Geistliches Leben

Donnerstag, 09. Juli 2020

Evangelium, das Hoffnung weckt

Gott ist auch da, wenn die Saat verloren scheint

Disteln und Dornen erschweren die Arbeit des Sämanns. Aber der fruchtbare Boden bringt auch reiche Frucht hervor. (Foto:actionpress)

Menschen haben mit  Energie und großem Engagement, mit Freude und Optimismus eine Firma gegründet oder einen Gastbetrieb aufgebaut, ein Geschäft geplant und ins Leben gerufen oder mit mutigen Ideen eine Initiative gestartet. Und dann die große Enttäuschung! Ein weltweit verheerendes Virus bedroht ihr bisheriges Lebenswerk. War alles umsonst?  Es muss nicht immer ein Virus sein, das Pläne und Geschaffenes vernichtet. Missgünstige Umstände oder egoistische Machtmenschen bringen ihre Mitmenschen an den Rand ihrer Existenz. Das mühevoll Aufgebaute wird zertreten. Ist die Arbeit langer Jahre wertlos geworden?
Eine ähnliche Erfahrung haben die Jünger auf ihrem Weg mit Jesus durch Galiläa gemacht. Das Volk ist begeistert von den Reden Jesu und staunt über seine Wundertaten. Doch die religiös und gesellschaftlich  Mächtigen lehnen ihn immer stärker ab. War es sinnlos gewesen, seine Botschaft von einem menschenfreundlichen Gott in die Städte und Dörfer zu tragen? War alles umsonst? Der Mutlosigkeit und dem Zweifel der Jünger stellt Jesus das Gleichnis vom Sämann gegenüber. Großzügig verkündigt er seine Botschaft vom Reich Gottes. Widerstand und Ablehnung nimmt er in Kauf. Er vertraut darauf, dass sein Lebenswerk nicht sinnlos ist, und dass seine Botschaft weitergetragen wird durch alle, die an ihn glauben. Festgetretener Weg und felsiger Boden können den Erfolg der Worte und Taten Jesu nicht verhindern. Wenn die Jünger, wie im Gleichnis, die Saat mutig weiter ausstreuen, wird sie überreiche Frucht bringen. Doch es gibt auch den Schmerz über den vergeblichen Einsatz. Ein anfängliches Scheitern kann demütig machen und vor Überheblichkeit bewahren. Es lässt die Welt realistisch sehen.
Auch wo Menschen zunächst von der frohen Botschaft begeistert sind, bedrohen  „Dornen und Disteln“ das Gewachsene. Hier bleiben damals wie heute oft nur das geduldige Ertragen des Misserfolgs und das Suchen nach neuen Wegen die Botschaft Jesu weiterzugeben. Viele kreative Möglichkeiten, die staunen lassen, zeigen die gegenwärtige Krise sogar  als Chance zum Aufbruch.
Das Gleichnis vom Sämann wirft auch ein Licht in unser eigenes Leben. In ihm dürfen wir in unserem Wesen und Verhalten gleichsam vier Arten des Bodens entdecken, die in unterschiedlicher Weise offen sind für die Botschaft Jesu. Da finden wir versiegelte Straßen: Sie sind hart und undurchlässig für alles Lebendige und lassen dem Samen,  der Begegnung mit Gott, keinen Lebensraum. Unser Inneres kann auch dem felsigen Boden gleichen: Was an Gutem gesät wurde, keimt rasch auf und weckt Begeisterung. Aber es fehlt uns an Tiefe, in der das Gute Wurzel fassen kann. Der Boden voller Dornen erinnert uns an Sorgen des Alltags und an Verletzungen und Wunden, die uns von Menschen zugefügt wurden und schmerzen.  Sie können das Wertvolle in uns ersticken. Kein ermutigendes Wort baut uns mehr auf. Das Gleichnis Jesu weckt aber auch Hoffnung. Wir dürfen den fruchtbaren Boden in uns entdecken, auf dem die Botschaft Jesu und die Impulse Gottes für unser Leben sich entfalten und reifen wollen. Hier  haben wir Chancen, unsere eigene Persönlichkeit und unsere Fähigkeiten zu entwickeln. Gott lädt uns ein, ihm einen  Platz zu geben in unserem Leben. Nehmen wir die Einladung Gottes an, können wir Defizite in uns selbst und Fehlversuche besser ertragen und aushalten. Gott begleitet und trägt uns dabei, auch durch Menschen.
Kann das Gleichnis Jesu vielleicht auch eine Hilfe sein für Menschen, die situationsbedingt beruflich oder geschäftlich  an ihre Grenzen gestoßen sind? Ein Scheitern  bedeutet nicht nur Untergang des Gewordenen. Es hatte auch seinen Sinn, sich zu engagieren und ein Wagnis einzugehen. Die Arbeit war nicht vergebens. Sie war wichtig für andere Menschen und auch für die persönliche Entwicklung. Die gewonnenen Erfahrungen können die Basis bilden, sich auf die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen zu besinnen. Die Mühe Neues zu wagen, lässt einmal auf vielfältige  Frucht hoffen, die – wie auf fruchtbarem Boden – gedeiht.

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Theo Wingerter
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