Im Gespräch

Mittwoch, 12. Juni 2019

Für eine „Kultur des Genug“

Vatikan-Konferenz: Umweltschutz braucht Wandel der Gesellschaft

Kein Spielball: Schülerinnen und Schüler demonstrieren in Rom für die Zukunft des Planeten Erde. Foto: actionpress

Zum Schutz der Umwelt hat Papst Franziskus einen gesellschaftlichen Wandel gefordert. Notwendig sei „eine tiefgehende Transformation“ auf allen Ebenen der aktuellen Gesellschaft, „bei jedem Einzelnen, in Unternehmen, Institutionen und der Politik“, sagte das Kirchenoberhaupt am 9. Juni im Vatikan. Ganzheitlicher Umweltschutz müsse national wie international zur Priorität werden. Er forderte einen Richtungswechsel, basierend auf „einem Wandel der Gesinnung und der Herzen“, eine neue ethische Vision, die die Menschen ins Zentrum rücke und niemanden ausgrenze.

„Der Ruf an uns, solidarisch wie Brüder und Schwestern zu handeln und gemeinsam Verantwortung für unser gemeinsames Haus zu übernehmen, wird immer dringlicher“, so Franziskus. Lobend erwähnte er eine zunehmende Sensibilisierung für Umweltthemen, besonders bei jungen Menschen.

Franziskus empfing rund 500 Teilnehmer einer internationalen Konferenz im Vatikan über Umweltschutz und Zukunftsfragen – inspiriert von seinem Umweltschreiben „Laudato si“ (2015). Organisator der Konferenz war die päpstliche Stiftung „Centesimus Annus“.

„Das Schöne an ‚Laudato si‘ ist, dass es um eine wirklich innige Verbindung von Veränderung der extremen Ungleichheit auf der Welt und einem Schutz des Planeten vor Zerstörung geht“, sagte Marina Fischer-Kowalski, Gründerin des Instituts für Soziale Ökologie in Wien, der Katholischen Nachrichten-Agentur. Das Schreiben habe sie auch als nicht-religiöse Wissenschaftlerin fasziniert. Deutlich kritisierte die Forscherin, dass Industrieländer keine „drastischen Maßnahmen“ ergriffen, um ihren Ausstoß von Kohlenstoffdioxid zu verringern. „Das ist eine Schande.“

Weitreichende Verhaltensänderungen aller sind aus Sicht des Deutschen Physikers Armin Grunwald nötig. Die Umsetzung sei jedoch schwierig. Wohlstandsländer wollten sich oft nicht einschränken, Entwicklungsländer hätten hingegen berechtigte Ansprüche auf Aufholbedarf. Die katholische Kirche hat sich nach Ansicht des Physikers bisher zu sehr auf Bio- und Medizinethik konzentriert. Dabei wirkten sich auch andere Bereiche stark auf das Leben der Menschen aus. „Wie im Moment digitale Technologien, die ganz massiv das Leben der Menschen verändern und Gerechtigkeitsprobleme, Kulturprobleme, Probleme im Arbeitsmarkt und weiteres erzeugen, wo die katholische Kirche mit ihren Werten eigentlich dringend gefragt wäre“, so der Leiter des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse in Karlsruhe.

Aus Sicht des Leiters der von Jesuiten betriebenen Hochschule für Philosophie München, Johannes Wallacher, ist ein Wandel zu einer „Kultur des Maßes und des Genug“ nötig. Lebensqualität dürfe nicht in „immer schnellerem und besserem Konsum“ gesehen werden, sagte der deutsche Ökonom.

(kna)

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