Kirche und Welt

Donnerstag, 06. Dezember 2018

Wenn die Kirche sich von Kirchen trennt

Eine Tagung in Rom erörtert die Umwidmung von Gotteshäusern

„La Canonica“ heißt das Restaurant, das in der ehemaligen Kirche Santa Maria della Clemenza in Rom eröffnet wurde. Foto: KNA

Der Gläubigenschwund stellt die katholische Kirche vor ein Problem: nicht benötigte Kirchengebäude. Auch nach einem Verkauf soll es eine würdige Nutzung geben. Aber vielfach ist das ist nur ein frommer Wunsch.

Davon träumt mancher Pfarrer: Eine Kirche, in der die Leute um ein Plätzchen Schlange stehen und großherzig ihre Geldbörsen öffnen. So geschieht es allabendlich unweit dem römischen Trevi-Brunnen. Nur dass die Kapelle in der Via dei Maroniti kein Gotteshaus mehr ist, sondern ein Restaurant. „Sacro e Profano“ sein Name, „Heilig und profan“. Der Schlemmertempel macht das Thema einer Expertentagung in Rom handgreiflich: „Wohnt Gott nicht mehr hier?“ Es geht um die Umnutzung nicht mehr benötigter Kirchen.

Was tun mit den Kirchen?
Stocknüchtern fällt die Diagnose von Kardinal Gianfranco Ravasi vom Päpstlichen Kulturrat aus, der zu der Veranstaltung einlud: Viele Kleriker meinten noch, „wir lebten in einem Dorf, in dem sonntagmorgens, wenn die Glocken läuten, die Leute zur Kirche rennen“. Dabei herrsche im einst christlichen Westen „religiöse Apathie“, sagte Ravasi der Zeitung „Corriere della Sera“. Den Trend mag man als Kirchenmann nicht gut finden, aber fest steht: Es werden weniger Kirchen gebraucht. Was tun mit den alten? Inzwischen ist das Problem selbst im katholischen Italien angelangt, wo statistisch auf eine Pizzeria eineinhalb Gotteshäuser kommen: 67  000 sind es laut der Italienischen Bischofskonferenz. Deren Generalsekretär Stefano Russo spricht denn auch von dem identitätsprägenden Charakter der Kirchenbauten für Italien und besteht auf einem entsprechend würdigen Gebrauch überflüssiger Immobilien. Vorzuziehen sei eine kulturelle Nutzung, etwa als Konzertraum oder Bibliothek, betont Bischof Russo.

Lieber Museum als Standesamt
Ein Beispiel in seinem Sinn wäre San Pancrazio in Florenz: Seit 1986 ist in den gotischen Mauern das Museum Marino Marini zu Hause. Eher unglücklich ist Russo, wenn ehemalige Kirchen als Location für nichtkirchliche Hochzeitsfeiern dienen. So geschieht es in der Villa Lais in Rom – dort geben sich Paare in einer romantischen Kapelle unter den Augen der Gottesmutter und der Standesbeamtin das zivile Ja-Wort. Von Land zu Land ist die Säkularisierungslage unterschiedlich. Der Präsident des Rates der europäischen Bischofskonferenzen CCEE, Kardinal Angelo Bagnasco, rät deshalb dazu, gemeinsam Kriterien für je eigene nationale Lösungswege zu suchen. Vor den rund 250 Kongressteilnehmern aus 36 Ländern hielt Deutschland als Beispiel für ein Land her, das relativ viel Erfahrung auf diesem Feld hat.

500 deutsche Kirchen profaniert
Mehr als 500 katholische Kirchen wurden in Deutschland seit dem Jahr 2000 profaniert, so Pawel Malecha vom obersten Kirchengericht, der Apostolischen Signatur. Ein Drittel wurde abgerissen, die anderen verkauft oder umgewidmet. Die gleiche Zahl an Kirchen kommt in den Niederlanden im nächsten Jahrzehnt auf den Markt, so Malecha. Der Jurist verweist darauf, dass eine Kirche, einmal profaniert, nicht mehr dem Kirchenrecht unterliegt. Sprich: Bischöfe sollten sich vorher versichern, was mit dem Objekt passiert; ob etwa ein Nachtclub oder ein Schönheitssalon einzieht. Später gibt es kaum Handhabe gegen Schindluder – auch deshalb, so Malecha, sei es „wichtig, gute Beziehungen zu den zivilen Behörden zu unterhalten“.
Auch an die beweglichen Gegenstände ist bei Kirchenprofanierungen zu denken. Daran erinnert Maud de Beauchesne-Cassanet, zuständig für Sakralkunst bei der Französischen Bischofskonferenz. Heiligenreliquien etwa dürfen nicht auf dem Kunstmarkt landen. Deshalb ist laut Beauchesne-Cassanet rechtzeitig zu planen, was mit Bildern, Beichtstühlen oder Weihrauchfässern geschehen soll. Manches kann vielleicht ins Museum, anderes in arme Länder verschenkt werden. Altkleidersammlung für Messgewänder? Ein verstörender Gedanke.

Papst: Verkauf nicht die erste Lösung
Auch Papst Franziskus spricht harte Realitäten ungeschminkt aus. Dass immer mehr Kirchen, gerade auf dem Land, wegen Gläubigen- und Priestermangel nicht mehr gebraucht würden, sei ein „Zeichen der Zeit“. Wichtiger sei es, Prozesse in Gang zu bringen als Räume zu besitzen, schrieb er in einer Botschaft an den Kongress. Dennoch warnt er, Kirchenverkauf sei „nicht die erste und einzige Lösung“. Schon gar nicht das Modell von „Sacro und Profano“, wo es Wein statt Weihwasser gibt und saftiges Thunfischfilet an Orangenjus statt dürrer Predigtworte. (red)

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