Geistliches Leben

Donnerstag, 10. Januar 2019

Seine Macht dient uns Menschen

Johannes weist auf Jesus Christus hin: Er ist der lang ersehnte Messias - Gedanken zum Lukas Evangelium 3, 15-16.21-22 von Pastoralreferent Steffen Glombitza

„Wenn alle die erste Geige spielen wollen, kommt kein Orchester zusammen“, so lautet ein Zitat des Komponisten Robert Schumann (1810 bis 1856). Wir ahnen, was er damit gemeint haben könnte. Wenn ich so auf meinen Alltag schaue, dann erlebe ich das hin und wieder schon: Menschen, die ständig die erste Geige spielen wollen, die stets meinen, das letzte Wort aussprechen oder die „Letztverantwortung“ haben zu müssen. Vor meinem geistigen Auge kommen mir Bilder von Personen in den Sinn, auf die das zu passen scheint. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich?

Dann muss ich mich aber auch an der eigenen Nase anfassen. Wie sieht es denn da bei mir aus? Wie nehmen mich die Mitmenschen in meinem Umfeld wahr? Erwecke ich da vielleicht auch diesen Eindruck? Dann fallen mir wiederum historische Persönlichkeiten ein, die nach der Macht griffen, um an erster Stelle zu sein. Politiker und (da ich mich zur Zeit etwas mit der Geschichte der Päpste beschäftige) vor allem auch viele Kirchenmänner. Darunter leider ebenso viele Päpste, die danach strebten, ihre Machtpositionen auszubauen und das leider all zu oft auch mit amoralischen Mitteln. (Papst Franziskus ist da – „Gott sei es gedankt“ – erfrischend anders!)

Ich vermute, dahinter steht letzten Endes immer das Streben nach Macht. Das mag zunächst auch gar nicht verwerflich sein. Wir wollen schließlich alle nicht ohnmächtig sein. Wir wollen in aller Regel etwas bewirken können, wirkmächtig sein an den Orten, an denen wir leben und arbeiten. Das betrifft das private Umfeld genauso wie das berufliche. Kaum etwas demotiviert Menschen mehr, als das Gefühl der Ohnmacht, nichts bewirken zu können. Ohnmächtig und demotiviert fühlen wir uns zum Beispiel schnell, wenn wir uns den Herausforderungen der globalen Probleme stellen müssen: Klimawandel, Flucht und Migration, Leben im Anthropozän (die jetzige Erdzeitphase, in der der Mensch seine Umwelt maßgeblich beeinflusst). „Was kann ich da schon tun!“ Ein wenig wollen wir also alle „mächtig“ sein. Aber: „Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut“ sagte einst schon der britische Historiker Lord Acton. Wer viel Macht besitzt, strebt nicht selten nach immer mehr Macht und nach deren Erhalt. Auch das scheint ein Blick in die Geschichte zu bestätigen. Menschen unterliegen den Verlockungen der Macht. „Bei euch aber soll es nicht so sein“ schreibt der Evangelist Markus in Kapitel 10, 43 und zeigt damit auf, wie Christen sich der Macht stellen sollten. Macht und die Ausübung von Macht soll Dienst am Menschen sein. „…Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein“, heißt es deshalb bei Markus.

Im Sonntags-Evangelium zum Fest der Taufe des Herrn wird uns beispielhaft vor Augen geführt, wie das gehen kann. Schon der erste Satz bringt daher ins Grübeln: „…alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei“. Johannes, der Star am Jordan, zu dem die Massen strömten, der von „allen“ in Betracht gezogen wurde, der lang ersehnte Messias zu sein, erwies sich gerade dadurch als wahrer Prophet, indem er die Macht, die ihm angetragen wurde, zugunsten Jesu ablehnte. Hätte er damals anders reagiert, wahrscheinlich wüssten wir dann heute nicht mehr, dass es ihn überhaupt gegeben hat. Er hätte das Schicksal der vielen falschen Propheten seiner Zeit geteilt, die in Vergessenheit gerieten.

Gerade dadurch, dass er sich aber nicht in die erste Reihe drängte, nicht die erste Geige spielen wollte, wurde er zum die Zeiten überdauernden Zeugen für das Licht, das in Jesus Christus aufgestrahlt ist. Die folgenden Verse machen deutlich, wer die erste Geige spielt: Jesus Christus. Sein Lebensweg ist ganz dem Dienst am Nächsten verschrieben. Sein Königtum ist ein Königtum des Dienens, von der Bereitschaft, sich von Johannes taufen zu lassen, der angstfreien, offenen Begegnung mit den Aussätzigen und Ausgestoßenen der Gesellschaft, über die Bereitschaft, seinen Jüngern die Füße zu waschen, bis hin zu seiner Lebenshingabe am Kreuz. Das demutsvolle Zeugnis des Johannes kann uns deshalb dazu ermutigen, uns immer wieder neu zu fragen, an welcher Stelle wir stehen. Wie viel Macht einerseits, aber auch wie viel Ohnmacht andererseits wir Tag für Tag ausüben oder ausgesetzt sind. Es lehrt uns ständig aufs Neue, unsere Haltung zu überprüfen, mit der wir die Macht, die uns verliehen ist, ausüben, die Macht anderer aushalten, ertragen oder sogar mittragen müssen. Es lehrt uns aber auch mit Blick auf das Markus-Evangelium, uns kritisch der Machtausübung entgegenzustellen, die nicht dem christlichen Ideal des Dienens entspricht und Menschen in Unfreiheit und Ungerechtigkeit zwingt. Denn dafür werden wir uns verantworten müssen, vor dem, der mit dem Heiligen Geist und mit Feuer tauft. Vor dem, der gesprochen hat: „Dies ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Gefallen gefunden.“ Ich bin sicher, dass uns das neu begonnene Jahr wieder viele Gelegenheiten geben wird.

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