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Im Gespräch

Donnerstag, 12. November 2020

Angst vor Rufschädigung

Papst Franziskus entzieht dem Staatssekretariat die Finanzhoheit

Akuter Gesprächsbedarf: Papst Franziskus und Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, hier auf einem Bild von 2015 (Foto: Paul Haring/CNS photo/kna)

Grund des Durchgriffs sind dubiose Investments der Behörde, die seit langem Schlagzeilen machen. Papst Franziskus hat dem vatikanischen Staatssekretariat, der obersten Leitungsbehörde der katholischen Kirche, die bisher autonom verwalteten Vermögenswerte und jegliche Kontrollfunktion über wirtschaftliche Angelegenheiten entzogen. Zudem ordnete das Kirchenoberhaupt den Ausstieg aus Investments an, die seit Monaten für Schlagzeilen sorgten. Das gab das vatikanische Presseamt bekannt. Nach einem Schreiben des Papstes an Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin muss dessen Behörde die Verwaltung sämtlicher Kapital- und Immobilienwerte an das zentrale Wirtschaftsamt Apsa übertragen. Die Finanzen des Staatssekretariats werden künftig Teil des Kurienhaushalts; wie andere vatikanische Behörden muss auch die Leitungszentrale ab sofort ein Budget aufstellen und genehmigen lassen. Das Vermögen des Staatssekretariats, das unter anderem den weltweiten diplomatischen Apparat des Heiligen Stuhls unterhält, ist dem Umfang nach nicht bekannt; es kursieren Schätzungen von höheren dreistelligen Millionenbeträgen. Angesichts rückläufiger Zuwendungen von außen diente das Kapital zunehmend zur Erwirtschaftung von Renditen, um laufende Kosten zu decken.

Beträchtliche Verluste
Ausdrücklich geht der Papst auf Investitionen des Staatssekretariats in London und bei der in Malta ansässigen Fondsgesellschaft Centurion ein. Aus diesen Anlagen müsse die Behörde „so schnell wie möglich aussteigen oder wenigstens in einer Weise darüber verfügen, dass jedes Risiko einer Rufschädigung unterbunden wird“. An dem Centurion- Fonds des italienischen Geschäftsmanns Enrico Crasso soll die Kirchenleitung mit 50 Millionen Euro beteiligt sein. Gegenstand des Londoner Engagements ist eine Geschäftsimmobilie an der Sloane Avenue, die der Vatikan über Partnergesellschaften in mehreren Schritten seit 2014 und unter beträchtlichen Verlusten erworben hat. Die Gesamtinvestition einschließlich der Ablösung von Hypotheken soll nach unterschiedlichen Recherchen einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag erreichen. Die vatikanische Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs, Korruption und Geldwäsche. Der Papst und Parolin berieten mit den Wirtschaftsverantwortlichen des Heiligen Stuhls und des Vatikanstaats über eine Umsetzung der Vorgaben binnen drei Monaten. Franziskus hat eine Kommission eingerichtet, die die Maßnahmen überwachen soll. Dieser gehören der Substitut des Staatssekretariats, Edgar Pena Parra, Apsa-Chef Nunzio Galantino und der Präfekt des Wirtschaftssekretariats, Juan Guerrero, an.

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