Im Gespräch

Donnerstag, 06. Dezember 2018

Büchse der Pandora ist geöffnet

Genexperimente am Menschen in China bedeuten Dammbruch

Bauplan des Lebens. Die Möglichkeit der Manipulation an menschlichen Genen bedroht zutiefst die Würde des Menschen. Foto: actionpress

Unvorstellbar, ungeheuerlich, unverantwortlich! Die Superlative des Entsetzens reichen nicht aus, um das zu beschreiben, was jüngst in China geschehen ist. Der Forscher He Jiankui hat erklärt, dass mit seiner Hilfe erstmals genmanipulierte Babys zur Welt gekommen seien. Nach eigenen Angaben hat der in Stanford ausgebildete Wissenschaftler an mehreren Embryonen einen Eingriff mit der hochumstrittenen Genschere Crispr/Cas 9 vorgenommen, um sie gegen das Aids-Virus HIV resistent zu machen. Weltweit sorgt die Nachricht jetzt unter Wissenschaftlern und Ethikern für helle Empörung. Die Kritik ist heftig.

Manchmal wird das Wort vom Tabu- oder Dammbruch (zu) schnell benutzt; hier trifft es voll und ganz zu. Die Erfahrung lehrt, dass alles, was medizinisch möglich ist, auch eines Tages von irgendeinem Forscher gemacht wird, egal ob ethisch erlaubt oder nicht. Und wie schon so oft in der Medizin wird die vermeintlich gute und heilbringende Absicht, Menschen vor schweren Krankheiten zu bewahren, als Grund für den schwerwiegenden Eingriff angeführt. Doch in Wirklichkeit gibt es kein Gen, das für eine HIV-Infektion verantwortlich wäre und durch einen Eingriff ausgeschaltet werden müsste. Auch gibt die Universität von Shenzhen, an der He Jiankui geforscht hatte, an, von den Versuchen nichts gewusst und sie erst recht nicht genehmigt zu haben. Die chinesische Regierung, sonst in vielen ethischen Fragen nicht gerade zimperlich, hat eine unverzügliche Untersuchung angeordnet.

Schon jetzt ist klar: Jiankui hat der gesamten biomedizinischen Wissenschaft einen Bärendienst erwiesen. Direkte Experimente mit Menschen durchzuführen – das ist endgültig und definitiv der verwerfliche Versuch, sich an die Stelle Gottes zu setzen und Schöpfer zu spielen. Die Büchse der Pandora ist geöffnet, und niemand sollte so naiv sein, anzunehmen, dass He Jiankui nicht irgendwann irgendwo auf dieser Welt Nachahmer finden wird. Wenn überhaupt, dann können nur hohe weltweite Schutzstandards in der Biomedizin, die mit verbindlichen und harten Sanktionen bewehrt sind, eine solche Entwicklung verhindern. Anderenfalls ist es nicht mehr weit, bis das Design des idealen und perfekten Wunsch-Babys entworfen werden kann. Für jeden, der die Menschenwürde nicht für eine Verfügungsmasse hält, ist das eine Horrorvorstellung. (Gerd Felder) 

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