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Mittwoch, 20. Mai 2020

Kirchenkassen unter Druck

Kirchen rechnen mit erheblichen Mindereinnahmen durch Corona

Die beiden großen Kirchen in Deutschland müssen den Rotstift ansetzen. (Foto:Stockfotos-MG / AdobeStock)

Kurzarbeit in Zeiten von Corona wirbelt die Kirchenfinanzen längerfristig durcheinander: Denn das Kurzarbeitergeld ist steuerfrei. Evangelische Landeskirchen und katholische Bistümer rechnen mit einem Rückgang der Kirchensteuereinnahmen um bis zu 25 Prozent.
Haushaltssperren, Einstellungsstopps, Verschiebung von Bauprojekten – Bistümer und Landeskirchen stellen sich auf schwere finanzielle Einbußen infolge der Corona-Krise ein. Die Bistümer Mainz und Würzburg verhängten eine Haushaltssperre, größere Ausgaben müssen erst geprüft werden. Auch das Bistum Osnabrück verkündete Sparmaßnahmen, neue Bauvorhaben werden aufgeschoben. Der Grund: fehlende Kirchensteuereinnahmen für dieses und das kommende Jahr durch den konjunkturellen Einbruch und Kurzarbeit. Denn Kurzarbeitergeld wird nicht besteuert.

Einnahmen fehlen
Die Kirchensteuer ist die mit Abstand größte Einnahmequelle der Kirchen. Katholiken zahlten im Jahr 2018 knapp 6,5 Milliarden Euro an Kirchensteuern, bei den Protestanten waren es rund 5,8 Milliarden Euro. Sie ist direkt an die Einkommenssteuer gekoppelt. Der regional unterschiedliche Kirchensteuersatz liegt in Rheinland-Pfalz und im Saarland bei neun Prozent der Lohn- oder Einkommenssteuer sowie der Kapitalertragssteuer.
Ausfälle entstehen den Kirchen nicht nur durch den Rückgang der Kirchensteuer. Fehlende Einnahmen aufgrund leerstehender Tagungshäuser und abgesagter Veranstaltungen, Verluste durch ausfallende Kollekten, weniger Mieteinnahmen sowie der Wegfall von Elternbeiträgen für Kindergärten und Schulen kommen hinzu.
Gut die Hälfte aller 27 Bistümer hat bereits Einsparungen angekündigt, auch in vielen der 20 evangelischen Landeskirchen beschäftigt man sich mit Nachtragshaushalten und Sparplänen. Allerdings lässt sich in der derzeitigen Lage schwer vorhersagen, wie groß der Ausfall bei der Kirchensteuer tatsächlich wird. Die sieben bayerischen Bistümer und das Bistum Speyer rechnen jeweils mit Einnahmerückgängen bei der Kirchensteuer im zweistelligen Millionenbereich. In aktuellen Schätzungen geht die bundesweit größte evangelische Landeskirche Hannover sogar von Einnahmeverlusten bis zu 105 Millionen Euro aus. Das wäre doppelt so viel wie in der Finanzkrise 2008/2009.  

Lediglich Schätzungen
Doch die Angaben basieren auf Schätzungen. Weder die Bischofskonferenz noch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) legen öffentlich auf Anfrage konkrete Zahlen vor. Seriöse Zahlen ließen sich nicht nennen, sagte jüngst der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, sprach davon, genau hinsehen zu müssen, was man noch finanzieren könne.

Von 15 bis 20 Prozent
Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen, Freiburg, rechnet mit einem Korridor zwischen 15 und 20 Prozent. Die Auswirkungen seien aber sehr unterschiedlich, je nachdem, wie hoch der Ausfall wirklich wird. Zehn Prozent durch Rücklagen zu kompensieren, sei für die meisten Landeskirchen und Diözesen wohl kein Problem, 25 Prozent hingegen seien „ein Fiasko“, sagte Raffelhüschen, der im vergangenen Jahr eine Studie über die Entwicklung der Mitgliederzahlen in der EKD und der Bischofskonferenz geleitet hatte. Durch die gute Konjunktur lagen die Kirchensteuereinnahmen in den vergangenen Jahren auf hohem Niveau.
Die Entwicklung bei der Kirchensteuer könne sogar noch schlimmer ausfallen als die allgemeinen Steuerprognosen, sagt Raffelhüschen. Diejenigen, die viel Kirchensteuer zahlten, seien oft Menschen mit einem Einkommen aus selbstständiger Arbeit. Da schlage der Einbruch besonders zu Buche. Jeder Tag, an dem die Corona-Beschränkungen weiter gelten, könne sich beim Steueraufkommen erst in Wochen auswirken, sagte der Finanzexperte. Er rechnet damit, dass der Wachstumseinbruch noch bis 2021 anhält.

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