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Donnerstag, 19. Juli 2018

Deutlich weniger Ehescheidungen

Jedoch immer mehr ältere Paare landen vor dem Richter

Nach vielen gemeinsamen Jahren: Unter den Eheleuten, die sich scheiden lassen, sind immer mehr ältere Paare. Foto: actionpress

Die Zahl der Scheidungen in Deutschland sinkt kontinuierlich. 2017 ist sie auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren gefallen. Aber noch immer wird jede dritte Ehe geschieden – immer mehr nach der Silberhochzeit.

Es gibt Brücken in Deutschland, die ächzen unter der Last der Liebesschlösser. So muss etwas die Kölner Hohenzollernbrücke wegen des seit einigen Jahren etablierten Brauchs mehr als 22 Tonnen Gewicht zusätzlich tragen. Zum Ritual gehört es, dass verliebte Paare den Schlüssel ins Wasser werfen – als Zeichen dafür, dass die Beziehung niemals auseinandergeht.

Doch das Leben spielt oft anders: Deutsche Gerichte haben im vergangenen Jahr 153 500 Ehen offiziell beendet. Damit ist die Zahl der Ehescheidungen auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren gesunken. Gegenüber 2016 ist sie deutlich um knapp 9 000 oder 5,5 Prozent zurückgegangen. Niedriger als 2017 war die Zahl der Scheidungen zuletzt im Jahr 1992 mit 135 000 Fällen. Die Höchstzahl im Nachkriegsdeutschland hatte es 2004 mit rund 213 700 gegeben.

Zwar kann der endgültige Anteil an Scheidungen für einen Ehejahrgang erst nach Ablauf einer sehr langen Zeitspanne bestimmt werden. Dennoch wird weiterhin mehr als jede dritte Ehe wieder geschieden. So beträgt die Scheidungsrate für die im Jahr 1992 geschlossenen Ehen im Jahr 2017 – also nach 25 Jahren Ehedauer – bisher 393,2 Scheidungen je 1 000 Ehen. Dabei wird es nicht bleiben, weil auch in den kommenden Jahren weitere Ehen dieses Jahrgangs geschieden werden.

Vom „verflixten siebten Ehejahr“ kann nach Angaben der Statistiker schon seit zehn Jahren nicht mehr die Rede sein. Seit 2008 landet der größte Anteil der Ehen nach sechs Jahren vor dem Richter. 2017 lag die Zahl der Scheidungen nach sechs Jahren Ehedauer bei gut 8  000, was 5,1 Prozent aller Scheidungen in diesem Jahr entspricht. Da der Auflösung der Ehe im Regelfall noch mindestens ein Trennungsjahr vorausgeht, hat das Sprichwort ausgedient.

Nach Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden unterliegen Ehen in den ersten Jahren einem besonders hohen Scheidungsrisiko. Allerdings hat es sich in den letzten Jahrzehnten tendenziell verringert.

Auf der anderen Seite landen länger andauernde Ehen mittlerweile immer öfter vor dem Richter: In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Ehescheidungen nach einer Ehedauer von 25 und mehr Jahren von 14  000 (1992) auf 27  000 fast verdoppelt. „Die gesellschaftlichen Entwicklungen, wie zum Beispiel die zunehmende finanzielle Unabhängigkeit von Frauen, dürften zu diesem Ergebnis beitragen“, vermuten die Statistiker.

Im Durchschnitt liegen mittlerweile 15 Jahre Ehe hinter geschiedenen Paaren. Vor 25 Jahren wurden Ehen bereits nach durchschnittlich nur elf Jahren und sechs Monaten geschieden.Ob hinter diesen Zahlen langfristige Trends – etwa zu mehr Stabilität der Beziehungen – stecken? Zumindest bei den seit Beginn des 21. Jahrhunderts geschlossenen Ehen scheint sich ein allmählicher Rückgang der Scheidungshäufigkeit abzuzeichnen. Mit der genauen Interpretation der Zahlen tun sich die Experten schwer angesichts der Vielzahl von rechtlichen und gesellschaftlichen Veränderungsprozessen, denen die Institution Ehe seit Jahrzehnten ausgesetzt ist.

Allerdings hat die Demografieforscherin Evelyn Grünheid vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung 2013 versucht, einige Tendenzen zu ermitteln: Danach sind Ehen von Paaren, die deutlich unter dem durchschnittlichen Heiratsalter geheiratet haben, besonders scheidungsanfällig. Mit steigendem Alter der Partner und Dauer der Ehe sinkt das Scheidungsrisiko – trotzdem ist es bei langjährigen Ehen in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen.

Ältere ließen sich zwar nicht so schnell scheiden wie Jüngere, sagt die Wissenschaftlerin. Die Scheidungshäufigkeit bei den Jüngeren sinke jedoch stärker als bei den Älteren. Das Heiratsalter habe sich auch geändert: „Wer jetzt heiratet, macht es später und bewusster als früher.“

Im Hinblick auf Altersunterschiede zwischen den Ehepartnern scheinen laut Grünheid Ehen, in denen die Frauen mehr als zehn Jahre älter sind als ihre Partner, das höchste Scheidungsrisiko aufzuweisen. In Städten ist die Scheidungshäufigkeit nach ihren Erkenntnissen höher als auf dem Land: Allerdings ist es zu einer langsamen Annäherung gekommen.  (Christoph Arens)

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