Im Gespräch

Freitag, 20. April 2018

Kirche ringt um Verhältnis zu Frauen

Idee einer Frauensynode im Vatikan bricht sich Bahn – Einige Schlaglichter

Vor allem in den Ländern des Südens tragen Frauen maßgeblich zur Entwicklung bei – in den Gesellschaften und auch in den Kirchen. Foto: Caroline Mayer

Eine Frauensynode im Vatikan? Unter diesem Papst? Manchem Franziskus-Kritiker bereitet diese Vorstellung schlaflose Nächte. Andere hingegen wittern Morgenluft. Dabei war es nur eine Anregung, versteckt im allerletzten Satz einer Erklärung der vatikanischen Lateinamerika-Kommission, die Mitte vergangener Woche für Aufmerksamkeit sorgte.

Die Kommission, seit 1958 zuständig für den Heimatkontinent des aus Argentinien stammenden Papstes, hatte sich bei ihrer Vollversammlung Anfang März mit der Lage von Frauen in Lateinamerika befasst. „Die katholische Kirche muss frei sein von jeglichen Vorurteilen, Stereotypen und Diskriminierungen gegenüber Frauen“, beginnt der Text, der mit der Synodenidee endet. Die Kommission stellt – unter Mitarbeit von 14 eigens eingeladenen Expertinnen – der lateinamerikanischen Kirche etliche Hausaufgaben: etwa Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen auch vor Ort zurückzuweisen, Frauen und Männer besser auf die Ehe vorzubereiten – auch was deren sexuelle und emotionale Dimension betrifft. Gefordert wird zudem, auf eine reife Persönlichkeit bei Priestern zu achten, damit diese angemessen mit Frauen umgehen können, sowie mehr und bessere Bildung für Frauen – auch theologische.

Zunehmend kommen solche Forderungen, auch nach Berücksichtigung dessen, was Frauen leisten, aus den Ländern des Südens. Inklusive der Warnung vor „ideologischer Kolonialisierung“ durch westliche Ideen zu Geschlechtergerechtigkeit und -identität. Im Abschlussdokument der am Palmsonntag beendeten internationalen Jugend-Vorsynode finden sich solche Passagen ebenfalls.

Einen besonderen Blick auf Frauen in der Kirche lenkte vergangene Woche die US-Botschafterin beim Vatikan, Callista Gingrich. Bei einem Symposium mit der Internationalen Ordensoberen-Vereinigung nannte sie Ordensfrauen die oft „unbesungenen Heldinnen der katholischen Kirche“. In Konfliktgebieten wie Syrien und dem Südsudan, wo Staaten versagen und Hilfsorganisationen abziehen, verblieben oft nur sie als Kämpferinnen an der „humanitären Front“. Bei dem Treffen berichteten zwei Ordensfrauen, wie sie sich auf den Philippinen und in Zentralafrika unter Einsatz ihres Lebens gegen Sklavenhändler und marodierende Milizen engagieren.

Von einer anderen „humanitären Front“ in Indien berichtete am Sonntag (15. April) ausführlich die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“: Der Beitrag handelte von mehr als 1000 Ordensfrauen, die sich als medizinisch besonders ausgebildete Fachkräfte in Regionen mit schlechter Infrastruktur um Patienten kümmern, für die es kaum Ärzte gibt. Auch dies ein Schlaglicht. Allerdings sind Ordensfrauen nicht nur „unbesungene Heldinnen der katholischen Kirche“, sondern oft auch deren billige Arbeitskräfte. Über skandalöse Erfahrungen, auch rund um den Vatikan, berichtete im März eine Beilage des „Osservatore“. Vielfach behandelten Kleriker Ordensfrauen wie niedere Bedienstete, klagten mehrere Schwestern. Auch werde nicht selten begabten jungen Frauen eine wissenschaftliche Laufbahn verwehrt – von den eigenen Oberinnen. Dahinter stecke oft die Vorstellung, „dass ein Priester alles und eine Nonne nichts ist. Der Klerikalismus tötet die Kirche“, kritisiert eine Ordensfrau.

Genau diese Warnung hat nun die Lateinamerika-Kommission wiederholt. Die Kirche brauche gut ausgebildete Frauen und müsse ihnen von der Pfarrei bis zur Kurie in Rom mehr Mitarbeit ermöglichen. Um glaubwürdig und der Botschaft Jesu treu zu sein, solle die Kirche Erfahrungen, Rechte und Stärken von Frauen stärker berücksichtigen.

Vor allem dies ist der Tenor der jüngsten Beiträge. Eine von manchen befürchtete und von anderen erhoffte Öffnung von Weiheämtern ist – zumindest vorerst – wohl nicht in Sicht. Dringender scheint das Anliegen, über die Männer zu sprechen. Dass die „Herren der Schöpfung“ chauvinistische Grundeinstellungen und Widerstände sowie unverantwortliches Sexualverhalten aufgeben, sei auch eine Aufgabe für die Kirche, hieß es – wie die Mahnung, väterlichen und familiären Pflichten nachzukommen. Das steht schon im Papstschreiben „Amoris laetitia“; bei einer möglichen Frauensynode käme dieser Aspekt sicher erneut zur Sprache. (Roland Juchem)

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