Kirche und Welt

Donnerstag, 08. März 2018

Kabinett wird katholischer werden

Die evangelische Pfarrerstochter Angela Merkel und ihre katholischen Minister

Das Kabinett der Bundeskanzlerin wird deutlich „katholischer“ werden. Foto: actionpress

In der neuen großen Koalition könnte die evangelische Pfarrerstochter Angela Merkel deutlich mehr Katholiken um sich am Kabinettstisch versammeln als in der letzten Legislaturperiode. Zumindest gilt das für die künftigen Ministerinnen und Minister der CDU und CSU, bei der SPD steht die Benennung der Ministerposten noch aus.

In der letzten Regierung gab es zwar mit Andrea Nahles, Barbara Hendricks und Heiko Maas drei katholische SPD-Minister. In der CDU-Riege aber war Peter Altmaier der einzige Katholik neben sechs Protestanten. Künftig werden Merkel und von der Leyen alleine die evangelische Fahne hochhalten, umringt von fünf Katholiken: Zu Altmaier werden sich Julia Klöckner, Anja Karliczek, Helge Braun und Jens Spahn gesellen. Als CSU-Minister kommen ausschließlich Katholiken ins Kabinett Merkel: Gerd Müller, Andreas Scheuer und Horst Seehofer (sowie Dorothee Bär als Staatsministerin). Bei den anderen Unions-Staatsministern und -Staatssekretären im Kanzleramt dürfte das Verhältnis konstant bleiben: Bisher gab es hier die katholischen CDU-Staatsminister Monika Grütters und Helge Braun und den evangelischen CSU-Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche. Grütters soll Kulturstaatsministerin bleiben, dazu kommen Katholikin Annette Widmann-Mauz (CDU) als Staatsministerin für Integration und Protestant Hendrik Hoppenstedt (CDU). Darüber hinaus folgt die Katholikin Annegret Kramp-Karrenbauer als Generalsekretärin der CDU auf den Protestanten Peter Tauber.

Doch Taufschein und Gesangbuch sind nur eine Seite. Entscheidender sind andere Fragen: Welche Rolle spielt die Zugehörigkeit zu einer Konfession überhaupt? Und wie beeinflusst der persönliche Glaube das politische Handeln? Dass ihnen Glaube wichtig sei, betonen so gut wie alle. Einige auf der Unionsseite wie Klöckner, Kramp-Karrenbauer und Müller gehören dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) an.  Klöckner bekannte kürzlich, bei elementaren Entscheidungen – etwa „bei ethischen Fragestellungen, bei der Frage des ungeborenen Lebens“ – entlaste sie ihr Glaube.

Auch Ex-Ministrant Altmaier erzählte in einem „Bunte“-Interview, wie wichtig ihm Religion sei, „weil christliche Werte für mich ein starkes Fundament sind“. Für Jens Spahn sind Glaube und Kirche „aus mir und meinem Leben nicht wegzudenken“. Der „Tagespost“ sagte er außerdem, er habe seine christliche Prägung „mit der Muttermilch“ aufgesogen. Auf der anderen Seite ist Spahn, der in einer homosexuellen Beziehung lebt und kürzlich geheiratet hat, klar für die „Ehe für alle“ – anders als Karliczek, Kramp-Karrenbauer und andere. Klöckner warf kürzlich den Kirchen vor, sich zu sehr in die Politik einzumischen. Gerade in der Flüchtlingspolitik liegen sie und Spahn, um nur zwei Beispiele zu nennen, keineswegs auf einer Wellenlänge mit den Kardinälen Marx und Woelki und der Mehrheit der Bischöfe.

Eindeutiger ist – soweit bekannt – die Positionierung der künftigen Kabinetts-Katholiken in anderen Debatten: So sind sie durch die (Regierungs-)Bank gegen eine Liberalisierung der Suizidbeihilfe und gegen Änderungen beim Werbeverbot für Abtreibungen. (red)

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