Im Gespräch

Mittwoch, 22. Juli 2020

Leitung im Team als Chance

Gemeindereformen: Generalvikar Andreas Sturm zu Papier aus Rom

Das Papier aus Rom setzt auch Fragezeichen hinter die Arbeit der pfarrlichen Gremien. Foto: KNA

Mit ihrem Dokument zum Thema Gemeindereformen vom 20. Juli sorgt die Kleruskongregation des Vatikan für Diskussionen in der deutschen Kirche (Beitrag Seite 3). Unter anderem geht es um die Leitung von Pfarreien. In einer Stellungnahme bezeichnet Generalvikar Andreas Sturm „Leitung von Pfarreien im Team als Chance, nicht als Bedrohung“. Das römische Dokument sieht die Mitwirkungsmöglichkeiten von Laien hier eingeschränkt und wendet sich gegen Bezeichnungen wie „Leitungsteam“.

„Wir sind aktuell dabei, die Instruktion sehr genau zu lesen und sie im Blick auf die pastorale Situation im Bistum Speyer auszuwerten“, erklärt Sturm. Eine Veränderung der Pfarreistruktur stehe im Bistum Speyer derzeit nicht zur Diskussion. Als Ergebnis des Prozesses „Gemeindepastoral 2015“ habe das Bistum die inhaltliche und strukturelle Reform der Pfarreiseelsorge bereits vor fünf Jahren abgeschlossen.

Der Priestermangel mache jedoch auch vor dem Bistum Speyer nicht Halt. „Wir müssen wahrnehmen, dass uns zur Leitung der 70 Pfarreien künftig nicht mehr genügend Priester zur Verfügung stehen werden“, betont Sturm im Blick auf den Nachwuchsmangel, der nicht nur die Priester, sondern alle pastoralen Berufe betreffe. Einen „ersten Anlauf, um zu einer Antwort auf diese immer drängendere Frage“ zu kommen, unternehme das Bistum derzeit in der Pfarrei Heilig Kreuz in Homburg mit der Entwicklung eines „neues Modells der Leitung und der Hirtensorge“ in einer Pfarrei. In diesem Projekt gehe es darum, „an einer Stelle der Diözese einmal versuchsweise eine andere Form der Leitung auszuprobieren und damit Erfahrungen zu sammeln“. Das Kirchenrecht biete in Canon 517 (2) dafür eine verlässliche Grundlage.

Für Generalvikar Sturm ist wichtig, „diesen Schritt sehr umsichtig und im Gespräch mit allen Beteiligten“ zu entwickeln. Daher sei bereits zu Beginn des Jahres eine diözesane Arbeitsgruppe gebildet worden, bestehend aus Vertretern der Pfarrei Heilig Kreuz, des Bischöflichen Ordinariats, des Katholikenrates und der pastoralen Berufsgruppen im Bistum. Sie begleitet die Pfarrei und reflektiere, „wie die in Homburg gemachten Lernerfahrungen gegebenenfalls im Bistum fruchtbar gemacht werden können“.

Die Arbeitsgruppe „Neue Leitungsmodelle“ werde sich mit der Instruktion aus Rom gründlich auseinandersetzen, kündigt der Speyerer Generalvikar an. Enttäuschend sei für ihn wie auch für die Mitglieder der Arbeitsgruppe, „dass die Versuche der Diözesen, mit dem Priestermangel konstruktiv umzugehen und neue Wege der Seelsorge zu finden, durch die Kleruskongregation so wenig Unterstützung“ erfahre.

Gleichzeitig ist Sturm überzeugt: „Das Modell der Leitung im Team ist keine Bedrohung, sondern eine Chance für die Gemeinden und auch für die Priester.“ Denn Leitung im Team stärke den Zusammenhalt und die Motivation und vereine unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen. „Sie nimmt von den Priestern den Druck, für alles in der Pfarrei zuständig und kompetent sein zu müssen, was in der Praxis häufig mit einem Gefühl der Überforderung verbunden ist.“ (pil/is)

Wortlaut: www.dbk.de

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