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Donnerstag, 08. November 2018

Die Kluft wird größer

Bericht: Arm und Reich nehmen zu, zulasten der Mitte

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft zunehmend auseinander. Foto: actionpress

Die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland ist laut einer aktuellen Analyse in den vergangenen Jahren größer geworden. Die Gruppe der Menschen mit mittleren Einkommen sei geschrumpft, heißt es in dem am 5. November veröffentlichten neuen Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Demnach hat der Anteil der Haushalte unter der Armutsgrenze – also mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens – deutlich zugenommen. Der Anteil der reichen Haushalte – mit mindestens dem doppelten des mittleren Einkommens – habe etwas zugenommen. Mehr Haushalte hätten zudem über mindestens fünf Jahre hinweg ein sehr niedriges oder sehr hohes Einkommen gehabt.

Seit den 1990er Jahren sei der Anteil nach Einkommen armer Menschen von rund 11 Prozent auf fast 16,8 Prozent gestiegen, erklärte Studienautorin Dorothee Spannagel. Zuletzt sei die Zunahme vor allem auf Flüchtlinge zurückzuführen gewesen, die Armutsquote unter in Deutschland Geborenen sei hingegen stabil geblieben.

Zudem gebe es wesentliche Unterschiede nach Geschlecht und Region, heißt es weiter. Westdeutsche Männer hätten am häufigsten ein dauerhaft hohes Einkommen: Etwa zwei Drittel der Wohlhabenden seien männlich, insgesamt lebten 95 Prozent der „Einkommensreichen“ in Westdeutschland. Im Osten dagegen lebten knapp 62 Prozent der dauerhaft Armen, obwohl dort nur ein Fünftel der Gesamtbevölkerung ansässig sei.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Verena Bentele, sagte, es dürfe nicht sein, „dass trotz der starken Wirtschaftskraft ein großer Anteil der Bevölkerung dauerhaft vom Wohlstand abgehängt bleibt.“ Die Kluft zwischen Arm und Reich dürfe sich nicht noch weiter vergrößern. Bentele forderte mehr Umverteilung durch eine Steuerpolitik, die Menschen mit großen Vermögen für das Gemeinwohl stärker in die Pflicht nehme.

Die Linken-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Sahra Wagenknecht, sagte: „Unsoziale Politik macht Armut für immer mehr Menschen zum Dauerzustand.“ Vor allem Rentnerinnen, Erwerbslose oder Alleinerziehende würden von der Regierung im Stich gelassen. Dafür nehme die Zahl der „Superreichen“ zu.

Grünen-Sozialpolitiker Wolfgang Strengmann-Kuhn sagte, die Ergebnisse der Studie müssten für die Bundesregierung „ein Weckruf sein, den Kampf gegen Armut endlich ernst zu nehmen.“ Union und SPD sollten sich „mit den grundlegenden Gründen für sichtbare und verdeckte Armut in Deutschland befassen.“ Sinkende soziale Mobilität und Chancengerechtigkeit erzeugten „Risse im Fundament unserer Gesellschaft“.

Für den Verteilungsbericht wurden den Angaben zufolge die neuesten verfügbaren Daten genutzt, die sich auf das Jahr 2015 beziehen. In einer Wiederholungsbefragung machen jährlich rund 11 000 Haushalte unter anderem Angaben zu ihren Einkommen. (red)

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