Kultur

Donnerstag, 19. Juli 2018

Sommer, Urlaub, Sonnenschein

Familiennamen, die nach guter Laune klingen

Familiennamen wie Sonne oder Urlaub lassen an den Sommer denken. Doch ihre ursprüngliche Bedeutung ist oft eine ganze andere. Foto: Pixabay

Namen stiften Identität. Wer sich mit ihrer Herkunft beschäftigt, erfährt vieles über Kultur, Geschichte und Mentalität der Menschen im Mittelalter.

Sommer, Sonne, Strand: In der Freizeitgesellschaft von heute gehört die Urlaubszeit zu den wichtigsten Phasen des Jahres. Doch erst mit der Durchsetzung des gesetzlichen Urlaubsanspruchs zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Aufbruch in die Sommerfrische zum Massenphänomen. Trotzdem erwecken Familiennamen wie Sommer, Urlaub oder Sonnenschein den Eindruck, als hätten die Menschen schon früher die warme Jahreszeit sehr geschätzt. Genaueres wissen die Namensforscher der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz, die in einem Mammutprojekt bis 2015 die Telefonbücher von 2005 auswerten und die 200 000 häufigsten Familiennamen erforschten. Entstanden sind die Familiennamen erst um das 13. Jahrhundert. Mit dem Anwachsen der Städte reichten die Vornamen nicht mehr aus. Für Rechtsgeschäfte musste genau unterschieden werden.

Überall in Deutschland gibt es Sommer. Das kann die Germanistin und Namensforscherin Rita Heuser guten Gewissens behaupten. Zum gleichlautenden Familiennamen bestehen nach ihren Informationen

19 207 Telefonbucheinträge, die sich gleichmäßig über die Bundesrepublik verteilen. Einerseits kann damit jemand gemeint sein, der im Sommer eine Arbeitsverpflichtung oder eine Zinsabgabe zu leisten hatte, so Heuser. Andererseits kann der Name aber auch auf einen Vorfahren verweisen, der an einer sonnenverwöhnten Sommerseite wohnte. Ebenfalls möglich ist eine Ableitung aus dem mittelhochdeutschen Wort soumaere, das auf den Beruf des „Führers von Saumtieren“ verweist. In Norddeutschland kann der Familienname Sommer auch auf das mittelniederdeutsche Wort somer für „langer, schlanker, gerader Pfahl oder Baum“ zurückgehen.

Weit seltener ist der Name Urlaub. Die meisten der rund 700 Namenträger (234 Telefonanschlüsse) finden sich am Main um Würzburg. Sie hatten nicht unbedingt einen Vorfahren, der besonders gerne reiste. Denn die Bedeutung „Ferien“ erhielt das Wort „Urlaub“ erst in der Neuzeit. Im Mittelalter stand mittelhochdeutsch urloup für „Erlaubnis“ – besonders für die „Erlaubnis, zu gehen“ sowie das Abschiednehmen. Der erste Träger dieses Namens habe sich, so vermuten die Wissenschaftler, offenbar dadurch ausgezeichnet, dass er einem Ort oder einer Verpflichtung häufiger oder länger fern blieb.

Deutlich positiver wirkt da die Bedeutung des Familiennamens Sonnenschein. Rund 2 480 Namenträger (bei 892 Telefonanschlüssen), vor allem im Westen, können sich mit solch einem freundlichen Namen vorstellen. Vermutlich zeichnete sich die ersten Namensträger durch ein wonniges Gemüt, Heiterkeit und Herzenswärme aus, so die Namensforscher. In einigen Fällen könne es sich auch um einen Wohnstättennamen handeln für jemanden, der in einem Haus „Zum Sonnenschein“ oder an einem gleichnamigen Flurstück wohnte. Ähnliches gilt auch für den Familiennamen Sonne, für den es bundesweit 187 Einträge im Telefonbuch gibt. Urheber war eine Person mit einem besonders sonnigen Gemüt oder jemand, der an einer sonnigen, dem Süden zugewandten Stelle wohnte.

Zu den Sommerfreuden gehört heute vielfach auch ein Pool. Doch während die heutigen Badefreudigen ein hygienisches Becken und klares Wasser erwarten, liegt der Ursprung des Familiennamens Pool (rund 200 Namensträger) eher im Trüben.  Der Name dürfte auf das westgermanische Wort pola zurückgehen, das Sumpf oder Morast bedeutete. Auch Pfuhl, Suhle und Sumpf gehören zur Wortfamilie. Erster Namensträger war also wohl jemand, der an einem Teich, einem Sumpf oder anderweitig schlammigen Gelände gewohnt hat. (red)

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