Geistliches Leben

Mittwoch, 06. Februar 2019

Die Fülle des Heils

Auch dieses Evangelium trägt die Botschaft von der Auferweckung - Gedanken zum Lukas-Evangelium 5, 1-11 von Diplom-Theologe Klaus Haarlammert

Schlag auf Schlag geht es hier, die Dramaturgie ist perfekt. Lukas erweist sich einmal mehr als ein hervorragender Erzähler. Wer dieses Evangelium hört oder liest, wird augenblicklich mitten ins Geschehen hinein gezogen.

Doch  d a s  Evangelium steht an anderer Stelle, nämlich in der zweiten Lesung aus dem ersten Korintherbrief: „Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf“ (15,3b–5). Dieses Schriftstück ist viel älter als das Lukas-Evangelium, älter auch als der erste Korintherbrief. Es handelt sich um eine der so genannten „Kurzformeln des Glaubens“, die bereits sehr früh als Bekenntnisse gefasst wurden. Paulus zitiert sie in seinen Briefen als Zeugnisse der ersten Christen oder – wie eventuell hier – als Offenbarung von Jesus Christus selbst: „Vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe“ (15,3a). Immer sind es – ob direkt oder indirekt – „Oster-Bekenntnisse“.

Unmissverständlich macht Paulus klar: Das ist  d a s  Evangelium, „das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen, es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet werden, wenn ihr festhaltet an dem Wort, das ich euch verkündet habe“ (15,1–2). Paulus wird dann noch deutlicher: Wenn dieses Evangelium geschwächt, angezweifelt oder gar in Frage gestellt wird, ist alles hoffnungslos und ohne jeden Sinn, der Glaube, das Leben, alles: Dann verlieren wir nicht nur den Boden unter unseren Füßen, unseren Grund, unseren Halt, dann sind wir verloren. „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht“ (Buch Jesaja 7,9). Oder wie Jesus sagt: „Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben“ (Johannes-Evangelium 6,47). Für Paulus ist der Glaube, dass Jesus Christus auferweckt wurde und wir auferweckt werden, absolute Gewissheit: „Nun aber  i s t  Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen … Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden“ (15,20–22).

Dafür und für die Verkündigung macht Paulus zwei entscheidende Aussagen. Zum einen verknüpft er den Glauben mit der Vernunft: „...es sei denn, ihr hättet den Glauben unüberlegt angenommen“ (15,2). Wer den Glauben „unüberlegt“ annimmt, stellt ihn auf tönerne Füße: Rasch kann doch der Glaube schwach werden und gänzlich in sich zusammenfallen, wenn er nicht auch (!) gedanklich und argumentativ nachzuvollziehen, begründbar ist, sodass er „überlegt“ angenommen werden kann. Hier muss es dann heißen können: Es ist notwendig für unser Leben (unser Überleben), an die Auferweckung Jesu Christi und unsere Auferweckung zu glauben. Dieser Glaube ist zwar kein Wissen im herkömmlichen Sinn (etwa von „Wissenschaft“), sondern eine Gewissheit, die aus dem Wissen um Gottes Liebe und Gnade kommt: Dieser Glaube ist Lehre und vernünftig, will – kann nur – „überlegt“ angenommen werden.  

Zum andern hebt Paulus auf das Gnadenwirken Gottes ab, wenn er sagt: „Mehr als sie alle (die anderen Verkündiger) habe ich mich abgemüht – nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir“ (15,10). Paulus weiß, dass alles, was er verkündet, nicht aus ihm selbst kommt, sondern aus Gottes Offenbarung. Dass dieser Glaube argumentativ und gedanklich nachvollziehbar ist oder sein soll, bedeutet nicht, dass er von der Marke „Eigenbau“ ist. Das Evangelium wird verkündet und geglaubt in „Menschensprache“, ist aber Wort Gottes, Gotteswort in Menschenwort, von Gott geoffenbart, nicht von Menschen erfunden, erdacht. Sie verkünden und glauben, nicht aus sich, sondern zusammen mit Gottes Gnade.  G a b e  ist dieser Glaube.

Nochmal fasst Paulus zusammen, rahmt diese Passage: „Das ist unsere Botschaft und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt“ (15,11).  D a s  Evangelium, die Botschaft von unserem Heil, das Jesus Christus erwirkte, offenbart die Fülle des Lebens, in die wir mit unserer Auferweckung endgültig eingehen (15,22.53–57). Alles ist voll davon, alles trägt „Ostern“, auch diese dramatische Erzählung im Evangelium vom heutigen Sonntag: Das Reich Gottes ist schon da, die ganze Fülle des Heils: Der – auf Jesu Wort hin – reiche Fischfang, ist dafür ein imposantes Zeichen.

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