Im Gespräch

Mittwoch, 19. Februar 2020

Wahl in schwieriger Zeit

Die deutsche Bischofskonferenz sucht einen neuen Vorsitzenden

Anfang März wählen die deutschen Bischöfe in Mainz einen neuen Vorsitzenden. (Foto: KNA)

Kardinal Reinhard Marx wird nicht unglücklich sein, dass die Ankündigung seines Rückzugs von der Spitze der deutschen Bischofskonferenz in der Nachrichtenflut zur Thüringen-Wahl einigermaßen an den medialen Rand rückte.
Dass Marx (66) gerade jetzt seinen Rückzug vollzieht, wirft für die katholische Kirche in Deutschland schwerwiegende Fragen auf, vor allem auch mit Blick auf den Synodalen Weg, den er maßgeblich inspiriert und organisiert hat. Erst Ende Januar einigermaßen hoffnungsvoll gestartet, hat der Reformprozess mit dem Päpstlichen Schreiben zum Ergebnis der Amazonas-Synode bereits einen herben Tiefschlag erhalten, obwohl Franziskus in der Frauen- und Zölibatsfrage keine Türen endgültig zugeschlagen hat. Aber eine Ermutigung ist das Papier auch nicht, Enttäuschung und Frustration sind überall greifbar. Der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz wird – mit dem ZdK – eine Menge Motivationsarbeit leisten müssen, wenn der Synodale Weg nicht versanden soll. Und da ist noch der deutliche Riss, der durch die Bischofskonferenz geht und deren Zeugnis für eine glaubwürdige Kirche verdunkelt.
Auf den neuen Vorsitzenden (wie auf seine Mitbrüder) warten zudem die weitere Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, vielfältige pastorale Herausforderungen inklusive Priestermangel, hohe Austrittszahlen, sinkende finanzielle Mittel, das Bröckeln der gesellschaftlichen Bedeutung.
Zur Begründung seines Rückzugs von der Spitze der Bischofskonferenz hat Kardinal Marx vor allem Altersgründe ins Feld geführt. Nach einer zweiten Amtsperiode würde er bereits 72 Jahre alt sein. Jüngere sollten das Ruder übernehmen, meinte er. Wenn das Anfang März in Mainz die Marschrichtung sein soll, kämen die Bischöfe und Erzbischöfe zwischen 50 und 60 Jahren für den Vorsitz in Frage. Die Liste im Schnelldurchgang: Stephan Ackermann (56), Trier; Georg Bätzing (58), Limburg; Stephan Burger (57), Freiburg; Helmut Dieser (57), Aachen; Michael Gerber (50), Fulda; Erzbischof Stefan Heße (53), Hamburg; Franz Jung (53), Würzburg (früherer Speyerer Generalvikar); Peter Kohlgraf (52), Mainz; Stefan Oster (54), Passau; Franz-Josef Overbeck (55), Essen; Rudolf Voderholzer (60), Regensburg; Karl-Heinz Wiesemann (59), Speyer; Heiner Wilmer (58), Hildesheim. Kardinal Rainer Maria Woelki, mit 63 bereits über der von Marx ins Spiel gebrachten „Altersgrenze“, hat eine Kandidatur zum Vorsitz der Bischofskonferenz für sich ausgeschlossen.
Bei der zurückliegenden Vorsitzenden-Wahl gab es ein kleines „Vorkonklave“, das soll es diesmal nicht geben. Die Wahl ist also völlig offen – auch weil die Weihbischöfe in der Konferenz (41 von 69) die deutliche Mehrheit haben.

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Norbert Rönn

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