Kirche und Welt

Mittwoch, 17. Juni 2020

Biblisches Drama

Die Corona-Pandemie verschärft den weltweiten Hunger drastisch

Hoffnung in der Not: Ein Mitarbeiter einer Misereor-Partnerorganisation in Indien verteilt Lebensmittel an eine Frau. (Foto: Seva Kendra Calcutta/Misereor)

Hilfswerke sehen Möglichkeiten, noch etwas gegen die Katastrophe zu tun. Sie bitten um Spenden. Seitdem sich das Coronavirus in vielen Entwicklungsländern ausbreitet, gehen bei dem katholischen Hilfswerk missio Hilferufe aus aller Welt ein. Bischöfe aus Bangladesch haben angerufen. Caritas-Mitarbeiter aus Indien sandten Briefe. Vor allem aus Afrika, etwa Tansania, kommen Anfragen. Die Ausgangssperren zur Eindämmung der Pandemie haben vor allem für Tagelöhner, kleine Gewerbetreibende und Landarbeiter weltweit dramatische Folgen. Hunderte Millionen von ihnen wurden arbeitslos. „Wenn die Menschen in armen Ländern nichts mehr zu arbeiten haben, hungern sie“, sagt missio-Präsident Dirk Bingener. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass sich die Zahl der Hungernden infolge der Corona-Beschränkungen weltweit bis Ende des Jahres auf 265 Millionen Menschen verdoppeln wird. David Beasley, Leiter des Welternährungsprogramms der UN, rechnet mit „Hungernöten biblischen Ausmaßes“. Mais wird unerschwinglich Durch die Pandemie und die Versuche, die Seuche einzudämmen, wurden Lieferketten unterbrochen. Bauern und Bäuerinnen kommen während eines Lockdowns nicht mehr auf ihre Felder, Händler können ihre Produkte nicht mehr auf Märkte bringen, weil Spediteure nicht mehr fahren dürfen. Verschärft wird die Lage dadurch, dass reiche Geberländer, die sonst bei Katastrophen helfen, zu sehr mit ihren eigenen Wirtschaftskrisen beschäftigt sind, um die Hungerkatastrophe nach oben auf ihre Agenda zu setzen, so Beasley. Komplettiert wird der Teufelskreis dadurch, dass in Teilen der Welt die Preise für viele Nahrungsmittel durch die Lieferengpässe immer weiter steigen. In Äthiopien, Burundi, Mali, Ghana und Teilen Südamerikas haben sich Grundnahrungsmittel wie Weizen, Reis, Mais und Hirse bereits derart verteuert, dass sie für viele unerschwinglich sind. Zwar sind die Lager mit Nahrungsmitteln weltweit noch gut gefüllt. Doch in etlichen Regionen fallen erste Ernten und Aussaaten aus, weil die Menschen ihr Haus nicht verlassen und Landarbeiter nicht mehr dahin reisen dürfen, wo die Feldfrüchte reif sind. Die Pandemie hat viele Arme vor eine lebensbedrohliche Wahl gestellt: entweder Ansteckung mit dem Virus oder Hunger. Die Hilfswerke sehen allerdings Möglichkeiten, noch etwas gegen die Hungerkatastrophe zu tun. Sie versuchen etwa, kleinbäuerliche Produzenten gegen die Großkonzerne zu stärken. Um rasch zu helfen, brauchen die Hilfswerke Geld. Längst haben Misereor und missio Corona-Fonds eingerichtet. Um Spenden wird gebeten.

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