Kirche und Welt

Mittwoch, 08. November 2017

Franziskus warnt vor neuen Kriegen

Auch ungerechte Strukturen produzieren Opfer wie Bomben und Gewehre

Papst Franziskus. Frieden ist ihm ein immer dringlicheres Anliegen. Foto: actionpress

Eine ungewöhnliche Geste: Der Papst begeht das Totengedenken der katholischen Kirche auf Kriegsgräbern. Darin zeichnet sich ein immer dringenderes Anliegen des 80-Jährigen ab.

Es war Allerseelen, der Tag, an dem die katholische Kirche der Toten gedenkt. In früheren Jahren war Franziskus zu Allerheiligen, also am 1. November, jeweils zu einem der großen Friedhöfe Roms gefahren, zum Campo Verano oder der riesenhaften Totenstadt von Prima Porta. Dass er jetzt den Soldatenfriedhof von Nettuno als Ziel wählte, war eine Botschaft: im Angesicht aktueller Konflikte mahnend an das letzte Ziel jedes Menschen im Tod zu erinnern – und angesichts so vieler Toten an die Sinnlosigkeit der Kriege (siehe Titelseite).

Abertausende „zerbrochene Hoffnungen“: So nannte Franziskus das, was er auf dem Gräberfeld von Nettuno sah. Und er schob nach: „Nie wieder, Herr.“ Franziskus brauchte kein Manuskript für das, was er zu sagen hatte. Er sprach von der christlichen Hoffnung, nach dem Tod Gott zu begegnen und einander wiederzusehen. „Die Hoffnung enttäuscht nicht“, beharrte er. „Aber die Hoffnung senkt so oft ihre Wurzeln in unzählige menschliche Wunden.“

Nicht zufällig zitierte Franziskus namentlich jenen Papst, der 100 Jahre vor ihm amtierte: Benedikt XV. (1914 bis 1922), den Weltkriegspapst. Nie wieder: „Das müssen wir heute sagen, da wir für alle Toten beten“ und „besonders für diese Jungs“, sagte Franziskus. „Heute, da die Welt wiederum im Krieg ist und sich vorbereitet, noch stärker in den Krieg zu ziehen. Nie wieder, Herr. Nie wieder. Mit dem Krieg verliert man alles.“

Es ist eine Ansicht, die Franziskus wiederholt geäußert hat. Ein „Dritter Weltkrieg“ sei bereits im Gang, wenngleich „in Stücken“, dezentral, in Form von bewaffneten Konflikten wie auch ungerechten Strukturen, die ebenso Opfer produzieren wie Bomben und Gewehre. Doch neuerdings spricht der Papst noch öfter und eindringlicher von diesem Krieg.

Mitte Oktober empfing er die Kaiser-Karl-Gebetsliga für Völkerfrieden, die eine Gebetsinitiative des letzten österreichischen Kaisers Karl I. (1887 bis 1922) fortführt. Ihn würdigte Franziskus dafür, dass er 1917 als einziger Machthaber Europas Benedikt XV. darin unterstützte, „dem Blutbad des Weltkriegs ein Ende zu setzen“.

Am 28. Oktober verlangte der Papst dann Nachbesserungen beim humanitären Völkerrecht unter Verweis auf jüngere Kriegsgräuel in unterschiedlichen Weltregionen. Am gleichen Tag redete er einem Zukunftskongress für Europa ins Gewissen: Heute werde deutlicher, was für ein zerbrechliches Gut der Frieden sei, sagte er unter Verweis auf ein neues nationales Denken.

Dann bezeichnete er einen möglichen nuklearen Schlagabtausch als „Selbstmord der Menschheit“. Das Mahnwort fiel am 30. Oktober in der Vatikanbehörde für Entwicklung – die just in diesen Tagen elf Nobelpreisträger zu einer Tagung über atomare Abrüstung in den Vatikan holt. Als die UNO jüngst ihr Atomwaffenverbotsabkommen verabschiedete, gehörte der Heilige Stuhl wie selbstverständlich zu den ersten drei ratifizierenden Staaten.

An Allerheiligen schlug Franziskus das Thema wieder an: Kriege brächten „nichts hervor als Friedhöfe und Tod“, sagte er. Augenblicklich mache die Menschheit jedoch den Eindruck, „diese Lektion nicht gelernt zu haben oder nicht lernen zu wollen“. (red)

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