Kirche und Welt

Donnerstag, 09. Juli 2020

„Unsere letzte Chance“

Eine neue Kirchenkonferenz soll das Amazonasgebiet voranbringen

Die Amazonas-Synode von 2019 in Rom zeigt Wirkung und wird in Lateinamerika weitergeschrieben. (Foto: KNA)

Adveniat-Hauptgeschäftsführer Michael Heinz sagt, für die Indigenen und den Regenwald sei die Konferenz überlebenswichtig. In Lateinamerika ist eine neue länderübergreifende Kirchenkonferenz für das Amazonasgebiet gegründet worden. Wie das katholische Netzwerk Repam in Quito mitteilte, fand die konstituierende zweitägige Sitzung wegen der Corona-Pandemie per Videoschalte statt. Neben den Kardinälen Claudio Hummes (Brasilien) und Pedro Barreto (Peru) seien auch vier Kardinäle aus Rom unter den Teilnehmern gewesen. Dem Projekt war eine monatelange Vorbereitungsphase vorausgegangen. Barreto sprach von einem historischen Ereignis. Die nun geschaffene Conferencia Eclesial de la Amazonia sei eine einzigartige kirchliche Institution. Sie werde dem bestehenden Lateinamerikanischen Bischofsrat Celam angegliedert, erhalte allerdings einen autonomen Status. In der neuen Konferenz seien Bischöfe, Priester, Diakone und Angehörige der indigenen Völker aller Amazonas-Staaten vertreten. Den Vorsitz übernimmt Kardinal Hummes, der zugleich Präsident von Repam ist.

Dramatische Abholzung
Die Schaffung der amazonischen Kirchenkonferenz geht auf das Schlussdokument der Amazonas-Synode zurück, die im Oktober in Rom stattfand. Unter Punkt 115 heißt es in dem Text: „Wir schlagen vor, ein bischöfliches Organ zu schaffen, das die Synodalität zwischen den Kirchen der Region voranbringt.“ Es solle behilflich sein, „das amazonische Antlitz dieser Kirche zu konturieren und neue Wege für den Evangelisierungsauftrag zu entdecken“. Dabei müsse die in der Umweltenzyklika von Papst Franziskus entworfene Idee einer „ganzheitlichen Ökologie“ stets im Blick bleiben. Das Lateinamerika- Hilfswerk Adveniat begrüßte die Einberufung der Konferenz. „Es ist unsere letzte Chance, das Überleben der indigenen Völker und den Fortbestand des Amazonasregenwaldes zu sichern“, sagte Hauptgeschäftsführer Michael Heinz. Derzeit sei die Situation vor Ort dramatisch: So hätten sich bereits über 432 000 Menschen mit Covid-19 infiziert, über 13 800 seien daran gestorben. „Es wird immer wieder deutlich, dass das Immunsystem der Indigenen nicht auf einen solchen Virus vorbereitet ist und die Indigenen aufgrund der schlechten Gesundheitsversorgung deutlich häufiger an Covid-19 sterben“, sagte Heinz. Zugleich sei die Abholzung im brasilianischen Regenwald im April um 171 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen, so Adveniat. Mit Hilfe der Kirchenkonferenz könnten brisante Fragen nun überregional bearbeitet und in weltweite Debatten eingebracht werden, so Heinz: „Auf diesem Weg können wir wirkliche Veränderungen erreichen.“

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