Im Gespräch

Donnerstag, 17. Januar 2019

Brücken bauen, Löcher flicken

Vatikan erwartet ein turbulentes Jahr – Auftakt bildet Papstreise nach Panama

Für Papst Franziskus hat das Jahr 2019 turbulent begonnen. Foto: actionpress

Turbulent – mit einem Wechsel im vatikanischen Presseamt – hat für Papst Franziskus das Jahr begonnen. Es folgt noch im Januar die erste große Auslandsreise – nach Panama. Und zuvor meldete er sich schon mit einem langen Brief bei den US-Bischöfen zu Wort.

Interne Veränderungen im Vatikan, mehrere Reisen und große inhaltliche Baustellen – sie werden die kommenden Monate bestimmen. Den Auftakt der Reisen macht Panama mit dem Weltjugendtag. In Mittelamerika wird der Papst auf junge Menschen treffen, die vielfältige Probleme mit sich tragen, aber die katholische Kirche als Heimat betrachten – fast so etwas wie ein Heimspiel für den Argentinier Franziskus.
Wenige Tage später bricht der Pontifex zu einer interreligiösen Begegnung nach Abu Dhabi auf. Augenscheinlich hat Kronprinz Muhammad bin Zayid als Gastgeber planerisch das Heft in der Hand, und der Vatikan wird darauf achten, sich nicht in das religionspolitische Fingerhakeln der liberaleren Golfstaaten mit Saudi-Arabien hineinziehen zu lassen. Erstmals jedenfalls reist ein Papst auf die Arabische Halbinsel; der Eintrag im Geschichtsbuch ist sicher.

Interreligiöser Dialog
Ebenfalls um den Kontakt zur islamischen Welt geht es Ende März mit einem zweitägigen Besuch in Marokko. Der Vatikan erinnerte bei der Ankündigung (wie schon bei der Abu-Dhabi-Visite) an das Treffen des heiligen Franz von Assisi mit Sultan Al-Kamil vor genau 800 Jahren. Man spielt mutig die Karte des interreligiösen Dialogs, auch wenn die Leitung des betreffenden Rats im Vatikan seit dem Tod von Kardinal Jean-Louis Tauran im Juli 2018 verwaist ist. Anfang Mai besucht der Papst dann Bulgarien und Mazedonien. Spekuliert wird weiter über Reisen nach Japan, Mosambik und Madagaskar.

Missbrauch bleibt Thema
Irgendwann im Frühling sollte die vatikanische Leitungsreform formell zu einem Ende kommen. Die neue Kurienordnung erhielt über den Winter ihren Feinschliff. Selbst wenn es keine grundstürzenden Umstrukturierungen geben sollte, harren allein im Wirtschafts- und Öffentlichkeitsbereich etliche Posten einer Neubesetzung.
Inhaltlich wird der Missbrauchskandal den Vatikan noch beschäftigen. Vom 21. bis 24. Februar hat Franziskus die Spitzen der Bischofskonferenzen weltweit in den Vatikan einberufen, um über Konsequenzen zu beraten. In der andauernden Migrationsdebatte sieht sich der Vatikan immer wieder zu Äußerungen veranlasst, und im Oktober kommt mit der Amazonas-Synode ein komplexes und ebenso politisches wie pastorales Themenbündel auf den Tisch: Ökologie und Indigenen-Rechte, aber auch die Frage neuer Ämter für Frauen und verheiratete Männer werden Stoff für Kontroversen geben.

Wahlberechtigte Kardinäle
Zehn Kardinäle werden in diesem Jahr 80 Jahre alt; sie scheiden somit aus dem Kreis der Papstwähler aus.
Die Zahl der Papstwahlberechtigten sinkt allein altersbedingt auf 114, vorbehaltlich eines weiteren Schwunds durch Todesfälle. Grund genug für Franziskus, sich Gedanken über Nachnominierungen zu machen. Wenn das Wahlgremium der Kardinäle zum Jahresende 2019 wieder die Sollstärke von 120 hätte, wären 62 von ihnen von Franziskus ernannt. (Burkhard Jürgens)

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Redaktion
 

Deutsche Bischofskonferenz

Anzeige

17. Januar 2019

Brücken bauen, Löcher flicken

Vatikan erwartet ein turbulentes Jahr – Auftakt bildet Papstreise nach Panama


10. Januar 2019

Mahnschreiben an US-Bischöfe

Der Missbrauchsskandal und das Ringen des Papstes um den Zusammenhalt der Kirche


Anzeige

Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren