Kirche und Welt

Mittwoch, 22. Juli 2020

Laien sollen nicht leiten

Kirchenrechtler Schüller: Vatikan-Papier „durch und durch klerikal“

Priester werden in dem Text aus dem Vatikan gestärkt. Laien hingegen werden klare Grenzen aufgezeigt. Foto: KNA

Mit einem neuen Dokument hat der Vatikan Gemeindereformen Grenzen gesetzt. Laien bleiben laut dem Schreiben von der Gemeindeleitung ausgeschlossen. Für die Aufhebung oder Zusammenlegung von Pfarreien, wie sie vielerorts geplant werden, sind jeweils begründete Einzelfallentscheidungen der Bischöfe erforderlich. Der Aufgabe von Kirchengebäuden wegen Finanzknappheit oder Bevölkerungsrückgang erteilt der Vatikan eine Absage. Gläubige werden zu Spenden angehalten; eine Rechenschaftspflicht für Pfarrer gegenüber ihren Gemeinden bestehe nicht.

Die Deutsche Bischofskonferenz will das überraschend veröffentlichte Dokument nach Aussage ihres Sprechers sorgfältig studieren und beim nächsten Treffen der Diözesanbischöfe erörtern. „Daher kann ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Kommentar geben“, fügte Matthias Kopp auf Anfrage hinzu.

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller kritisierte das neue Dokument des Vatikan scharf. „Das Papier beantwortet Fragen von heute mit Antworten von gestern“, sagte der Kirchenrechtler. Es handele sich um ein „durch und durch klerikales Papier“. Es werde rein vom Priester her gedacht; an der Lage der Bistümer und des kirchlichen Lebens in Deutschland gehe das Papier vorbei.

Schüller zufolge nimmt das Dokument ausdrücklich kritisch Bezug auf geplante und laufende Veränderungsprozesse im deutschsprachigen Raum. „Die Anweisungen schränken den Handlungsspielraum eines Ortsbischofs ein“, so der Kirchenrechtler. Eine Zusammenlegung von Pfarreien werde deutlich erschwert. Schüller rechnet damit, dass Bistümer Reformvorhaben und Modellprojekte nun noch weniger konkret in Worte fassen, um den Vorgaben nicht entgegenzustehen.

Das Schreiben der Kleruskongregation hat die Form einer Instruktion. Diese klärt als eine Art Verwaltungsanweisung die Anwendung kirchenrechtlicher Normen. Papst Franziskus billigte das Dokument.
Ausdrücklich stärkt der Text Pfarrer, wenn es um Herabstufungen oder Entpflichtungen im Zusammenhang mit Pfarreizusammenschlüssen geht: Die Wahrung ihrer Zukunftsperspektiven dürfe „nicht mit der Berufung auf unumgängliche Reformnotwendigkeiten oder gar mit dem Verweis auf den priesterlichen Gehorsam abgetan werden“.

Bestrebungen, das Amt des Pfarrers einem Team aus Priestern und Laien anzuvertrauen, widerspricht die Instruktion. Laien dürfen „auch nicht im Falle des Priestermangels“ Titel oder Funktionen eines Pfarrers annehmen. Auf Bezeichnungen wie „Leitungsteam“ ist zu verzichten. (kna)

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Deutsche Bischofskonferenz

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