Kirche und Welt

Donnerstag, 12. Januar 2017

Zahl verfolgter Christen wächst

Open Doors veröffentlicht Weltverfolgungsindex 2017

Jährlich veröffentlicht die Hilfsorganisation Open Doors den Weltverfolgungsindex. Auch in der aktuellen Untersuchung zeigt sich, dass in den islamischen Ländern die Christen in einem erhöhten Maße von Diskriminierung und Verfolgung betroffen sind. Foto: Homepage Open Doors

Christen sind die meistverfolgte Gruppe der Welt – betont Open Doors. Jährlich veröffentlicht die Hilfsorganisation den Weltverfolgungsindex. Glaubt man dem neuesten Bericht, ist die Zahl der Verfolgten stark gestiegen.

Die Farbmarkierungen auf der Weltkarte von „Open Doors“ sind eindeutig: Vor allem im Mittleren Osten, aber auch im Norden und Osten Afrikas sowie im südlichen Asien häufen sich rote und orangefarbene Fähnchen, die auf starke Christenverfolgung hinweisen. Zum wiederholten Mal hat die international agierende evangelikale Organisation am 4. Januar einen „Weltverfolgungsindex“ veröffentlicht, der eine Rangliste der 50 Länder mit der schlimmsten Christenverfolgung enthält.
Von einer weiter zunehmenden Verfolgungsdynamik ist die Rede. Hatte Open Doors im vergangenen Jahr von deutlich mehr als 100 Millionen verfolgten Christen gesprochen, so bezifferte die Hilfsorganisation diese Zahl jetzt aufgrund einer „Neueinschätzung“ auf rund 200 Millionen. Schuld daran sei vor allem radikaler Islamismus. Aber auch ein wachsender Nationalismus in hinduistisch oder buddhistisch geprägten Staaten Asiens setze Christen massiv unter Druck, heißt es.

Viele Formen der Verfolgung
Die Zahlen von Open Doors sind umstritten, weil eine exakte Definition von Verfolgung äußerst schwierig ist. Sie reicht von direkter Gewalt über diskriminierende Gesetze bis hin zu gesellschaftlicher Ausgrenzung. Oft gibt es Verbindungen zwischen sozialen, politischen und religiösen Gegensätzen. Die beiden großen Kirchen verzichten lieber darauf, konkrete Zahlen zu nennen. Doch Open Doors verteidigt die Statistiken und ist stolz, das Thema überhaupt nach vorn gebracht zu haben. Es gehe darum, die Perspektive verfolgter Christen einzunehmen, betont Geschäftsführer Markus Rode.

Nordkorea führt Index an
Erneut führt Nordkorea den Index an: Die 300000 Christen könnten unter der Herrschaft von Kim Jong-un nur im Untergrund überleben. Etwa 70000 von ihnen seien Folter und härtester Zwangsarbeit ausgesetzt. Von Platz 4 auf 2 vorgerückt ist Somalia, wo nur einige hundert Christen leben, die vom Islam konvertiert sind. „Im Falle ihrer Entdeckung müssen sie damit rechnen, auf der Stelle ermordet zu werden“, sagt Rode.
Hart getroffen wurde die Kirche in Pakistan (Rang vier), wo allein am Ostersonntag 2016 in Lahore mehr als 50 Christen bei einem Anschlag den Tod fanden.

Brennpunkt islamische Länder
Im Sudan (Rang fünf) lässt der islamistische Präsident Omar Bashir laut Bericht in den überwiegend von Christen bewohnten Nuba-Bergen Bomben abwerfen und zerstört christliche Schulen, Krankenhäuser und Kirchen. Syrien und der Irak folgen auf den Plätzen sechs und sieben – hier habe die systematische Vertreibung 2016 die fast 2000 Jahre dort lebenden christlichen Gemeinschaften an den Rand des Verschwindens gebracht.
In acht der zehn erstplatzierten und in 35 der 50 aufgeführten Länder ist der Analyse zufolge islamische Unterdrückung Ursache der Verfolgung. Für die Verschärfung macht Open Doors neben islamistischen Regimes auch Netzwerke wie Boko Haram und Al-Shabaab verantwortlich, die in ihren Gesellschaften immer mehr Einfluss gewönnen. Sie gründeten mit Hilfe aus Saudi-Arabien Schulen mit extremistischer Prägung in Somalia, aber auch in Kenia oder Niger, schleusten Anhänger in öffentliche Ämter oder kontrollierten den Bau von Moscheen.

Regierungen mitverantwortlich
Verantwortlich für Verfolgungen sind laut Hilfsorganisation aber auch verunsicherte Regierungen, die Ressentiments gegen religiöse Minderheiten schürten. Besonders hervorgehoben wird Indien, das erstmals auf Platz 15 zu finden ist: Unter dem seit 2014 regierenden Premier Narenda Modi und seiner religiös-nationalistischen Partei BJP verprügelten Hindu-Nationalisten Pastoren, zerstörten Kirchen und forderten Konvertiten auf, zum Hinduismus zurückzukehren.
Ähnliche Entwicklungen sieht Open Doors auch in anderen asiatischen Ländern: Buddhistisch motivierter Nationalismus führe zur systematischen Benachteiligung von Christen in Bhutan und in Sri Lanka. „In China hat die Sorge vor ausländischem Einfluss dazu geführt, dass neue Regeln eingeführt wurden, verbunden mit einer Warnung an die Christen, vor feindseligen ausländischen Kräften auf der Hut zu sein“, schreibt Open Doors. Partei-Chef Xi Jinping habe seinen Untergebenen geraten, wenn man schon einer Religion angehören müsse, solle man doch bitte eine chinesische wie den Konfuzianismus ausprobieren. (Christoph Arens)

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