Im Gespräch

Dienstag, 07. April 2020

Christen in Nahost trotzen dem Virus

Das Heilige Land leidet unter Covid-19 – Christen setzen auf österliche Hoffnung und Solidarität

Die Gassen um die Grabeskirche in Jerusalem sind fast menschenleer. Foto: KNA

Auch das Heilige Land und seine Bewohner leiden unter den Auswirkungen von Covid-19. Befürchtungen, das Virus gefährde die christliche Existenz in Nahost, teilt man hier nicht. Und setzt stattdessen auf Hoffnung.

Die Liturgien in der Grabeskirche finden hinter geschlossenen Türen statt. Heilige Stätten landesweit sind zu, die biblische Welt für Pilger in der vorösterlichen Hochsaison unerreichbar. Das Corona-Virus hat auch vor dem Heiligen Land nicht Halt gemacht. Dass es die Präsenz der Christen an der nahöstlichen Wiege des Christentums gefährden und damit möglicherweise verheerendere Folgen haben könnte als islamistische Kräfte wie die Terrorgruppe IS, halten Kirchenvertreter in der Region jedoch für unbegründet.
Viele Nahostchristen leben vom Tourismus. Leere Hotels und Gästehäuser, fehlende Pilger und die auf September verschobene Karwochen-Kollekte bringen christliche Einrichtungen unter Druck. In Zeiten wachsender Not seien sinkende Einnahmen fatal, heißt es in einem Aufruf des „Deutschen Vereins vom Heiligen Lande“ (DVHL), die Arbeit für Christen in Israel und Palästina durch Spenden zu unterstützen.

Der Leiter des Jerusalemer DVHL-Büros, Georg Röwekamp, beansprucht aber keine exklusive Opferrolle für Christen: „Der Virus trifft alle gleichermaßen, ebenso die wirtschaftlichen und sozialen Folgen“, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur.
Eine verstärkte Abwanderung von Christen aus Nahost hält Diakon Firas Abedrabbo, persönlicher Sekretär von Patriarchatsleiter Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, schon aus praktischen Gründen für unwahrscheinlich. „Das Virus“, so der palästinensische Christ, „ist überall! Wo ist es derzeit schon besser?“
Als Gläubiger müsse man „immer an die Lektion der Hoffnung erinnern, die wir in der Geschichte des erwählten Volkes lesen“, ist Kustos Francesco Patton überzeugt. Gott habe seinem Volk, dem Volk Israel, immer wieder Freiheit geschenkt und es zurück ins Heilige Land gebracht, für einen neuen Anfang. „Im Alten Testament lesen wir, dass wenn die Wurzel bleibt, Gott die Wurzel wieder wachsen lässt. Wir machen dieselbe Erfahrung“, so der italienische Franziskanerpater. Die Zahl der Christen könne sinken, „aber die christliche Präsenz wird fortbestehen, und nach dieser Zeit des Leidens, der Prüfung und in vielen Fällen des Todes wird Gott unserer Gemeinschaft helfen, wieder zu wachsen“.

Neben Hoffnung lautet das zweite Stichwort der Christen in diesen Zeiten: Solidarität! In der syrischen Bevölkerung sei diese Solidarität sichtbar, berichtete die in Aleppo lebende Ordensfrau Brygida Maniurka in einem Bericht an das Hilfswerk „Initiative Christlicher Orient“ (ICO). In Syrien wie auch in Gaza ist das Virus angekommen. Dramatische Einschränkungen wie Ausgangssperren erschweren das Leben der Bevölkerung.

Gerade Syrien könnte das Virus „den größten Schlag“ versetzen, glaubt Kustos Patton. Zehn Jahre Krieg und ein internationales Wirtschaftsembargo hätten das Gesundheitssystem des Landes in eine schwierige Lage gebracht. „Deshalb sollte das Embargo aufgehoben werden, denn es trifft besonders die Armen.“ (Andrea Krogmann)

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