Kirche und Welt

Mittwoch, 08. Januar 2020

Unchristlicher Charakter

Brasiliens Präsident Bolsonaro verärgert evangelikale Anhänger

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro. (Foto: actionpress)

Jair Bolosonaro betont seine Nähe zum Christentum – und macht eine Politik, die dazu nicht passt.

Sein erstes Weihnachten als Präsident feierte Jair Messias Bolsonaro mit einem evangelikalen Kult voller „Halleluja“. Zudem beschwor er Brasiliens Bestimmung, wie das Vorbild Israel eine Oase des Glücks und Wohlstands zu werden. Seine Zuhörer, darunter evangelikale Politiker, applaudierten.
Doch gerade unter ihnen fällt die Bilanz seines ersten Regierungsjahres bitter aus. Weder verschärfte er Abtreibungsgesetze noch strich er vermeintlich linke Ideologien aus Lehrplänen. Auch das Versprechen, Brasiliens Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, löste er aus Angst vor Wirtschaftssanktionen nicht ein.
Nach fünf Jahren Krise muss Wachstum her, sonst wenden sich die Wähler ab. Jetzt schon ist seine Beliebtheit mit unter 30 Prozent schlechter als die der Vorgänger. Die Evangelikalen, rund ein Drittel aller Brasilianer, bilden das Rückgrat seiner Wählerbasis. Sie haben seinen Plänen zu einer moralisch-religiösen Wende geglaubt, die er bei Kirchenbesuchen beschwört. „Seine Verbindung zum Christentum der Pfingstbewegung ist lediglich eine strategische Allianz, gemeinsame Wurzeln hat man nicht“, urteilt jedoch der Religionswissenschaftler Francisco Borba Neto von der katholischen Universität Sao Paulo.

Medienwirksame Taufe
So bezeichne sich Bolsonaro als Katholik, obwohl er sich 2016 von einem evangelikalen Pastor medienwirksam im Jordan habe taufen lassen, erinnert Borba. Auch hätten die Angriffe auf politische Gegner seinen „unchristlichen Charakter“ gezeigt. Borba erinnerte zudem an das Lob Bolsonaros für den Folter-Chef Carlos Alberto Brilhante Ustra, der für den Tod Dutzender Menschen während der Diktatur verantwortlich war. Bolsonaro nennt ihn einen Nationalhelden.
„Man kann einen öff entlichen Amtsträger, der Folterer lobt und auf die Statue eines Diktaturopfers spuckt, keinen Christen nennen“, sagt Borba. Zudem verteidige Bolsonaro den Tod von Verbrechern, posiere stets mit Waffe im Anschlag und verhöhne Pazifisten. „Bolsonaro wünscht sich ein Brasilien der ständigen Konfrontation aller gegen alle, und er scheint
das zu schaffen.“
Offen beschuldigte Bolsonaro ausländische Nichtregierungsorganisationen und indigene Völker, die Brände am Amazonas gelegt zu haben. Er leugnet den Klimawandel, er will Amazonien ausbeuten. Organisationen wie der katholische Indigenen-Missionsrat Cimi berichten von immer mehr Gewalt und Umweltzerstörung im Amazonasgebiet. Nur die Androhung wirtschaftlicher Konsequenzen könne Bolsonaro zum Einlenken bringen, glauben Umweltschützer.

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