeit, wenn wir uns der großen Freude über das Wiedergefundene anschließen. „Ich bin der gute Hirte“, sagt Jesus ja von sich selbst. So ist dieses Motiv auch ein ganz wichtiger und unverzichtbarer Impuls für die praktische Theologie und Seelsorge.
Auf das Gleichnis vom verirrten und wiedergefundenen Schaf lässt Jesus – so im Lukas-Evangelium – das kurze Gleichnis von der verlorenen Drachme folgen. Auch hier zeigt das Erzählte die Intensität der Suche nach dem Verlorenen. Nach dem Beispiel aus dem männlichen Hirtenleben folgt ein Geschehen aus dem Leben einer Frau. Sie hat eine Drachme, ein Zehntel ihres Geldbesitzes, verloren. Ihre „unermüdliche“ Suche erfolgt systematisch, „sie fegt das ganze Haus aus“ und ist schließlich erfolgreich.
Ihre in Unordnung geratene Welt ist wieder in Ordnung, das Unheil geheilt. Auch sie freut sich so außerordentlich, dass sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammenruft: „Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte.“ Große Freude also – hier wie dort.
Eingebettet in die Gleichnisreden Jesu vom Verlorenen, aber dann doch  Wiedergefundenen, bekommen die beiden Beispiele vom Schaf und von der Drachme eine deutliche Sinnspitze. Schließlich werden die Gleichnisse ja den „Pharisäern und Schriftgelehrten“ erzählt, die sich über den Umgang Jesu mit „Zöllnern und Sündern“ empört hatten. Den Empörten stellt er sein Bild von Glauben, Leben und Handeln, auch von möglicher Umkehr der Verirrten vor. Jesus bemüht sich in besonderer Weise um die Menschen, die Fehler gemacht, Sünden begangen und Schuld auf sich geladen haben. Ja, Jesus läuft den Zöllnern und Sündern geradezu nach. Auf Gott hin ausgelegt, zeigen die Gleichnisse den liebenden, fürsorglichen Hirten, die sorgende Frau und Mutter – und schließlich den barmherzigen Vater. Im Evangelium des Lukas folgt ja auf das Drachmen-Gleichnis das so berührende, wunderschöne Gleichnis vom verlorenen, aber zurückgekehrten und wieder aufgenommenen Sohn. Auch hier wird schließlich ein Fest gefeiert. Die Freude beim Vater ist groß.
Die Reaktion Jesu auf die Empörung und das harte Urteil der Schriftgelehrten ist eindeutig: Jesus erzählt diese Gleichnisse und er hält mit den Sündern Mahl, um Gottes Barmherzigkeit deutlich zu machen. 

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