Im Gespräch

Donnerstag, 07. Dezember 2017

Mehr Mitsprache bei Kirchenfinanzen

Katholikenkomitee bestätigt seinen Präsidenten Thomas Sternberg

Zu den Sitzungen des ZdK gehört auch das gemeinsame Gebet. Foto: actionpress

Mehr Beteiligung von Laien bei Kirchenfinanzen, eine „menschenwürdige“ europäische Asylpolitik und ein wiedergewählter Präsident: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hatte eine gut gefüllte Tagesordnung auf seiner zweitägigen Herbstvollversammlung Ende November in Bonn.

Die mehr als 200 Mitglieder wählten Thomas Sternberg für weitere vier Jahre zu ihrem Präsidenten. Der 65-Jährige wurde mit großer Mehrheit in seinem Amt bestätigt. Dasselbe gilt für seine Stellvertreter Karin Kortmann, Claudia Lücking-Michel und Christoph Braß. Neu ist in dieser Riege Wolfgang Klose. Er folgt auf Alois Wolf, der nicht mehr kandidierte. Eine prominente Personalie war die Wahl von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zur Sprecherin für den Sachbereich „Nachhaltige Entwicklung und globale Verantwortung“.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bedankte sich bei Sternberg für eine konstruktive Zusammenarbeit. „Wenn wir auch manche strittige Debatte austragen, so eint uns das Ziel, Zeugnis unseres christlichen Glaubens in Kirche und Gesellschaft zu geben.“ Sternberg wies Vorwürfe zurück, das Gremium wende sich gegen Kirche oder Papst. „Zugegeben, die Papsttreue ist manchem vielleicht schon einmal schwerer gefallen als in den letzten Jahren.“ Aber für das ZdK könne er sagen: „Entgegen allen Etikettierungen, mit denen das gerne in Zweifel gezogen wird: Wir waren immer papsttreu.“

Im Umgang mit Kirchenfinanzen fordert das ZdK deutliche Änderungen an der bisherigen Praxis. Die Vollversammlung beschloss konkrete Vorschläge für eine langfristige Absicherung der Finanzierung, mehr Transparenz und Beteiligung von Laien. So dringt das ZdK etwa auf einen gewählten „Bundeskirchensteuerrat“, der auch Beschlusskompetenzen für den Haushalt des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) erhalten und die Verwendung der Geldmittel überprüfen soll.

Über den derzeit rund 120 Millionen Euro umfassenden Haushalt des VDD finanziert die Kirche mit ihren 27 Diözesen bundesweite Aufgaben, etwa die Zuschüsse für Hilfswerke und Auslandsseelsorge sowie für viele Verbände und Medienaktivitäten. In den letzten Jahren gab es auf bundesweiter Ebene eine Debatte über Einsparungen. ZdK-Präsident Thomas Sternberg hatte sich mehrfach mit der Forderung nach einer Stärkung überdiözesaner Aufgaben zu Wort gemeldet. Laut Beschluss sollen die Mitglieder eines möglichen „Bundeskirchensteuerrats“ mehrheitlich „durch Wahl legitimierte, qualifizierte, unabhängige Laien sein, sie könnten durch berufene Mitglieder ergänzt werden“.

Nach dem Willen des ZdK soll die Finanzierung des VDD künftig prozentual an das Kirchensteueraufkommen gebunden werden. Ein fester Anteil von drei Prozent des Kirchensteueraufkommens soll in den VDD-Haushalt fließen; das wären aktuell gut 184 Millionen Euro. Insgesamt fordert das Zentralkomitee, den bundesweiten Etat nicht weiter zu verringern; alle kirchlichen Organisationen und Einrichtungen sollten öffentlich Rechenschaft über ihre Finanzen ablegen. Auch das Katholiken-Komitee erhält Kirchensteuermittel über den VDD. Die katholische Friedensbewegung Pax Christi hatte mehrfach gegen Kürzungen protestiert; sie fürchtet eine Streichung des bisherigen jährlichen Zuschusses von rund 60000 Euro.

Für 2016 hatte die Deutsche Bischofskonferenz einen Rekord bei den Kirchensteuereinnahmen gemeldet – trotz sinkender Mitgliederzahlen. Die katholische Kirche hatte 6,146 Milliarden Euro erhalten, im Vergleich zu 2015 (6,09 Milliarden Euro) ein Plus von 0,9 Prozent. In Deutschland gab es im vergangenen Jahr 23,58 Millionen Katholiken.

Der Vizepräsident der EU-Kommission, Frans Timmermans, hat bei der ZdK-Vollversammlung die Kirchen ermuntert, eine führende Rolle in der Migrationsfrage einzunehmen. In einem Beschluss forderte die Vollversammlung eine „menschenwürdige“ Asylpolitik in der EU. Dazu gehörten legale Zugangswege, etwa über den Familiennachzug oder die Vergabe humanitärer Visa. Der Flüchtlingsbeauftragte der Bischofskonferenz, Hamburgs Erzbischof Stefan Heße, kritisierte die Aussetzung des Familiennachzuges für bestimmte Flüchtlinge. Es sei ethisch und verfassungsrechtlich „mindestens fragwürdig“, wenn Familien über Jahre getrennt leben müssten (Weiterer Beitrag hierzu im pilger Ausgabe 49/2017, Seite 6). (red)

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