Im Gespräch

Mittwoch, 20. November 2013

Journalist aus Berufung

Ferdinand Schlickel: Langjähriger „pilger“-Chefredakteur mit 89 Jahren gestorben

Ferdinand Schlickel – kompetenter Journalist und unermüdlicher Arbeiter für „seinen „pilger“. Er hat die Speyerer Bistumszeitung nachhaltig geprägt. Foto: Archiv

Am 19. Februar des kommenden Jahres wäre er 90 Jahre alt geworden – Ferdi­nand Schlickel, der langjährige frü­here Chefredakteur des „pilger“. Am Samstag (16. November) ist er in Speyer gestorben. Aus einer Arbeiterfamilie in Rodalben (Kreis Südwestpfalz) stammend, kam er 1949 als junger Redakteur zur Speyerer Bistumszeitung. Im Jahr 1966 wurde er deren Chefredakteur, ein Amt, das er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1986 ausübte.

Seine journalistische Arbeit im Dienst der Kirche war für Ferdinand Schlickel immer mehr als nur Beruf, sie war vielmehr Berufung, ein gutes Stück Leidenschaft und immer Dienst am Glauben. Das Bistum hat ihm viel zu verdanken, hat profitiert von der Professionalität des profilierten Journalisten und Publizisten Ferdinand Schlickel, von seinem breiten Wissen, vor allem was die Geschichte des Bistums und der Pfalz angeht.

Gesicht der Bistumszeitung nachhaltig geprägt

Die „pilger“-Redaktion ist Ferdinand Schlickel dankbar für seine freundschaftlich-engagierte Begleitung ihrer Arbeit auch nach seiner Pensionierung. In vielen Bereichen lebt seine Arbeit beim „pilger“ weiter, etwa in der Aktion Silbermöwe, für die er viel Kraft und Zeit einsetzte. Über viele Jahre war auch Anni Schlickel, seine Ehefrau, ehrenamtlich in die Arbeit des Leserhilfswerks eingebunden.
Journalistische Sachkompetenz, Kreativität und kritischer Verstand waren die eine Seite, die den früheren „pilger“-Chefredakteur auszeichneten, seine Liebe und Treue zur Kirche sowie seine von sozialem Denken geprägte Grundüberzeugung sind die andere. In ungezählten Berichten, Reportagen und Kommentaren fand dies seinen Ausdruck. Ferdinand Schlickel hat das Gesicht des „pilger“ in den Aufbruchzeiten nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil nachhaltig geprägt.
Schlickel verfügte über ein umfassendes historisches Wissen, das sich nicht nur in der Bistumszeitung niederschlug, sondern auch in insgesamt 21 Ausgaben des Pilger-Kalenders, die er redigierte. Fast ein Standardwerk ist sein Buch „Speyer – von den Saliern bis heute“ geworden. Die tiefgehenden Erfahrungen aus der Zeit des Nationalsozialismus weiterzugeben – die ihn während des Krieges auf die Schlachtfelder Süditaliens und in die Kriegsgefangenschaft führte – war ihm ein besonderes Anliegen. Dazu gehörte auch die Beschäftigung mit dem Glaubens- und Lebenszeugnis Edith Steins. Eine kleine Biographie über die Heilige erschien in vielfacher Auflage und gehört zu den am meisten verbreiteten Schriften über die von den Nationalsozialisten ermordete Karmelitin mit jüdischen Wurzeln. Maßgeblich mitgewirkt hat er auch an der Herausgabe einer umfangreichen Dokumentation über die Geschichte der katholischen Jugendverbände im Bistum Speyer.

Pionierdienste für die Öffentlichkeitsarbeit des Bistums

Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur war Schlickel über lange Zeit auch Leiter der Bischöflichen Pressestelle. Als er 1967 mit deren Aufbau beauftragt wurde, sagte der damalige Bischof Isidor Markus Emanuel zu ihm: „Machen Sie das mal für ein Jahr, dann sehen wir weiter!“ Daraus wurden 17 Jahre. Nicht zuletzt in dieser Funktion gelang es ihm, für kirchliche Belange im Bereich des Bistums Speyer Öffentlichkeit herzustellen.  Der „Journalist aus Leidenschaft“ tat dies ganz im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils – offen, fair und vertrauensvoll im Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen der säkularen Medien. Mit manchen von ihnen verbanden ihn auch persönliche Freundschaften. Ferdinand Schlickel habe  durch die Gründung der Bischöflichen Pressestelle „Pionierdienste für die Öffentlichkeitsarbeit des Bistums geleistet“, unterstrich Bischof Anton Schlembach anlässlich des 80. Geburtstags Schlickels.

Generalvikar: Im Bistum Speyer bleibende Spuren hinterlassen

Für das Bistum Speyer würdigte Generalvikar Franz Jung den Verstorbenen. Ferdinand Schlickel habe als Journalist, der mit der Kirche zeitlebens eng verbunden gewesen sei, im Bistum Speyer bleibende Spuren hinterlassen. „Durch sein vielfältiges publizistisches Wirken und seine kompetenten Beiträge zu Geschichte und Gegenwart hat er sich um das Bistum Speyer in hohem Maße verdient gemacht“, so Jung.

Journalistenverband: Große Persönlichkeit der Pfälzischen Presse

Unter den Journalisten war Ferdi­nand Schlickel als Kollege – unter anderem wegen seiner Geradlinigkeit – hoch geschätzt und sein Rat bis zuletzt gefragt. Viele Jahre gehörte er dem Vorstand des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) im Bezirk Pfalz und dem Vorstand des rheinland-pfälzischen Journalisten-Sozialwerks an. „Der langjährige Chefredakteur des ‚pilger’ gehört zu den ganz großen Persönlichkeiten der pfälzischen Presse nach der Zeitenwende 1945“, würdigt DJV-Bezirksvorsitzender Ilja Tüchter das Lebenswerk Schlickels und erinnert an dessen „ruhige und besonnene Art“, die immer wieder geholfen habe, Wogen zu glätten. „Tiefsinnig und stets präzise begründet waren seine Einlassungen. Probleme wusste er grundsätzlich anzugehen“, so Tüchter.

Bundesverdienstkreuz und kirchliche Auszeichnungen

Die Ernennung zum Ritter des päpstlichen Silvesterordens, die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes und die Auszeichnung mit der Pirminius-Plakette des Bistums sind Zeichen der Anerkennung seiner vielfältigen  journalistischen Leistung in Kirche und Welt. (Norbert Rönn)

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