Kirche und Welt

Donnerstag, 11. Oktober 2018

„Stil eines Hofstaates“

Kritik an Vorgehen gegen Rektor von St. Georgen

Der Limburger Bischof Georg Bätzing stellte sich vor Wucherpfennig. Foto: actionpress

Der Provinzial des Jesuitenordens in Deutschland, Pater Johannes Siebner, kritisiert das Vorgehen des Vatikan gegen den wiedergewählten Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen. Es sei „wohl der Stil eines byzantinischen Hofstaats“, Pater Ansgar Wucherpfennig ohne jede Rücksprache sein Amt zu entziehen wegen wertschätzender Aussagen zum Thema Homosexualität, sagte Siebner am 9. Oktober dem Internetportal katholisch.de –„als hätte man nichts mitbekommen oder verstanden von der Diskussion über Machtmissbrauch“.

Wie „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Frankfurter Rundschau“ zuerst berichtet hatten, verweigert die Bildungskongregation im Vatikan dem Geistlichen die notwendige Unbedenklichkeitserklärung („Nihil Obstat“) für eine dritte Amtszeit und verlangt einen öffentlichen Widerruf seiner Positionen. Wucherpfennig hatte sich in Interviews kritisch geäußert zum Umgang der Kirche mit Homosexuellen und mit Frauen und unter anderem Segensfeiern für homosexuelle Partnerschaften befürwortet.

Siebner betonte, dass er weiter uneingeschränkt hinter Wucherpfennig stehe: „Er hat nichts gesagt, wo er der Lehre der Kirche widerspricht.“ Stattdessen habe er hilfreiche Vorschläge gemacht für ein neues Nachdenken der Kirche zum Umgang mit Homosexuellen: „Es geht um eine wirkliche Würdigung menschlicher Beziehungen, nicht zuerst um Sexualmoral.“ Die „verschwurbelte Rede der Kirche über Homosexualität funktioniert schon lange nicht mehr und ist auch in der Sache obsolet“, so Siebner weiter. Und hier seien Wucherpfennigs Anregungen hilfreich, um das Thema auch theologisch neu zu überdenken. Als ärgerlich bezeichnete es Siebner weiter, dass es keine Nachfragen bei Wucherpfennig und auch keine klärenden Gespräche mit der Kongregation gegeben habe.

Auch der Limburger Bischof Georg Bätzing stellte sich vor Wucherpfennig. Ein Bistumssprecher sagte den Zeitungen, Bätzing habe dessen Wiederwahl als Rektor „uneingeschränkt“ zugestimmt. Bätzing habe auch in Rom deutlich gemacht, dass „Bistum und Jesuitenorden gut beraten sind, an der bewährten Hochschul-Leitung festzuhalten“. Der Bischof gehe daher weiter von einer gütlichen Lösung aus. (kna)

 

 

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