Im Gespräch

Mittwoch, 06. Februar 2019

Forderung nach mutigen Reformen

Prominente deutsche Katholiken schreiben offenen Brief an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz

Kardinal Reinhard Marx soll die in dem offenen Brief formulierten

Vor dem geplanten weltweiten Bischofstreffen im Vatikan zum Missbrauchsskandal in der Kirche haben sich prominente deutsche Katholiken in einem offenen Brief mit Forderungen an Kardinal Reinhard Marx gewandt. Darin verlangen sie „mutige Reformen“. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ druckte den Brief ab. Zu den neun Unterzeichnern gehören auch der Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig und Klaus Mertes, der 2010 als ehemaliger Leiter des Berliner Canisius-Kollegs Fälle von Missbrauch an der Schule öffentlich gemacht und eine Lawine neuer Erkenntnisse über Missbrauchstaten in Kirche und Gesellschaft ausgelöst hatte.

An alle Bischöfe gerichtet, fordern die Unterzeichner: „Binden Sie sich selbst durch echte Gewaltenteilung – das passt besser zur Demut Christi und in den Rahmen der für alle geltenden Gesetze.“ Außerdem sollten „Überhöhungen des Weiheamtes“ abgebaut und es für Frauen geöffnet werden. Weiter heißt es: „Stellen Sie den Diözesanpriestern die Wahl ihrer Lebensform frei, damit der Zölibat wieder glaubwürdig auf das Himmelreich verweisen kann.“ Zudem fordern die Unterzeichner einen „Neustart mit der Sexualmoral – eine verständige und gerechte Bewertung von Homosexualität inklusive“.
Die Unterzeichner des Briefes bitten Kardinal Marx als Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, bei dem für Ende Februar geplanten Treffen in Rom den „wichtigsten Ertrag“ der im Herbst 2018 in Fulda vorgestellten Missbrauchsstudie zur Sprache zu bringen: „Missbrauch in unserer Kirche hat auch systemische Gründe.“ Die „Versuchung des Klerikalismus“ folge dem Klerus wie ein Schatten. „Die Aussicht auf Macht in Männerbünden zieht Menschen aus Risikogruppen an. Sexuelle Tabus blockieren notwendige Klärungs- und Reifungsprozesse.“
Seit 2010 seien die deutschen Bischöfe mit Prävention und Sanktion von Missbrauchstaten gut vorangekommen. Nach der jüngsten Studie hätten sie Betroffenheit zum Ausdruck gebracht und Abbitte geleistet. Worte allein helfen aber nun nicht weiter, wie es heißt. Die meisten aktiven Katholiken trügen die „vormoderne Ordnung der Kirche“ nicht mehr mit. „Sie ertragen sie nur noch.“ In dem Zusammenhang verweist der Brief auch auf Austrittszahlen.
Kardinal Marx hatte Mitte Januar in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur gesagt, er erhoffe sich von dem Treffen in Rom deutliche Fortschritte. Bezüglich dieses Problems seien die Bewusstseinsstände bei den Ortskirchen weltweit sehr unterschiedlich.
Papst und Kurie könnten nicht die Probleme der ganzen Weltkirche lösen, so Marx. „Aber wenn in Rom die Vorsitzenden sämtlicher nationaler Bischofskonferenzen zusammenkommen, erhoffe ich mir die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.“ Die Konferenz müsse öffentlich ein Zeichen setzen: „Gemeinsam gehen wir das Problem des sexuellen und auch geistlichen Missbrauchs in der Kirche an.“ Wichtig sei, dass schon lange mit dem Thema befasste Bischofskonferenzen ihre Erfahrungen einbrächten. Das werde er selbst auch tun. (kna)


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