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Kirche und Welt

Mittwoch, 20. Januar 2021

Ein ungleiches Duo

Zwei Päpste, zwei unterschiedliche Herangehensweisen: Papst Franziskus und sein Vorgänger Benedikt XVI., hier bei einem Treffen im Vatikan 2016.

Zwei Päpste, zwei unterschiedliche Herangehensweisen: Papst Franziskus und sein Vorgänger Benedikt XVI., hier bei einem Treffen im Vatikan 2016. (Foto: imago images/Independent Photo Agency Int.)

An diesem Freitag ist Franziskus länger Papst als der emeritierte Benedikt XVI. Zeit für einen Vergleich ihrer Pontifikate.

Unterschiedlicher könnten Päpste kaum sein – so scheint es. Doch neben frappanten Unterschieden haben der Emeritus Benedikt XVI. und der Amtsinhaber Franziskus einige Gemeinsamkeiten.

Reformen
Was Benedikt XVI. zaghaft begonnen hatte, will Franziskus gründlicher fortführen. Etwa den Kampf gegen Missbrauch. Den nahm der Vatikan auf, als Joseph Ratzinger noch Präfekt der Glaubenskongregation war. Doch vom ersten Erlass, den Ratzinger 2001 noch als Kardinal durchsetzte, über Franziskus‘ Kinderschutzkommission bis zum Anti-Missbrauch-Gipfel 2019 war es ein zäher Weg. Auch Franziskus musste bei dem Problem einiges dazulernen, beging Fehler und musste sie einräumen.Wie sein Vorgänger musste der Argentinier mit Widerstand in der Kurie kämpfen. Die Art, wie er seine Reformen angeht – „im Gehen“ und sprunghaft –, ist sehr eigenwillig. Ganz anders als Benedikt, der Instanzen einhielt. Im Regierungsstil liegt wohl der größte Unterschied zwischen beiden.

Politik und Diplomatie
Beide Päpste haben hohe Forderungen an die Politik. Allerdings beließ es Benedikt XVI. eher bei grundsätzlichen Hinweisen. Franziskus äußert sich tagesaktueller, zu Migrations-, Klima-, Sozial- und zuletzt Gesundheitspolitik. Und während Benedikt XVI. Welt und Kirche von Europa aus dachte, sieht und bewertet der Argentinier sie vom vermeintlichen Rand.

Theologie
Ratzinger wird als großer Theologe anerkannt – auch von vielen, die seine Schlussfolgerungen nicht teilen. Sein großes Anliegen: Glaube und Vernunft, biblische Off enbarung und abendländisches Denken zusammenzubringen. Franziskus kommt vom konkreten Menschen, sieht hinter ihm die soziale Realität. Für den Argentinier ist Theologie Anwendungswissenschaft. Die von ihm als Jesuit gepriesene Methode der geistlichen Unterscheidung führt nach Ansicht von Kritikern zu widersprüchlicher Praxis, die die Einheit gefährdet.

Menschen
Als Papst zeigte Ratzinger, dass er nicht der „Panzerkardinal“ ist, als den ihn Medien titulierten. Der schüchterne Benedikt denkt eher institutionell; er lebte für seine Arbeit und verzichtete weitgehend auf das Sozialleben. Franziskus hingegen blüht auf, wenn er sich unter Menschen begibt. Einen bescheidenen Lebensstil pflegen beide. Benedikt XVI. konnte sich in der Kurie weniger durchsetzen als der Dickkopf Bergoglio, der sich weigerte, aus dem Gästehaus Santa Marta auszuziehen. Vielleicht fühlt sich Franziskus im Vatikan weiter nur als „Gast auf Erden“? Ein Rücktritt aber scheint bei ihm derzeit nicht in Sicht zu sein.

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