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Mittwoch, 12. August 2020

Überleben in Gefahr

Indigene Völker in Brasilien nicht nur durch Corona-Pandemie bedroht

Viele der indigenen Völker Brasiliens sind von Corona-Infektionen betroffen. (Foto: actionpress)

Angesichts mehrerer sich verschärfender Krisen stehen die indigenen Völker Brasiliens aus Sicht des katholischen Hilfswerks Misereor vor einer Katastrophe. Vertreibungen, Diskriminierung, Landraub, Brandrodung und nun auch noch die Corona-Pandemie sorgten dafür, dass einigen Völkern die Auslöschung drohe, erklärte das katholische Entwicklungshilfswerk am 8. August in Aachen anlässlich des Internationalen Tages der indigenen Völker.
Scharf kritisierte Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon die Politik und Menschenrechtsverletzungen der brasilianischen Regierung. „Die Hälfte der indigenen Völker Brasiliens ist bereits von Corona-Infektionen betroffen. Die Indigenen sind die Hüter und Bewahrer Amazoniens, mit ihnen stirbt auch der Regenwald.“ Die Todesraten unter den Indigenen seien deutlich höher; die Regierung verweigere ihnen ausreichende medizinische Versorgung.
Bereits vor der Corona-Pandemie habe sich die Lage der über 300 indigenen Völker in Brasilien verschärft, so Misereor. Vertreibungen, Landraub und Brandrodungen hätten massiv zugenommen, die Entwaldungsrate sei unter Präsident Jair Bolsonaro eklatant angestiegen. „So wurden laut der brasilianischen Weltraumbehörde INPE von August 2019 bis Juli 2020 rund 8 754 Quadratkilometer im brasilianischen Amazonas-Gebiet gerodet. Diese Fläche entspricht fast der Fläche Zyperns und ist knapp 25 Prozent größer als im Vorjahreszeitraum.“
Mit dem Verlust des Landes verlören die Indigenen auch ihre Kultur und ihre Kultstätten, erklärte die Brasilien-Referentin Regina Reinart. Auch gehe mit der Vertreibung die Zerstörung einer Biodiversität einher, die oftmals unwiederbringlich sei.
Bröckelmann-Simon forderte auch in Deutschland Solidarität mit den Indigenen: „Unser billiges Fleisch oder unsere Gartenmöbel aus Teakholz werden auch auf Kosten der indigenen Völker produziert, darüber müssen wir uns klar werden.“ Daher sei ein deutsches Lieferkettengesetz ein wichtiger Schritt, der für Verbraucher mehr Klarheit schaffe und deutsche Unternehmen zu globaler Verantwortung verpflichte.
Caritas international verwies auf die Kritik brasilianischer Bischöfe, wonach die Regierung von Präsident Jair Messias Bolsonaro nicht das Gemeinwohl schütze, sondern „die Interessen einer Wirtschaft, die tötet, die sich auf den Markt und den Profit um jeden Preis konzentriert“. Die Hilfsorganisation des Deutschen Caritasverbandes arbeitet in Brasilien – wie Misereor – mit lokalen Partnern zusammen, unter anderem bei Corona-Nothilfeprojekten.

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