Im Gespräch

Mittwoch, 06. Mai 2020

Die Billionen-Euro-Frage

Christliche Experten sagen, wer die Corona-Hilfen bezahlen soll

(Foto: actionpress)

Eine einmalige Vermögensabgabe für Reiche könnte helfen, die Hilfspakete zu finanzieren.
Die Bewältigung der Corona-Krise verlangt vielen Menschen das Äußerste ab, auch finanziell. Am Ende könnten allein die Hilfspakete, die die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abfedern sollen, den Steuerzahler bis zu 1,8 Billionen Euro kosten. Um die enormen Kosten sozial verträglich zu verteilen, mehren sich Vorschläge, Reiche stärker zu belasten als Gering- und Normalverdiener. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch fordert eine Anhebung des Spitzensteuersatzes für die Bezieher hoher Einkommen sowie die Wiedereinführung der Vermögensteuer. Auch die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung unterstützt diese Gedanken. Weil aber eine umfassende Steuerreform mit der CDU/CSU nicht zu machen ist und darüber hinaus die Gefahr besteht, dass dann etliche Unternehmer und Millionäre ins Ausland abwandern, hat die SPD-Vorsitzende Saskia Esken eine einmalige Vermögensabgabe für Wohlhabende ins Spiel gebracht.

Starke Schultern
Neben dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) unterstützt der Jesuit Jörg Alt diesen Plan. „Es muss das Prinzip gelten, starke Schultern können mehr leisten als schwache“, sagt Alt, der sich seit Jahren für Steuergerechtigkeit einsetzt. „Wir müssen aus den Fehlern der Finanzkrise lernen. Ihre Lasten wurden völlig ungleich verteilt, indem man sie allen Steuerzahlern gleichermaßen auferlegt hat.“ Laut DIW besitzen die 45 reichsten deutschen Haushalte so viel wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung. Auch Ulrich Hemel, der Präsident des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU), signalisiert Verständnis für die Idee von Esken und Alt. „Eine Einmalabgabe ist von der Physiologie her leichter zu verdauen als eine Vermögenssteuer“, sagt er. Zudem seien die Mitglieder im BKU nicht nur „mit Leib und Seele Unternehmer, wir wissen uns auch der christlichen Soziallehre verpflichtet“. Statt einer gesetzlich verordneten Abgabe bevorzugt Hemel jedoch die Einrichtung eines freiwilligen Härtefallfonds. Bei staatlichen Abgaben oder Steuern bestehe stets die Gefahr, „ein bürokratisches Monstrum“ zu gebären, sagt er. So stünden privaten Vermögen und Betriebseinnahmen oft Ausgaben und Schulden gegenüber, die sich nur schwer auseinanderrechnen ließen. „Wer heute in München ein Haus geerbt hat, ist nominell Millionär. Faktisch weiß er oft nicht, wie er die Handwerker bezahlen soll“, erklärt Hemel. Pater Alt und das DIW schlagen vor, nur die reichsten 450 000 Haushalte mit einem Nettovermögen von mehr als 2,5 Millionen Euro mit einer Corona-Abgabe zu belegen. Da diese Haushalte ein Drittel des deutschen Gesamtvermögens besäßen, ließen sich rasch 70 bis 100 Milliarden Euro einsammeln, so Alt.

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