Geistliches Leben

Dienstag, 07. April 2020

Ostern ver-rückt

Es bleibt die Botschaft vom Leben - Gedanken zum Johannes-Evangelium 20, 1-9 von Pastoralreferent Steffen Glombitza

Ich sitze zurzeit in meinem Büro mit Blick auf die Kirche, ein herrlicher Frühlingstag, während ich meinen Beitrag für den „pilger“ schreibe. Die Sonne scheint, die Farben der Natur sind intensiv. Kein Wölkchen am Himmel. Die Natur explodiert regelrecht und erwacht aus ihrem Winterschlaf.

Nur eine Kleinigkeit straft die Frühlingsidylle Lügen. An der Kirchentür hängt ein Schild. Aus gut 30 Metern Entfernung kann ich deutlich das erste Wort lesen: „Geöffnet“. Wieso trübt der Blick auf ein Schild, das mir sagt, die Kirche ist offen, die Stimmung? Das sollte doch erfreulich sein, da die meisten Ortskirchen in der Regel vieles sind, nur eben meist nicht offen. Auch meine Kirche ist eigentlich nur zu den Gottesdienszteiten offen. Das heißt im Moment leider auch nicht. Im Moment sind die Kirchen zu den Gottesdienstzeiten geschlossen und danach werden sie geöffnet. Verrückt!

Ja, in dieser Zeit ist etwas ver-rückt. Der Grund für dieses Ver-rücken des Alltäglichen ist die Corona-Krise. Sämtliche Gottesdienste, sämtliche Veranstaltungen abgesagt. Ich kann mich an keine Zeit der Kirchengeschichte erinnern in der Menschen nicht die Eucharistie feierten. Geschlossene Kirchen mag es in der Vergangenheit oft gegeben haben. Menschen die im geheimen Gottesdienste feierten gab es in der Kirchengeschichte schon oft, übrigens auch heute noch, dort wo Christen unter Verfolgung und Repressalien zu leiden haben. Aber dennoch: Auch in den größten Krisenzeiten hielten die Menschen am Glauben fest und feierten die Eucharistie.

Nun aber dürfen sie nicht mehr zusammenkommen. Dürfen sich nicht mehr zur Gemeinschaft versammeln. Und das aus gutem Grund. (Es darf zumindest einmal daran erinnert werden, dass das u.U. auch ekklesiologische Konsequenzen haben könnte.) Das erscheint mir erstmalig in der Kirchengeschichte zu sein. Zur Zeit finden Gottesdienste nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Priester zelebrieren die Messen stellvertretend für die Gemeinden. Hatten wir Privatmessen nicht schon einmal? (Nur um allen Dogmatikern gerecht zu werden: Ich weiß, die sind bislang ja auch nicht offiziell abgeschafft worden.) Manche übertragen ihre Gottesdienste über Internet. Youtube und Co machen es möglich. Der eingangs zitierte schöne Frühlingstag bleibt weiter schön, und dennoch ist die Situation äußerst unangenehm.
Und jetzt noch das: Alle Ostergottesdienste entfallen. Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag und die Osternacht. Der Ostersonntag. All das ohne Gottesdienste? Ewas ketzerisch mag man fragen: Hat Ostern dann überhaupt noch eine Bedeutung? Kann man Ostern ernsthaft ohne die Feier des Triduums feiern? Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Gewiss, machen wir uns nichts vor: Ein großer Teil der Gesellschaft hat sich längst vor der Corona-Krise dafür entschieden Ostern ohne die Kirche zu feiern. Schließlich gibt es Osterhasen (auch jetzt noch) überall zu kaufen und ein paar Urlaubstage gibt‘s obendrein. Aber all jene müssen sich die Frage gefallen lassen: Was feiert ihr da eigentlich, außer einem schönen Familienfest?

Also: Ostern nur mit den Gottesdiensten feierbar? Auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass die Gottesdienste da schon wesentlich dazugehören so bin ich doch der Überzeugung, dass Ostern in erster Linie vom Evangelium her zu feiern ist. „Evangelium“ bedeutet schließlich die „Frohe Botschaft“. Es geht um die frohe und befreiende Botschaft der Liebe Gottes zu uns Menschen. Die Botschaft der Auferstehung Jesu. Die Botschaft, dass am Ende nicht der Tod steht, sondern das Leben. Ostern ist DAS Fest des Lebens.

Das Johannesevangelium stellt uns heute die ersten Zeugen der Auferstehung vor Augen. Diesen Zeugen aus dem Johannesevangelium werden die Apostel als weitere Zeugen der Auferstehung hinzugefügt, wie wir der Apostelgeschichte entnehmen können. Paulus macht im Kolosserbrief letztlich auch uns alle zu Zeugen der Auferstehung, weil wir selbst schon Anteil an der Auferstehung haben. „Ihr seid mit Christus auferweckt“ ruft uns der Apostel Paulus durch die Jahrhunderte hindurch zu und wenn „Christus, unser Leben offenbar wird, dann werden auch [wir] mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.“
Das ist die Botschaft von Ostern, die wir feiern und bezeugen sollten, mit allem was dazugehört. Es gibt kein größeres Fest. Und doch: In diesem Jahr wird alles ver-rückt sein. Wir werden anders feiern. Wir werden vielleicht die Kar- und Ostergottesdienste im Fernsehen, oder auf Youtube verfolgt haben, wo einzelne die Gottesdienste ohne Gemeinde feierten. Zugleich wird ihr Zeugnis in die große Datenflut des Internet hineinstrahlen und Teil des Big Data werden. Auf ihre Weise geben Sie Zeugnis ab von ihrem Glauben und der Hoffnung die in unseren Christenherzen brennt.

Am Ende siegt das Leben über alles was Leben verhindert, Alter, Schmerz, Folter, Unterdrückung, Unfreiheit Krankheit und eben auch Corona.

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