Kirche und Welt

Donnerstag, 25. Juli 2019

Auch Positives hervorheben

Experte: Dauernde Kritik hat verheerende Auswirkung auf Image der Kirche

^Religionssoziologe Detlef Pollack sieht in der Dauerkritik Gift für die Kirche. Er rät. auch gut über die Kirche zu reden. Foto: KNA

Angesichts eines starken Anstiegs von Austritten bei den beiden großen Kirchen rät der Religionssoziologe Detlef Pollack, neben Kritik an den Kirchen auch positive Aspekte hervorzuheben. „Ich denke, dass die Menschen in der Kirche anfangen müssen, über die Kirche gut zu reden. Wenn die ganze Zeit nur Kritik geübt wird, dann hat das eine verheerende Wirkung auf das Image der Kirche“, sagte Pollack am 19. Juli im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur. „Und es wäre wahrscheinlich auch am besten, wenn die Menschen außerhalb der Kirche gut über sie reden würden. Durch Kommunikation und eine Veränderung des Diskurses kann man auch einiges erreichen.“Pollack nahm Bezug auf die in diesen Tagen veröffentlichten Austrittszahlen bei den Kirchen. (Beitrag Seite 3)

Das bedeute aber nicht, dass Kritik wie etwa die Frauen-Protestaktion Maria 2.0 kontraproduktiv seien, betonte Pollack. „Das sind ja hochengagierte Frauen, die an der Kirche leiden und nicht genug gehört werden. Ich würde sagen, dass auch für diese sehr kritischen und zum Teil auch provokativen Aktionen Raum in der Kirche sein muss.“ Das dürfe jedoch nicht alles sein. „Es sollten sich auch die zu Wort melden, die brav jede Woche zur Messe gehen und darunter leiden, dass die Kirche so ein schlechtes Image hat. Sie sollten darüber reden, was sie an die Kirche bindet.“ Die Änderung beginne damit, „dass man es lernt, anders zu denken“.

Die Kirchen hätten den Abwärtstrend nicht stoppen oder umkehren können – „obwohl sie sich darum bemühen, Transparenz in ihr Handeln zu bringen oder sich schuldig bekennen, wenn Missbrauchsfälle bekannt werden“, sagte Pollack. Wenn man die Entwicklung seit den 60er Jahren betrachte, gebe es einen stetigen Anstieg der Kirchenaustrittsrate. Heute seien die Zahlen selbst in den „Kirchenaustritts-Tälern“ deutlich höher als vor 30 oder 40 Jahren. „Die Kirchen sind im Grunde genommen diesem Abwärtstrend wie einem unausweichlichen Schicksal ausgesetzt und können nicht allzu viel tun, um ihn zu stoppen oder umzukehren.“ (kna)

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