Im Gespräch

Mittwoch, 18. März 2020

Eine große Zäsur

Generalvikar Sturm: Konsequenzen der Corona-Pandemie für Bistum und Ordinariat

Generakvikar Andreas Sturm. Foto: Pressestelle Bistum Speyer

Die Corona-Krise hat für die Menschen, aber auch für kirchliche Dienststellen und Einrichtungen eine komplett neue Situation geschaffen. Die Pandemie hat eine Vielzahl von Fragen aufgeworfen, für die kurzfristig Lösungen zu finden sind. Wie tiefgreifend sich die Arbeit im Bischöflichen Ordinariat, seinen Dienststellen und den Pfarreien seit Ausbruch des Corona-Virus verändert hat, erläutert Generalvikar Andreas Sturm im Gespräch mit dem „pilger“.

Herr Generalvikar, gibt es für Sie aktuell noch ein anderes Thema als Corona?

Die Corona-Pandemie bedeutet eine große Zäsur, für die gesamte Gesellschaft, jeden Einzelnen, aber natürlich auch für die Kirche. Wir standen plötzlich vor Fragen jenseits des bisherigen Vorstellungsvermögens. Zur Bewältigung haben wir im Bischöflichen Ordinariat einen Krisenstab gebildet, mit Beteiligung unserer Betriebsärztin und aller Fachleute, die zur Entwicklung geeigneter Vorsichts- und Gegenmaßnahmen erforderlich sind. Dieser Krisenstab trifft sich inzwischen täglich, schätzt die aktuelle Lage ein und legt die notwendigen Schritte fest.

Was bedeutet eine solche Pandemie für die Seelsorge?

Zunächst einmal eine große Herausforderung, denn viele Menschen, aber auch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind stark verunsichert. Das Aussetzen der öffentlichen Gottesdienste war sicher die einschneidendste Entscheidung, die wir bisher treffen mussten. Aber die Verantwortung für die Gesundheit der Menschen, besonders der kranken und älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger, hat in dieser Situation absoluten Vorrang.
Mit den Gottesdiensten im Internet und der Einladung zum gemeinsamen Angelus-Gebet haben wir bewusst andere Möglichkeiten geschaffen, wie wir als Glaubensgemeinschaft zusammenhalten und uns im Gebet miteinander verbinden können. Aber auch für pastorale Grundaufgaben wie zum Beispiel Beerdigungen oder die Spendung der Krankensalbung waren Lösungen zu finden, die den hygienischen Anforderungen entsprechen und auch die Seelsorgerinnen und Seelsorger vor einer Ansteckung schützen.

Die kirchlichen Einrichtungen kommen mit einer Vielzahl von Menschen in Kontakt. Welche Veränderungen waren hier erforderlich?

Wo immer Menschen mit der Kirche in Kontakt treten, haben wir eine Verantwortung für den Schutz ihrer Gesundheit. Am deutlichsten wird das in den Altenzentren der Caritas, für die seit Beginn der Krise besondere Vorsichtsmaßnahmen gelten. Aber auch in unseren Schulen und Kindertagesstätten kommen täglich viele Menschen zusammen. Die Entscheidung der Landesregierungen, Schulen und Kindertagesstätten vorübergehend zu schließen, hat eine klare Situation auch für kirchliche Einrichtungen geschaffen. Die Infektionswege sind so vielfältig, dass die vorübergehende Schließung die beste und sicherste Lösung darstellt. In unseren Kindertagesstätten bieten wir Notgruppen für Kinder an, deren Eltern in gesundheitsrelevanten Bereichen arbeiten. Wir wollen so einen Beitrag dazu leisten, dass die zentralen Versorgungsaufgaben in unserem Land möglichst stabil gehalten werden können.

Auch für den Gesundheitsschutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trägt die Kirche Verantwortung. Wie wird sie dieser Aufgabe gerecht?

Das ist richtig. Wir haben inzwischen alle kirchlichen Veranstaltungen abgesagt und auch Dienstreisen auf ein Minimum beschränkt. Bei Besprechungen mit mehr als vier Personen greifen wir zu Telefonkonferenzen und machen damit recht gute Erfahrungen. Ein Teil unserer Mitarbeitenden wohnt im Elsass, das seit vergangener Woche als Risikogebiet gilt. Die Dienstpläne müssen jetzt so umgestaltet werden, dass der Ausfall kompensiert werden kann. Das erfordert Flexibilität und Kreativität,  vor allem wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugleich durch Aufgaben der Kinderbetreuung gebunden sind. Aber auch dafür haben wir schon gute Lösungen entwickelt, zum Beispiel die Möglichkeit der Arbeit im so genannten „home office“ oder die Flexibilisierung der Präsenz- und Arbeitszeiten.

Wir gehen mit großen Schritten auf das Osterfest zu. Haben Sie schon Vorstellungen, wie wir in diesem Jahr Ostern feiern werden?

Wir befassen uns schon intensiv mit dieser Frage. Wie sich die Gefahrenlage Mitte April darstellen wird, ist im Moment noch schwer abzusehen. Aber wir bereiten uns schon jetzt auf den Fall vor, dass die Einschränkungen des öffentlichen Lebens auch an Ostern noch gelten könnten, und werden in Kürze Vorschläge anbieten, wie wir dieses zentrale Fest unseres Glaubens in anderer Form miteinander feiern können. (Fragen: Markus Herr)

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