Im Gespräch

Mittwoch, 05. Juni 2019

Ohne ökumenische Highlights

Evangelischer Kirchentag in Dortmund unter dem Motto „Was für ein Vertrauen“

Vertreter der Deutschen Bahn AG und des Evangelischen Kirchentages vor einer Intercity-Lokomotive mit dem Motto des Treffens in Dortmund. Foto: actionpress

Der Kirchentag bietet auch diesmal wieder zahlreichen Politikern ein Podium – an der Spitze Bundespräsident Steinmeier und Kanzlerin Merkel. Ökumenische Highlights suchen die Teilnehmer vergeblich.

Unter dem Leitwort „Was für ein Vertrauen“ steht der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag vom 19. bis 23. Juni in Dortmund. Erwartet werden auch diesmal mehr als 100 000 Teilnehmer. Das Angebot umfasst rund 2 000 Einzelveranstaltungen, davon fast ein Drittel Kulturprogramm. Kernthemen sind Klima- und Umweltschutz sowie Migration und Integration.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält einen Hauptvortrag über „Zukunftsvertrauen in der digitalen Moderne“; seine drei Vorgänger Joachim Gauck, Christian Wulff und Horst Köhler befassen sich mit dem Islam und anderen Religionen in Deutschland sowie dem Verhältnis zwischen Europa und Afrika. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht über „Vertrauen als Grundlage internationaler Politik“.

Welche Rolle spielt das Thema Ökumene zwei Jahre vor dem 3. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT)? Auf den ersten Blick finden sich beachtliche 78 Einträge im Programm. Doch zieht man die Mehrfachnennungen, Gruppennamen und Präsentationen auf dem „Markt der Möglichkeiten“ ab, ist das Angebot dünn. Es gibt wieder den obligaten Zentralen Ökumenischen Gottesdienst am Fronleichnamstag, aber ohne Bezug zum Fronleichnamsfest, acht weitere ökumenische Gottesdienste sowie einen „Werkstatttag Ökumene“ am Samstag. Der besteht aus dem Format „Barcamp“ am Vormittag und Nachmittag. Der Titel lautet „Was ökumenisch dran ist“, ohne genauer zu werden. Zudem gibt es am Abend das Podium „Auf dem Weg zum 3. Ökumenischen Kirchentag Frankfurt 2021“.

Immerhin fünf katholische Bischöfe kommen zu Wort, darunter mit einem Grußwort bei der Eröffnung der Paderborner Erzbischof Hans-Josef
Becker, zu dessen Erzdiözese Dortmund gehört. Bibelarbeiten halten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sowie die Bischöfe Georg Bätzing (Limburg) und Felix Genn (Münster). Einzig der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck ist bei einem Podium gefragt – zur Verantwortung der Kirchen in Europa. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, kommt auf immerhin vier Auftritte. Nur wenige Veranstaltungen gibt es auch mit Beteiligung orthodoxer oder altorientalischer Christen.

Mit einem eigenen Programm treten die Bistümer Essen, Münster und Paderborn gemeinsam mit der westfälischen Landeskirche auf. Sie hatten sich frühzeitig um eine Beteiligung am offiziellen Programm bemüht, wurden aber nach eigenen Angaben von den Veranstaltern lange hingehalten. So haben sie in eigener Verantwortung (und auf eigene Kosten) ein dreitägiges Programm unter dem Motto „Ökumenisch Kirche sein“ im Katholischen Centrum (Propsteihof 10) organisiert.

Besser als im Bereich der Ökumene ist der Kirchentag wie schon in den Vorjahren beim interreligiösen Dialog aufgestellt. Es gibt wieder mit umfangreichem Programm ein „Zentrum Juden und Christen“ sowie ein „Zentrum Muslime und Christen“.

Was den Kirchentag besonders bewegt, findet sich bei den Hauptvorträgen und -podien. Dazu gehören neben den Auftritten von Bundespräsident und Kanzlerin auch Podien zu Einwanderung, Antisemitismus, Gerechtigkeit, zur Lage im Nahen und Mittleren Osten oder zum Journalismus „in Zeiten von Fake, Lüge und großer Gereiztheit“. Am Samstag geht es um „Vertrauen und Vertrauensmissbrauch“ sowie um die Unterscheidung von „konservativ“ und „rechtspopulistisch“ – mit den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) und Markus Söder (CSU). Der Schutz von Frauen und Kindern weltweit wird mit Außenminister Heiko Maas (SPD) erörtert. Der Theologe und Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, spricht unter der Leitfrage „Schafft der Mensch sich ab?“ über Genomforschung und Künstliche Intelligenz. (Norbert Zonker, kna)

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