Im Gespräch

Mittwoch, 05. August 2020

Historischer Einschnitt

Bischof Karl-Heinz Wiesemann über Folgen der Corona-Pandemie

Bischof Karl-Heinz Wiesemann: „Ein einfaches Zurück zur vorherigen Normalität wird es nicht geben.“ (Foto: Pressestelle/is)

In einem KNA-Interview aus Anlass seines 60. Geburtstages am 1. August äußerte sich Bischof Karl-Heinz Wiesemann zu den Folgen der Corona-Pandemie für die Kirche.

Herr Bischof Wiesemann, ist Corona für Sie bislang die größte Herausforderung im Bischofsamt?

Ja. Ich glaube, dass wir die langfristigen Folgen der Pandemie noch kaum erahnen können. Insofern: Covid 19 bedeutet für die Kirchen wie für die ganze Gesellschaft einen historischen Einschnitt. Ein einfaches Zurück zur vorherigen Normalität wird es nach der Krise nicht geben.

Haben Sie angesichts sich abzeichnender geringerer Einnahmen bei den Kirchensteuern Sorgen wegen der bevorstehenden Spardiskussionen?


Natürlich. Wir hatten in der Vergangenheit im Bistum große finanzielle Herausforderungen zu meistern und waren auf einem guten Weg der Konsolidierung. Aber uns trifft Corona jetzt hart, weil wir im Unterschied zu manchen anderen Bistümern oder Landeskirchen keine komfortablen Rücklagen haben bilden können. Deshalb kommen nicht ganz einfache Diskussionen auf uns zu. Schon jetzt ist klar: Sparen nach der Rasenmäher-Methode funktioniert nicht mehr. Wir werden uns in einer innerlichen Debatte auf Grundlegendes besinnen und sicherlich auch von manchem trennen müssen. Dabei geht es um eine Neubestimmung unseres konkreten Auftrags für die Menschen unserer Zeit. Was hat im Hinblick auf die Sendung der Kirche heute Vorrang und wovon können wir uns, wenn auch schweren Herzens, verabschieden?

Sehen Sie in der Krise auch positive Aspekte?

Ja, denn die Krise stellt uns unausweichlich vor die genannten Fragen, die uns ja schon länger beschäftigen. Die Krise stellt auch die grundlegenden religiösen Fragen des Menschen neu und auf verschärfte Weise. Das globalisierte Erschrecken über die Verletzbarkeit des Menschen in all seinen Bezügen konfrontiert uns radikal mit der Frage nach dem Grundvertrauen in das Leben und in Gott als seinem schöpferischen Urgrund. Schließlich eröffnet die Krise gerade wegen ihres globalen Ausmaßes die Chance, Visionen einer gerechteren und nachhaltigeren und menschlichen Weltordnung zu entwickeln und umzusetzen. All das fordert uns heraus, neu über die visionäre Kraft des Evangeliums nachzudenken und sie in unsere Welt einzubringen.

Was bedeutet die Pandemie für den Reformprozess der katholischen Kirche, den Synodalen Weg?

Die Fragen, die sich der Synodale Weg stellt, sind durch die Krise nicht weniger aktuell, im Gegenteil. Die offene Diskussion der Fragen nach der Macht in der Kirche, nach einer dem Evangelium entsprechenden Lebensform ihrer Diener, nach einer lebensdienlichen Moral und nach der Rolle der Frau bilden eine wesentliche Grundlage dafür, dass die Kirche auf glaubwürdige Weise ihren unersetzlichen Beitrag an der Neugestaltung unserer Welt in der Kraft des Evangeliums liefern kann.

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Fragen: Michael Jacquemain

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