Geistliches Leben

Freitag, 13. April 2018

Wir müssen den Glauben wagen

Der auferstandene Jesus Christus lebt in der Gemeinde – Gedanken zum Lukas-Evangelium 24, 35–48 von Studiendirektor i.R. Theo Wingerter

Bei Nachrichten aus bestimmten Ländern werden wir hellhörig. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um Fake News handelt, um Falschmeldungen, um so genannte alternative Wahrheiten. Sie sind von bestimmten Interessen gesteuert sind und sollen z.B. einer Regierung oder Partei dienen. Zweifel sind angebracht. Es erweist sich als sinnvoll und notwendig zu klären, was an den Meldungen auf Tatsachen beruht und was zielgerichteten Fantasien entspringt. Eine sorgfältige Überprüfung kann die Grundlage sein für die Glaubwürdigkeit einer Aussage und für das weitere Verhalten.

In Deutschland wächst seit einiger Zeit auch unter Christen die Zahl derer, die sich schwer tun, an die Auferstehung Jesu glauben. Sie haben ihre Zweifel. Sie fragen sich: Wer garantiert uns, dass die Erzählungen von den Erscheinungen des Auferstandenen der Wirklichkeit entsprechen? Ergeben sich daraus Konsequenzen für unseren Glauben an ein Leben bei Gott über den Tod hinaus? Für die Jünger und die ersten Christen schien die Tatsache, dass Jesus auferstanden ist, kein Problem gewesen zu sein. Sie waren überzeugt: Der Herr ist auferstanden und einigen Jüngern erschienen. Paulus erwähnt sechs Erscheinungen des Auferstandenen (erster Koritherbrief 15,1–8). Wie kamen die Jünger zu dieser Überzeugung, die entscheidend ihr Leben beeinflusste? Das heutige Evangelium kann dabei eine wertvolle Hilfe sein.

Die im Abendmahlsaal versammelten Jünger wissen zwar, dass der Auferstandene dem Petrus und den Emmausjüngern erschienen ist. Darüber reden sie. Sie äußern wohl ihre Bedenken und verständlichen Zweifel. So etwas Unerhörtes gab es bisher noch nie. Wenn es wahr wäre, was  Petrus und die Emmausjünger über ihre Begegnungen mit dem Auferstandenen erzählten, dann wäre es nicht umsonst gewesen, dass sie sich Jesus angeschlossen und ihre Familien und alles verlassen hatten; dann hätten sie Hoffnung, dass es mit Jesus nun weiter geht, Hoffnung  auch über den eigenen Tod hinaus. Ihr Leben hätte eine neue Perspektive.

Aber ihre Diskussionen bringen sie dem Glauben an den Auferstandenen nicht näher. Als Jesus in ihre Mitte tritt und sie anspricht, ist ihre Reaktion nur Angst, Erschrecken und Staunen. Eher glauben sie an ein Gespenst als an die Möglichkeit, dass der am Kreuz Hingerichtete lebendig in ihrer Mitte ist. Der Auferstandene nimmt ihre Zweifel ernst. Schritt für Schritt versucht er die Jünger davon zu überzeugen, dass er lebt und bei ihnen ist. Sie sollen ihn nicht nur sehen, sie sollen seine durchbohrten Hände und Füße anfassen. Sie können ihn greifen. Aber auch dies führt die Jünger nicht zum Glauben. Schließlich isst er vor ihren Augen. Mehr kann er zunächst nicht tun. Sie kennen zwar die Aussagen der Propheten über den Messias und können darüber diskutieren. Jedoch für den Sinn der Schrift muss Jesus ihnen die Augen erst noch öffnen, damit sie begreifen, dass der Tod durch seine Auferstehung überwunden ist.

Wie sollen die Jünger ihre Erfahrung mit dem Auferstandenen ihren Mitmenschen vermitteln? Sie bezeugen, dass er plötzlich unter ihnen ist. Er lebt und er ist es wirklich - und dennoch anders. Denn sein Dasein nach seiner Auferstehung ist nicht einfach die Weiterführung seines bisherigen Lebens. Er lebt in einer neuen anderen Wirklichkeit. Sie können ihn nicht festhalten. Sie und die späteren Gläubigen können nur sich öffnen für stets neue Begegnungen mit ihm. Wenn sie einander erzählen, wie er in Galiläa und Judäa, am See Gennesaret und in Jerusalem gepredigt und gehandelt hat, dann ist er unter ihnen. Wenn sie miteinander Mahl halten, spüren sie seine lebendige Gegenwart. Für beides, die Beschäftigung mit der Schrift und dem Feiern der Eucharistie, sind sie verwiesen auf die Gemeinde. In ihr bleibt der Auferstandene gegenwärtig. Jetzt erst begreifen sie, was dies für ihr Leben bedeutet und welchen Auftrag sie zu erfüllen haben. Sie beginnen, in seinem Namen seine Botschaft allen Völkern zu verkünden.

Ihr Leben hat nun eine neue Grundlage. Sie werden ihren Weg weiter gehen im Glauben an die Auferstehung ihres Herrn und die Hoffnung auf die eigene Auferweckung. Naturwissenschaftlich können sie ihren Glauben nicht beweisen. Aber er ist tragfähig für ihr Leben. Man muss ihn wagen. Es ist wie beim Schwimmen. Wer am Ufer nur über das Schwimmen nachsinnt, wird nie erfahren, wie das Wasser tragen kann. Man muss den Glauben wagen und spüren, dass er trägt.

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