Kirche und Welt

Mittwoch, 13. November 2019

Debatte um Zölibat geht weiter

Nach der Amazonien-Synode: Unterschiedliche Erwartungen

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn kann sich verheiratete Priester in Ausnahmesituationen vorstellen. Foto: KNA

Auch mehrere Wochen nach Abschluss der Amazonas-Synode im Vatikan reißt die Debatte um den Zölibat nicht ab. Theologen und Bischöfe wagen sich an Vorhersagen, wie der Papst wohl in der Frage entscheiden wird.

Nein, der Zölibat war nicht Hauptthema bei der Amazonas-Synode im Vatikan. In seiner Predigt zum Allerheiligenfest hat der Wiener Kardinal Christoph Schönborn das noch einmal hervorgehoben – und die entsprechende verengte Perspektive vieler Medien kritisiert. Genutzt hat es ihm wenig. In einem Interview der österreichischen Nachrichtensendung „Zeit im Bild“ zwei Tage später wurde der Wiener Erzbischof abermals zum Thema Zölibat befragt.
Für Schönborn ist die Sache klar: Auf absehbare Zeit wird die Grundform des priesterlichen Dienstes in der katholischen Kirche die ehelose Lebensform bleiben. Parallel dazu aber werde es künftig wohl auch verheiratete Priester geben – als Ausnahme in pastoral unterversorgten Regionen wie eben dem Amazonasgebiet.
Bleibt die Frage, wie diese pastorale Unterversorgung definiert wird. Priestermangel, betont etwa der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller, gibt es auch in Deutschland. Sollten verheiratete Priester in Amazonien erlaubt werden, dann erwartet er einen „Domino-Effekt“. Was im Amazonasgebiet gilt, muss auch bei uns erlaubt sein“ – so würden betroffene Bischofskonferenzen argumentieren.
An Ausnahmen vom Zölibat glaubt auch der in Brasilien lebende deutsche Theologe Paulo Suess. Der Papst habe dies nicht von oben herab bestimmen wollen, sondern habe auf die nun von der Amazonas-Synode gegebene Zustimmung gewartet. Das Neue an Franziskus‘ synodalem Weg sei eben, „dass auf die Stimme des Volkes gehört wird“, sagte Suess der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress.
Mit dem Verhältnis von Region und Weltkirche argumentiert auch der Regensburger Bischof Rudolf Voder-holzer – und kommt doch zu einem gänzlich anderen Ergebnis. In einer von konservativen Katholiken im Internet als „nach vorne weisend“ gefeierten Predigt erteilte er Lockerungen beim Zölibat eine klare Absage: Gerade weil es in der „weltumspannenden einen und deshalb katholischen Kirche“ keine zweitrangigen Regionen gebe, sei der Wunsch nach regionalen Ausnahmen „in seiner Zielsetzung durchschaubar“. Die aber könne und werde es in einer so bedeutenden Frage nicht geben.
Wo die Sehnsucht nach der Eucharistie wirklich groß sei, dort werde auch die Bereitschaft wachsen, dem Ruf in die Ganzhingabe im Priesteramt zu folgen – „sei es in Amazonien, sei es in Mitteleuropa“, so Voderholzer, der in derselben Predigt auch noch eine Breitseite gegen seinen Essener Amtsbruder zum Thema Frauenordination abfeuerte.
Andere deutsche Bischöfe geben sich zurückhaltender. In Paderborn etwa will man zur Debatte um den Zölibat erst einmal nicht konkret Stellung nehmen. Die Empfehlung der Synodenteilnehmer, künftig in Ausnahmefällen auch „bewährte Männer zu Priestern zu weihen, zeuge von der großen Offenheit des Gespräches und der Zuwendung der Kirche zu den Menschen, ließ das Erzbistum eine regionale Zeitung wissen. Letztlich müsse Franziskus entscheiden – und darauf warte man in Paderborn gespannt.

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Andreas Laska (kna)
 

Deutsche Bischofskonferenz

Anzeige

13. November 2019

Debatte um Zölibat geht weiter

Nach der Amazonien-Synode: Unterschiedliche Erwartungen


06. November 2019

Motoren und Moderatoren

Die Rolle der Kirchen vor und nach dem Mauerfall


Anzeige

Abo der Pilger

Bestellen Sie bequem online Ihre persönliche Ausgabe der Kirchenzeitung.

Anmeldung im Benutzerbereich

Passwort vergessen?
neu registrieren