Im Gespräch

Mittwoch, 09. Oktober 2019

Debatte um Reformen geht weiter

Mainzer Bischof Kohlgraf für Veränderungen, Kritik vom Forum Deutscher Katholiken

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sieht die Notwendigkeit von Veränderungen: Auch wenn am Ende des „synodalen Wegs“ sicher nicht die Frauenweihe stehen werde, halte er es für entscheidend, „dass wir uns auf die Denkweise derer einlassen, die in dieser Frage nach Bewegung und Veränderung rufen“. Foto:KNA

Bonn. Die Diskussion über Reformdebatten beim „synodalen Weg“ in der katholischen Kirche in Deutschland halten an. Am Wochenende zeigte sich der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf offen für weitergehende Reformen – etwa beim Zölibat, bei der katholischen Sexualmoral und bei der Rolle der Frauen in der Kirche.
Das Forum Deutscher Katholiken dagegen kritisierte die Reformbestrebungen und rief alle Bischöfe auf, die der Satzung des „synodalen Wegs“ zugestimmt haben, ihre Entscheidung zu überdenken. Sie sollten sich darauf besinnen, „was sie bei ihrer Bischofsweihe feierlich versprochen haben, nämlich den katholischen Glauben unverkürzt zu vertreten und zu bezeugen“. Die Bischöfe, die der Satzung „nicht zustimmen konnten, haben ihre Verantwortung gegenüber den Gläubigen ihrer Diözese wahrgenommen“, heißt es weiter.
Im Interview des „Kölner Stadt-Anzeigers“ sagte Bischof Kohlgraf mit Blick auf die Protestbewegung Maria 2.0, die unter anderem einen Zugang von Frauen zu allen Ämtern in der Kirche fordert: „Das sind hoch engagierte Frauen – und auch Männer – aus der Mitte unserer Gemeinden.“ Auch wenn am Ende des „synodalen Wegs“ sicher nicht die Frauenweihe stehen werde, halte er es für entscheidend, „dass wir uns auf die Denkweise derer einlassen, die in dieser Frage nach Bewegung und Veränderung rufen“.
Er habe den Aktivistinnen von Maria 2.0 versprochen, ihr Unverständnis nach Rom weiterzugeben. Zudem, so Kohlgraf weiter, müsse er „schlicht konstatieren, dass die Einwände Roms gegen die Frauenordination vielfach nicht überzeugen“.
Der Mainzer Bischof plädierte zudem für neue Sichtweisen in Sachen Sexualmoral. „Der Blick in die Kirchengeschichte zeigt, dass es – abgesehen von den Essentials im Glaubensbekenntnis – nichts gibt, was in der Kirche nicht dem Wandel der Zeit unterworfen gewesen wäre“, sagte er. Zum Thema Zölibat, also zur verpflichtenden Ehelosigkeit katholischer Priester, sagte er: „Ich hielte verheiratete Priester in bestimmten Regionen weder für einen Angriff auf die Weltkirche noch auf das Priesteramt.“
Auch der am 5. Oktober zum Kardinal ernannte Luxemburger Erzbischof Jean-Claude Hollerich kann sich vorstellen, mehr erfahrene verheiratete Männer, sogenannte viri probati, zu katholischen Priestern zu weihen. Das Thema spielt eine Rolle bei der am Sonntag eröffneten Amazonas-Synode im Vatikan. Der 61-Jährige hob auch den unterschiedlichen Erfahrungshorizont von Ehemännern hervor: „Ich liebe meinen Zölibat, ich stehe dazu; aber ich sehe, dass die verheirateten Diakone anders predigen können als ich, und das finde ich an sich eine wunderbare Ergänzung.“

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