Geistliches Leben

Mittwoch, 08. Januar 2020

Einladung zum Leben

In aller Freiheit können wir uns entscheiden, ob wir das Angebot Gottes ablehnen oder annehmen

„Er hat abgelehnt, dort zu bleiben. Wir wollen ihn ja nicht zwingen“. Das ist nachvollziehbar, führt aber in der Folge zu einer dramatischen Situation für die Eltern, denn sie wollen ihrem Sohn unbedingt helfen, müssen sich aber mit seiner Ablehnung einer stationären, psychotherapeutischen Behandlung auseinandersetzen.
Was tun, wenn er nicht will? Mit der Brechstange vorgehen und damit das Verhältnis eventuell nachhaltig beschädigen? Es laufen lassen und damit womöglich eine Katastrophe riskieren? Vor diesen und ähnlichen Problemstellungen stehen viele besorgte und verzweifelte Eltern in der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Pfalzklinikum Klingenmünster. Sie wollen helfen, sie würden alles für eine Besserung geben, müssen aber immer wieder Hoffen und Bangen, dass der Sohn oder die Tochter einwilligen und ihren Teil zur Heilung beitragen.
Nicht nur bei den bekannten biblischen Heilungsgeschichten, sondern auch im heutigen Matthäusevangelium zum Fest Taufe des Herrn, wird ein entscheidender Baustein des Handelns Jesu deutlich. Nichts geschieht nämlich ohne das Einverständnis und Zutun der beteiligten Menschen. So auch bei Johannes, der uns als aufsehenerregender Wüstenbewohner im Kamelhaarmantel bekannt ist und der den Menschen seiner Zeit am Jordan gehörig die Leviten gelesen hat. Er soll an einer entscheidenden Stelle im Leben Jesu, an einem Wendepunkt ungeahnten Ausmaßes, seine Einwilligung geben. „Lass es nur zu!“ fordert Jesus ihn auf, als es um seine Taufe geht. Erst durch die Taufe von Johannes öffnet sich der Himmel und ein neuer Lebensabschnitt kann für Jesus beginnen.
Der entscheidende Schlüssel, damals wie heute, ist das „Lass es nur zu!“, das Aufforderung und Bitte zugleich ist und das nicht von außen „gemacht“ werden kann. Für Gott, wie für uns Menschen, ist dies der Punkt der Angewiesenseins und manchmal auch der Ohnmacht. Was getan werden kann, ist der Versuch, deutlich zu machen, warum es notwendig ist, und vor allem, worin der Gewinn der Zustimmung besteht.
Die Freiheit, selbst entscheiden zu können, ist eines der kostbarsten Güter, die wir Menschen überhaupt besitzen. Allerdings kann die Entscheidungsfreiheit des jeweils Einzelnen, sein ganzes besorgtes Umfeld in den Wahnsinn treiben. Vor allem wenn es um existentielle Fragen geht, ist ein Wegschauen, Untätig- bleiben und Es-laufen-lassen aus Sicht liebender Eltern und echter Freunde nicht möglich. Und dennoch sind die Zugriffsmöglichkeiten aller Beteiligten begrenzt und sie werden letztlich dem anderen seinen Willen nicht nehmen können, so bitter es unter Umständen sein mag.
Wenn ein Neues Jahr noch frisch vor einem liegt, kann niemand mit Sicherheit sagen, was auf ihn zukommen wird. Hoffentlich schöne und gute, aber womöglich auch schwierige und traurige Erfahrungen. Aus Gottes Sicht sind wir wieder eingeladen zum Leben. Dies ist ein Angebot, sich in aller Freiheit auf ihn und die Welt einzulassen. Jedoch liegt im Wesen des Angebots, dass man (und das kann auch Gott nicht) niemand dazu zwingen kann, es anzunehmen. Gerade für schwierige Zeiten kommt es daher darauf an, Hilfe selbst anzunehmen und Hilfe einander geben zu können. Das ist das, was wir für uns und füreinander tun können. Nicht mehr und nicht weniger.

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