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Donnerstag, 08. Februar 2018

Entspannung im Beratungsstreit

Bischöfe würdigen Donum Vitae – Stellungnahmen aus Köln und Regensburg

Die Beratungsstelle von Donum Vitae in Boppard. In Rheinland-Pfalz gibt es insgesamt sieben Beratungsstellen des Vereins (davon zwei im Bistum Speyer) und im Saarland sechs (eine im Bistum Speyer). Foto: KNA

Im Streit um die Schwangerenberatung der katholischen Kirche gibt es nach Jahrzehnten eine entscheidende Annäherung. Die Deutsche Bischofskonferenz hat erstmals offiziell gewürdigt, dass sich auch der Verein Donum Vitae (Geschenk des Lebens) für den Schutz des Lebens einsetzt und Erfolge in der Konfliktberatung erzielt. Zugleich ermöglichen die Bischöfe früheren Mitarbeitern der Organisation die bisher untersagte Übernahme in katholische Beratungsstellen. Weil der Verein den Beratungsschein ausstellt, der nach deutschem Recht für eine Abtreibung erforderlich ist, ist er kirchlich nicht anerkannt.

Die Neuerungen gehen aus einem am 24. Januar bekannt gewordenen Schreiben von Kardinal Reinhard Marx an das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hervor.  ZdK-Präsident Thomas Sternberg begrüßte die Entscheidung in einem Brief an die Mitglieder des ZdK als „wichtige Klärung“ und „qualitativen Sprung“. Dies könne „manche Wunden heilen“. Der Vorgang war dem Vernehmen nach zuvor Thema bei einem turnusmäßigen Treffen der Diözesanbischöfe Anfang der vergangenen Woche in Würzburg, dem sogenannten Ständigen Rat.

In dem Schreiben des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz an Sternberg heißt es: „Es besteht kein Zweifel, dass das Ziel von Donum Vitae ebenso wie das der bischöflich verantworteten Schwangerenberatung der Schutz des ungeborenen Menschen ist. Ich stelle fest, dass es über die Jahre hinweg auch vielen Beraterinnen von Donum Vitae gelungen ist, zahlreichen Frauen bzw. Eltern Mut zu machen für ein Leben mit dem Kind, und dafür bestmögliche Hilfestellungen zu bieten. Dafür dürfen wir gemeinsam dankbar sein.“

Mit Blick auf kirchliche Arbeitsverhältnisse schreibt Marx weiter: „Deshalb halte ich es für selbstverständlich, dass Personen, die in einer Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle des Donum Vitae e.V. gearbeitet haben, in bischöflich anerkannten Schwangerenberatungsstellen beschäftigt werden können (...).“ Durch einen sogenannten Abgrenzungsbeschluss von 2006 war dies bisher nicht möglich. Die Bischöfe untersagten kirchlichen Angestellten die Mitarbeit bei dem bürgerlichen Verein, den prominente Katholiken gegründet hatten.

Zu der Anstellungsfrage gab es im Erzbistum Köln ein internes Schreiben an die Träger der kirchlichen Schwangerschaftsberatungsstellen. Darin erkennt das Erzbistum an, dass sich der Verein Donum Vitae erfolgreich für den Lebensschutz einsetzt. Zugleich betont es in einem aktuellen internen Schreiben, dass ehemalige Donum-Vitae-Beschäftigte, die in der Schwangerenberatung der Erzdiözese tätig werden wollen, sich von ihrer früheren Praxis distanzieren müssten, einen Beratungsschein auszustellen. Denn dieser sei Voraussetzung für einen rechtswidrigen, aber straffreien Schwangerschaftsabbruch, heißt es in dem vom „Kölner Stadt-Anzeiger“ (2. Februar) veröffentlichten Brief des Kölner Weihbischofs Ansgar Puff.  Die Mitarbeiter müssten sich „vollumfänglich“ mit dem „esperanza“-Beratungskonzept der Erzdiözese identifizieren und auch bereit sein, dafür öffentlich einzutreten, schreibt Puff als Bischofsvikar für die Caritas an die Träger der „esperanza“-Schwangerschaftsberatungsstellen im Erzbistum Köln. In ähnlicher Weise äußerte sich der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hinsichtlich seines Bistums.

208 Beratungsstellen in DeutschlandDer Verein wurde 1999 gegründet, im Zuge des Ausstiegs der katholischen deutschen Bischöfe aus der gesetzlichen Schwangerenkonfliktberatung mit Ausstellung des Beratungsscheins. Vor 20 Jahren hatte der damalige Papst Johannes Paul II. die Bischöfe aufgerufen, in kirchlichen Einrichtungen keine Beratungsscheine mehr ausstellen zu lassen. Durch diesen Schein sah der Papst das Zeugnis der Kirche für den Lebensschutz verdunkelt. Anders als kirchliche Einrichtungen stellt Donum Vitae nach einer Beratung das Papier jedoch auf Wunsch aus. Der Verein unterhält in Deutschland insgesamt 208 Beratungsstellen. (red)

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