Kirche und Welt

Mittwoch, 12. August 2020

Kämpfer für die Armen

Der spanische Befreiungstheologe Pedro Casaldaliga ist tot

Konfl ikte scheute er nicht: Weil er die Befreiungstheologie unterstützte, geriet Predo Casaldaliga in Streit mit dem Vatikan. (Foto: kna)

Das Hilfswerk Adveniat würdigt den gestorbenen Befreiungstheologen Pedro Casaldaliga: Er setzte sich für Landarbeiter und Indigene ein und habe so das Ideal einer Kirche für die Armen geprägt. Pedro Casaldaliga, spanischer Ordensmann und einer der profiliertesten Vertreter der Befreiungstheologie, ist tot. Der frühere Bischof von Sao Felix in Brasilien starb am Samstag vor einer Woche im Alter von 92 Jahren in der Stadt Batatais im Staat Sao Paulo. Dies geht aus einer Mitteilung des Claretiner-Ordens, der Prälatur von Sao Felix und des Augustinerordens hervor. Einige Tage zuvor war er mit schweren gesundheitlichen Problemen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat würdigte Casaldaliga als Kämpfer für die Rechte der Rechtlosen, der in Armut lebenden Landarbeiter und der indigenen Völker. „Dom Pedro hat das Ideal einer armen Kirche an der Seite der Armen bereits seit Jahrzehnten gelebt, das heute Papst Franziskus immer wieder einfordert. Wie prophetisch er damit war, wurde in der Kirche lange Zeit nicht ausreichend anerkannt und gewürdigt“, sagte Adveniat-Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz. Casaldaliga habe die Kirche zu der Umkehr gerufen, die die Bischöfe auf der Amazonas-Synode gemeinsam mit Papst Franziskus zur Zukunftsvision erklärt hätten.

Gegen Lohnsklaverei
Der 1928 in der Nähe von Barcelona geborene Casaldaliga geriet Mitte der 80er Jahre aufgrund seiner Unterstützung für die Befreiungstheologie in Mittelamerika in Konflikt mit dem Vatikan. 1988 musste er in Rom beim damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, Bericht erstatten. In den letzten Jahren seiner Amtszeit engagierte er sich besonders für die Landrechte der Xavante-Indianer in Nordbrasilien. Dies trug ihm zahlreiche Morddrohungen ein. Anfang 2005 nahm Papst Johannes Paul II. Casaldaligas Amtsverzicht an. Der dem Claretiner-Orden angehörende Theologe litt seit Jahren an Parkinson und an Atemwegsproblemen. 2012 erhielt Casaldaliga von Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff einen Menschenrechtspreis. Damit würdigte die Regierung sein Engagement für die Landrechte des indigenen Xervantes-Volkes, das seit den 60er Jahren für eine Rückgabe seines traditionellen Siedlungslandes im nördlichen Bundesstaat Mato Grosso kämpft. Eine bedeutende Rolle spielte Casaldaliga auch beim Kampf gegen die Lohnsklaverei, die in Brasilien immer noch alltäglich ist. Der französische Dominikaner Xavier Plassat, der seit Jahrzehnten in der brasilianischen Landpastoral aktiv ist, würdigte Casaldaliga: Er sei einer der wichtigsten Ideengeber für die Gründung der Landpastoral gewesen.

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