Geistliches Leben

Mittwoch, 22. Juli 2020

Was ist wertvoll?

Die Frage nach dem Sinn unseres Lebens - Gedanken zum Matthäus-Evangelium 13, 44-46 von Pastoralreferentin Luise Gruender

Was ist uns wichtig im Leben, nach welchen „Schätzen“ suchen wir? Eine entscheidende Frage. Foto: actionpress

Erinnern Sie sich an Cornelius Gurlitt, einen etwas verschrobenen Sammler alter Gemälde, dessen riesige Sammlung die Fachwelt erstaunte und der Justiz und den Medien Rätsel aufgab? Ein Sammler aus Leidenschaft, der fern von dieser Welt im Verborgenen hauste, ein faszinierender Kauz. Müssen Sammler automatisch schrullige Typen sein? Nein, ich glaube nicht. Jeder von uns sammelt doch irgendetwas: Was sammeln Sie? Oder was haben Sie früher einmal als Kinder oder Jugendliche gesammelt? Briefmarken? Münzen? Heiligenbildchen? Fußballbildchen? Schallplatten? Bierdeckel? Es gibt nichts, was man nicht sammeln könnte.

Und was den kleinen Sammler von Fußballbildern mit dem Sammler seltener Antiquitäten verbindet, das ist die Sammelleidenschaft: Eine oft irrationale, unvernünftige, aber begeisterte Haltung, die von den Mitmenschen kaum verstanden wird. Eine Leidenschaft, die mit ganzer Kraft alles daran setzt, ein neues Sammlerstück an Land zu ziehen. Da wird im Internet recherchiert, es werden Auktionen oder Tauschbörsen besucht.

Von einer solchen, manchmal auch verrückten Hartnäckigkeit eines Sammlers, sei es der des professionellen Kaufmanns, sei es der des zufälligen Schatzsuchers, sei es der des routinierten Berufsfischers, spricht Jesus im vorliegenden Evangelium.

Diesem kindlichen Eifer und dem gleichzeitig so hohen Anspruch kann Jesus durchaus etwas abgewinnen. Die Begeisterungsfähigkeit, die um jeden Preis etwas in Besitz nehmen will, nach dem Motto: „Das Beste ist gerade gut genug“, das begrüßt Jesus. Denn diese Grundhaltung sollte der Mensch einnehmen, wenn es um das Himmelreich geht.

Wenn im Evangelium vom „Himmelreich“ die Rede ist, dann ist zunächst nicht das „Jenseits“ nach unserem Tod gemeint. Denn wenn ich im Vaterunser bete „Dein Reich komme“, dann drückt das bei mir nicht meine Todessehnsucht aus, sondern dann bete ich darum, dass Gottes Herrschaft in unserer Welt anbrechen möge, sein guter Wille soll unsere Welt hier, heute und jetzt bestimmen. Und alles andere, so Jesus, soll dahinter zurück stehen. Alles soll sich darum drehen, dass Gottes Wort gehört und befolgt wird. Eben mit jener Leidenschaft, mit der sich ein Sammler fixiert auf eine wertvolle Ergänzung seiner Sammlung. Denn dieser Sammler hat, und das ist wichtig, einen unbestechlichen Blick für das, was ihm wichtig ist. Sammler, Kaufmann, Fischer: Diese Menschen aus dem Evangelium können eindeutig ausmachen, was Wert und Qualität für sie hat.

Das heißt für uns als Jünger oder Jüngerin Jesu, uns nicht misstrauisch und argwöhnisch der Botschaft Jesu zu nähern. Auch nicht als Grundreflex die Gemeinschaft der Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu, die wir Kirche nennen, kritisch zu beäugen, sondern vielmehr die Freude an der Schönheit des Glaubens zu genießen.
Wie oft sehen wir nur das Negative. Wie schnell kann ich alles aufzählen, was mir alles nicht passt. Aber wo benenne ich das Wertvolle? Und gerade da bleibe ich der provozierenden Frage des vorliegenden Evangeliums eine Antwort schuldig: Was ist wertvoll in meinem Leben? In der Kirche? Was begeistert mich als Christin?

Der Schatzsucher, der Kaufmann und die Fischer im Evangelium sind auf ihre Weise alle Menschen, die auf der Suche sind. Sie nehmen nicht einfach, was kommt. Sie sind wählerisch, sie können unterscheiden und sie wissen, wo es sich lohnt innezuhalten, den Schatz, die Perle zu ergattern, die guten Fische aufzubewahren – und wo sie dafür billigere Perlen verkaufen und wertlosere Fische wieder wegwerfen müssen.

Sind wir auch in diesem guten Sinne wählerisch? Die Gleichnisse setzen voraus, zu wissen, was Werte sind und was mir etwas wert ist. Daher frage ich mich: Wie ernst ist mir meine Freundschaft mit Gott? Was investiere ich, um der Botschaft vom Himmelreich zu begegnen, sprich: dem Herrn nahe zu sein und mit meinen Möglichkeiten Gott in den Menschen zu dienen? „Habt ihr das verstanden?“ So fragt Jesus am Ende fast lapidar. „Ja“, sagen die Jünger. Kann auch ich so antworten?

Denn eines ist da ja noch: Dieses verstörende Wort vom „Heulen und Zähneknirschen“. Macht das nicht alle Ermutigung wieder zunichte? Wird da nicht doch die Angstkeule geschwungen, Begeisterung durch Einschüchterung ersetzt?

Vielleicht können wir diese Mahnung so verstehen: Ist uns das wirklich fremd, dass Eltern, die ihr Kind lieben und in großer Sorge sind, ihm die Konsequenzen seines Verhaltens in drastischster Weise vor Augen stellen? Eben weil sie ihr Kind lieben und sich sorgen. Gott ist ein guter Vater. Er will, dass wir keine krummen Wege gehen. Und ein guter Vater, das ist eben nicht dasselbe wie ein netter Onkel.

Als Christen brauchen wir uns nicht wie ein schrulliger Sammler verkriechen, wir dürfen voller Neugier und mit Vertrauen auf Gott die Welt erkunden. Schön, dass Gott unser Leben so reich beschenken will, suchen und sammeln wir das für uns Wertvolle!

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