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Kirche und Welt

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Das Elend geht weiter

Auf der griechischen Insel Lesbos gibt es ein neues Flüchtlingslager – aber die Probleme bleiben

Von einem provisorischen Camp ins nächste: Dieser Vater ist mit seinem Sohn nach dem Brand in Moria ins neue Flüchtlingslager Kara Tepe auf Lesbos umgezogen. (Foto: imago images/ANE Edition)

Nach dem Großbrand im Flüchtlingslager auf der Insel Lesbos hatten viele Politiker erklärt, ein zweites Moria dürfe es nicht geben. Was ist von diesen Bekenntnissen geblieben? Und wie steht es um die europäische Flüchtlingspolitik? „Was wir befürchtet haben, ist eingetreten“, sagt Stefanie Wahl, die Bundesvorsitzende von Pax Christi, über die aktuelle Situation auf der griechischen Insel Lesbos. Nachdem ein Großbrand dort vor etwas mehr als einem Monat das Flüchtlingslager Moria zerstört hat, hatten zahlreiche Politiker und Verbände gefordert, dass es ein „Moria 2.0“ nicht geben dürfe. Doch genau das sei passiert, sagt Wahl. Auf Lesbos wurde das neue Flüchtlingslager Kara Tepe hochgezogen. Rund 8000 Menschen leben derzeit dort – unter ähnlich katastrophalen Bedingungen wie schon zuvor in Moria, sagt Wahl. Sie berichtet davon, dass die Wasser- und Lebensmittelversorgung in dem Camp nicht funktioniert. Auch die Hygiene sei mangelhaft, 25 Menschen teilten sich eine Toilette. Wahl findet es „unbegreiflich, dass man in Europa nicht in der Lage ist 8000 Menschen vernünftig zu versorgen“. Zwar ist das neue Camp nach dem Brand zunächst provisorisch hochgezogen worden, Hilfsorganisationen wie das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) befürchten allerdings, dass die Geflüchteten nun dauerhaft dort bleiben müssen. Viele von ihnen sitzen schon seit mehr als einem Jahr auf Lesbos fest. Sie warten darauf, dass Griechenland über ihren Asylantrag entscheidet.

Das Camp ist weder regen- noch winterfest
Nach dem Brand in Moria hat die griechische Regierung zumindest 946 bereits anerkannte Asylbewerber aufs Festland gebracht. Auch andere EU-Länder nahmen Geflüchtete auf, darunter Deutschland: Die Bundesregierung beschloss nach langem Ringen, 1553 Menschen von der Insel zu holen. Wirklich verbessert habe sich die Situation auf Lesbos dadurch allerdings nicht, kritisiert Wahl. „Man schaff t sich ein bisschen Luft, aber hält die menschenunwürdigen Bedingungen aufrecht.“ Sie fordert, dass Deutschland Verantwortung übernehmen und mehr Menschen aufnehmen soll, verweist auf die 190 Kommunen, die ihre Bereitschaft dazu mehrfach erklärt haben. Das Innenministerium dürfe die Aufname der Menschen nicht weiter blockieren, sagt Wahl: „Die Bekenntnisse, dass es kein neues Moria geben soll, kann man nur wahrmachen, indem man die Flüchtlingslager evakuiert.“ Politisch steht eine Evakuierung derzeit nicht zur Debatte: Vergangene Woche haben die EU-Innenminister über einen neuen Migrationspakt verhandelt. Er sieht vor, dass Neuankömmlinge an den EU-Außengrenzen künftig nach höchstens fünf Tagen auf die Asylverfahren der EU-Länder verteilt werden, die bereit sind, Geflüchtete aufzunehmen – vorausgesetzt, dass sie gute Chancen auf Asyl haben. So sollen überfüllte Flüchtlingslager an Europas Außengrenzen in Zukunft verhindert werden. Für die Geflüchteten, die bereits auf den Ägäis-Inseln sind, gilt das allerdings nicht: Sie hängen weiterhin im griechischen Aylverfahren fest – und damit in den Flüchtlingscamps. Umso dringender sei es, dass sich Deutschland jetzt bereiterklärt, sie aufzunehmen, sagt Wahl. Denn die Flüchtlingslager seien nicht winterfest und anfällig für Überschwemmungen. Im September hat Pax Christi die Kampagne „Kein Weihnachten in Moria“ ins Leben gerufen. Moria gibt es nicht mehr – aber die Forderung, dass die Geflüchten nicht noch ein Weihnachten unter unwürdigen Bedingungen erleben sollen, bleibt aktuell, sagt Wahl: „Die Menschen brauchen endlich eine sichere Unterkunft.“

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Sandra Röseler

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