Kirche und Welt

Mittwoch, 25. März 2020

Es geht um Ängste und Einsamkeit

Bei der Telefonseelsorge Pfalz in Kaiserslautern herrscht ein Thema vor: das Coronavirus.

Die Telefonseelsorge – in diesen Tagen besonders wichtig. (Foto:kna)

Es sind die unterschiedlichsten Probleme und Nöte, mit denen sich die Anrufenden bei der Telefonseelsorge Pfalz in Kaiserslautern das Jahr über melden. Doch in jüngster Zeit herrscht ein Thema vor: das Coronavirus.

„Am 16. März sind bundesweit bei den Stellen der Telefonseelsorge insgesamt 7 500 Gespräche eingegangen, 2 250 davon drehten sich um die Corona-Pandemie“, sagt Astrid Martin, katholische Leiterin der Kaiserslauterer Telefonseelsorge. „Bereits am nächsten Tag ging es bei unseren Anrufern nur noch um Corona. Dabei ist auffällig, dass die 50- bis 70-Jährigen hauptsächlich Angst vor der Erkrankung haben, gepaart mit ihrer körperlichen Befindlichkeit.“ Menschen im Alter über 80 und unter 40 litten besonders unter den eingeschränkten sozialen Kontakten, beschreibt Martin zwei auffällige Tendenzen. „Das liegt daran, dass Menschen in höherem Alter sowieso schon weniger Kontakte haben. Verringern sie sich zusätzlich, wird die Verbindung zur Außenwelt noch kleiner. Das sei ein Einschnitt, der leicht das Gefühl der Einsamkeit und Isolation entstehen lasse. In der Gruppe der unter 40-Jährigen befänden sich viele Singles, die im sozialen Leben unterwegs sind. Auch für sie sei es belastend, sich nicht mehr frei bewegen und Kontakte zu anderen aufnehmen zu können.

Das Thema Corona treibt nach Informationen der bundesweiten Sprecherin der Telefonseelsorge, Astrid Fischer, vor allem Frauen um. Am häufigsten gehe es in den Gesprächen um Einsamkeit, am zweithäufigsten um Ängste, sage sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ am 20. März.
„Unsere Mitarbeitenden am Telefon tun alles, um die Menschen zu beruhigen, zu trösten und mit ihnen gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie sich die Zeit des Ausnahmezustands überstehen lässt“, sagt Astrid Martin. Mit umfassenden Schutzmaßnahmen bemüht  sich die Stelle nach Kräften, auch in dieser schwierigen Zeit für rat- und hilfesuchende Menschen da zu sein.
Aber es gibt auch Neues zu verkünden Am 10. März hat die Telefonseelsorge Deutschland mit dem Krisen-Kompass eine rein digitale Hilfe für Menschen gestartet, die sich in der suizidalen Krise befinden. Gleichzeitig richtet sie sich auch an Angehörige, Kollegen und Freunde, die unterstützen möchten, sowie an Angehörige, die eine Person durch Suizid verloren haben.
„Die App wurde entwickelt, um jene zu unterstützen, die sich nicht trauen, mit uns zu sprechen oder uns zu schreiben. Wir hoffen, dass dieses niederschwellige Angebot hilfreich ist, einen Krisenfall besser zu meistern“, erklärt Martin den Hintergrund der App.
Menschen in einer schwierigen seelischen Situation benötigten eine klare und selbsterklärende Ansprache, da die kognitiven Möglichkeiten überlagert seien. „In der App wurde stark darauf geachtet, dass sie einfach zu nutzen ist, und die Texte leicht lesbar sind. Die App bietet so Seelsorge in neuer Form“, ergänzt der evangelische Leiter der Telefonseelsorge Pfalz, Pfarrer Peter Annweiler. „Der Krisen-Kompass kann in stabilen Momenten angelegt werden, um in Krisensituationen darauf zurückzugreifen.“
„Er hilft Betroffenen, sich selbst zu stabilisieren, indem er Anleitungen zum Kraftschöpfen und Zugang zu den eigenen Kraftquellen gibt“, so Astrid Martin. „Er lädt zu Phantasie- und Entspannungsreisen ein, bietet aufbauende Lieder, Geschichten und Gedichte, aber auch eigene können archiviert werden.“ Außerdem lasse sich in ihm ein Stimmungstagebuch anlegen, das auch in der Psychotherapie genutzt wird. Gespeicherte Kontakte für den Notfall von Menschen aus dem persönlichen Umfeld, der Telefonseelsorge und anderen professionellen Anlaufstellen können in der Krise Hilfestellungen stellen.

Die App lässt sich herunterladen:
Für IOS: ios.krisen-kompass.app
Für Android: android.krisen-kompass.app

Schreiben Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag an:  Friederike Jung

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