Im Gespräch

Freitag, 13. April 2018

Jetzt liegt der Ball im Vatikan

Deutsche Bischöfe schicken Zweifel an Ökumenepapier zum Kommunionempfang nach Rom

Am möglichen Kommunionempfang (unser Bild zeigt Hostien) durch evangelische Christen – in eng umschriebenen Einzelfällen – entzündet sich eine heftige Kontroverse in der Deutschen Bischofskonferenz. Foto: Heib

An einer Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz zur Kommunion für konfessionsgemischte Ehepaare haben einige Bischöfe Zweifel. Die wollen sie im Vatikan geklärt haben. Das ist nicht ungewöhnlich, aber heikel.

Die Diskussion um eine geplante Handreichung über „Kommunion für konfessionsverschiedene Ehepaare“, die bei der zurückliegenden Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe in Ingolstadt mit großer Mehrheit, aber nicht einstimmig, beschlossen wurde, geht in eine neue Runde. Wie jetzt bekannt wurde, schlugen sieben Bischöfe am 22. März unter Führung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki den Ball nach Rom. Dort liegt er nun, wie eine heiße Kartoffel. Wann eine Reaktion kommt und wie gar eine Antwort aussehen wird? Gut zwei Drittel der deutschen Bischöfe gehen davon aus, die geplante Handreichung sei im Sinne des Papstes – als ökumenische Öffnung wie auch in der Frage der Zuständigkeit; Franziskus wünscht ja eine Dezentralisierung.

Kirchenpolitisch ist die Anfrage der Bischöfe aus Köln, Bamberg, Eichstätt, Augsburg, Görlitz, Regensburg und Passau auch deshalb brisant, weil sie den „Dubia“ vierer Kardinäle zum Papstschreiben „Amoris laetitia“ von 2016 ähnelt. Wie jene fragen nun auch die sieben deutschen Skeptiker: „Handelt es sich ...?, Relativiert nicht ...?, Ist es überhaupt möglich ...?“ Und sie urteilen selbst: „... taugt in unseren Augen nicht ...“.

In Rom gab es aber auch schon vorher Stirnrunzeln: Warum informierten die Deutschen nicht vorab den Päpstlichen Einheitsrat oder den Papst selbst über die deutsche Initiative? Zwar hatte der Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, in Ingolstadt gesagt, Rom müsse die deutsche Handreichung nicht prüfen oder bestätigen. Es handele sich um eine rein pastorale Initiative, und die falle in die Kompetenz einer Bischofskonferenz. Allerdings waren er und die Spitze der EKD bei ihrem Besuch Anfang 2017 in Rom von Papst Franziskus ermutigt worden – im Beisein von Kurienkardinal Kurt Koch –, ihm Vorschläge für weitere ökumenische Schritte zu machen. Was wäre der Beschluss von Ingolstadt anderes als ein solcher Schritt? Und hatten nicht die Deutschen andere ökumenische Initiativen sehr wohl rechtzeitig nach Rom übermittelt?

Aktuell mag sich im Vatikan niemand zu dem Brief der Minderheit äußern – zumal der von ihnen kritisierte Beschluss noch gar nicht veröffentlicht wurde. Auch müssen sich die angeschriebenen Behörden – Glaubenskongregation, Ökumene-Rat und Rat für die Gesetzestexte – einigen, wer die Anfrage federführend bearbeitet. Sollte die Sache als so gravierend gelten, dass die Vollversammlung einer Vatikanbehörde sie beraten muss, kann es Monate dauern.

Hinzu kommt: Die Glaubenskongregation hat unter Papst Franziskus nicht mehr die letztverbindliche Stellung wie früher. Ihr ehemaliger Präfekt, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hatte sich übrigens bereits vor Wochen ablehnend zum Ingolstädter Beschluss geäußert. Kardinal Koch, Leiter des Einheitsrates, kennt solche ökumenisch und pastoral kontroversen Debatten aus seiner Schweizer Heimat. Er gilt als theologisch eher konservativer, aber zugleich solider und engagierter Ökumeniker. Im Rat für die Gesetzestexte, der den Ingolstädter Entwurf prüfen wird, ist mit dem Deutschen Markus Graulich als Untersekretär jemand tätig, der die Lage in Deutschland gut kennt. Der Ausgang der Beratungen ist völlig offen.

Dass Bischöfe strittige Fragen in Rom klären lassen wollen, ist nicht ungewöhnlich. In Deutschland erinnert man sich an die Debatte um die Schwangerenkonfliktberatung. Damals hatte Woelkis Vorgänger, Kardinal Joachim Meisner, sich direkt an Johannes Paul II. gewandt. Für endgültige Klärung sorgte Rom nach langem Hin und Her – mit einem eindeutigen Brief der Kurienkardinäle Joseph Ratzinger und Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano.

Ein zweiter Fall betraf die theologische Bedeutung von Kirchenaustritten. Dazu wollte der Freiburger Kirchenrechtler Hartmut Zapp wissen, ob ein vor deutschen Behörden erklärter Kirchenaustritt einer Exkommunikation gleichkomme und damit automatisch von den Sakramenten ausschließe. Daraufhin präzisierten 2012 Vatikan und Deutsche Bischofskonferenz: Wer aus der katholischen Kirche in Deutschland austritt, verwirkt alle Mitgliederrechte wie Kommunionempfang oder die Möglichkeit, Taufpate zu sein; er ist aber nicht mehr automatisch exkommuniziert.

Anders als bei diesen beiden deutschen Spezialthemen gibt es in der aktuellen Streitfrage der Kommunion für nicht katholische Ehepartner vergleichbare Debatten in anderen Ländern. Entsprechende Regelungen haben die Bischofskonferenzen von England und Wales, von Schottland und von Irland (1998), Kanada (1999) sowie Südafrika und Indien (2000) getroffen – wobei allerdings die soziologischen und konfessionellen Randbedingungen sich von denen in Deutschland teils deutlich unterscheiden.

Bereits 2003 erklärte der damalige Leiter des Ökumene-Rates, Kardinal Walter Kasper, die Sätze in der Enzyklika „Ecclesia de eucharistia“, mit denen Johannes Paul II. eine Zulassung von Nichtkatholiken zur Kommunion bei „schwerwiegendem geistlichen Bedürfnis“ befürwortet, seien kein Freibrief für konfessionsverschiedene Ehepartner. Einzelfälle müssten im Gespräch mit dem Seelsorger geprüft werden. Auf dieser Linie liegt auch der nun zu überprüfende Ingolstädter Mehrheitsbeschluss. (Roland Juchem)

 

Katholikenkomitee beklagt negatives Signal für Ökumene

Als ein „für die Ökumene sehr unschönes Zeichen“ hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, den Brief von sieben Bischöfen an den Vatikan bezeichnet. Das Thema Kommunionempfang für evangelische Christen werde seit Jahrzehnten intensiv diskutiert, sagte Sternberg am 5. April domradio.de. „Es ist ein Thema, zu dem die Bischofskonferenz einen extrem behutsamen Beschluss gefasst hatte, mit großer Mehrheit.“
Dass der jetzt gefasste Beschluss erneut zur Debatte gestellt werde, sei bedauerlich. „Ich denke, das sind wir den evangelischen Glaubensgeschwistern geradezu schuldig, dass wir in dieser Frage weiterkommen.“
Nach Sternbergs Worten haben viele Gemeinden die Frage des Kommunionempfangs in der Praxis längst gelöst. „Da, wo der evangelische Partner, die evangelische Partnerin das anerkennt und anerkennen kann, was in der Eucharistiefeier und bei der Überreichung des Leibes Christi gesagt wird, da ist auch die Zulassung und das Zutreten zur Eucharistie längst gängige Praxis.“ (kna)


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