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Kultur

Mittwoch, 25. November 2020

Lesebuch des Bistums

Pilger-Kalender besteht seit hundert Jahren – Wanderung durch die Geschichte zwischen Rhein und Saar

Für Dr. Thomas Fandel, den Leiter des Speyerer Diözesan-Archivs, sind vor allem die älteren Pilger-Kalender eine wichtige Quelle für die Erschließung der Bistumsgeschichte. (Foto: Landry/pil)

Hundert Jahre, ein schönes Jubiläum. Im Jahr 2021 kann der Pilger-Kalender auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblicken. 1921 erschien er zum ersten Mal – damals noch unter dem Namen „Pfälzer Volkskalender“. Der Herausgeber und  erste Redakteur der neuen Publikation, Dom­vikar Jakob Baumann, schrieb zu deren Start: „Glück auf, Pfälzer Volkskalender, zu deiner Reise durch die sonnige und wonnige Pfalz.“
Nach wenigen Jahren wurde der „Pfälzer Volkskalender“ umbenannt in „Pilger-Kalender“, der ursprüngliche Name rutschte in den Untertitel. Der Titel lautete jetzt „Pilger-Kalender, zugleich Pfälzer Volkskalender“. Vielleicht kam es zu der Namensänderung auch deshalb, weil in diesen Jahren – fast inflationär – eine Vielzahl von „Volkskalendern“ ganz unterschiedlicher Couleur erschien. Und der Name „Pilger“ bzw. „Christlicher Pilger“ war bereits in diesen Zeiten in Pfalz und Saarpfalz eine „Marke“, wie man heute sagen würde. Immer richtete sich der Kalender an die Menschen im gesamten Bistum, nicht nur in der Pfalz. Gute Vor- aussetzungen für seinen Start hatte der Pilger-Kalender zudem durch die Gründung einer bistumseigenen Druckerei im Jahr 1920, bei der in den Folgejahren die Bistumszeitung und auch der Pilger-Kalender produziert wurden.
Der Pilger-Kalender hatte eine „Vorgeschichte“. Domvikar Baumann, der auch Chefredakteur der Bistumszeitung war, schildert diese in seinem Geleitwort zur ersten Ausgabe des Kalenders: „Schon wieder ein neuer Kalender, so möchtest Du vielleicht rufen, lieber Leser, wenn dir dieser Kalender vor Augen tritt. Aber langsam! Der Pfälzer Volkskalender aus der Druckerei und Verlagsanstalt des Christlichen Pilger in Speyer soll nichts Geringeres sein als die Wiedereinführung oder das Wiederaufleben des uralten ,Hochfürstlich Speyerischer neu- und alter Land-Kalender‘, der in früheren Jahrhunderten bei unseren Altvorderen zuhause war und unter fürstbischöflicher Obhut herausgegeben und verbreitet wurde. Im Archiv des Bischöflichen Domkapitels zu Speyer befinden sich noch einige jener alten Kalender.“ Dr. Thomas Fandel, Leiter des Speyerer Diözesan-Archivs, ist dem Hinweis nachgegangen und bestätigt ihn. „Sehr interessante Quelle“, unterstreicht  er und schlägt den Bogen zum Pilger-Kalender. „Auch der ist ein wichtiges Zeitdokument mit vielen Querverweisen in die Geschichte des Bistums.“ Und an seinen Inhalten, bis hinein in die Wortwahl, ließen sich gerade in der Entstehungszeit und nochmals besonderes in der Zeit des Nationalsozialismus politische  und gesellschaftliche Zeitströmungen nachvollziehen. Im Jahr 1941 mussten Pilger-Kalender und auch Bistumszeitung ihr Erscheinen einstellen.
Nochmals zurück zur ersten Ausgabe des Kalenders 1921. Das Geleitwort von Domvikar Baumann ist in die damalige Zeit gesprochen: „So möge er denn hinausziehen in die heimatlichen Pfälzer Gaue und in trübseligen düsteren Zeiten erbaulich, belehrend und erheiternd auf das schwer belastete Gemüt des Volkes einwirken. Draußen in der weiten Welt tobt der Sturm der Leidenschaft und des Hasses. Zuhause lauert die Liebe am trauten Heimatsherde. Was die sagenhaften Überreste der heimatlichen Burgen aus dem Wechsel der Zeiten erzählen, was der Pfälzer Wald von Minne und heiterer Luft rauscht, was die strotzenden Weinberge am Rhein, an der Haardt, der Alsenz und der Nahe, sowie die üppigen Fluren am Rhein, am Donnersberg und an der Blies besingen, das Lob Gottes und den Segen der Arbeit, das wird der Pfälzer Volkskalender ihnen ablauschen und es getreu wiedergeben in Wort und Bild.“
Manches hat der Pilger-Kalender auch bis heute bewahrt, etwa den Blick auf die Geschichte der Region, das Eintauchen in das Leben und Fühlen der Menschen zwischen Rhein und Saar. Wie sehr das von den Leserinnen und Lesern geschätzt wurde, zeigt die hohe Auflage des Pilger-Kalenders: Rund 40 000 Exemplare fanden zu Beginn der 1940er Jahre den Weg zu den Leserinnen und Lesern.
„Vater“ des Pilger-Kalenders  war Domvikar Baumann, der auch die Bistumszeitung redigierte und die neu gegründete Pilgerdruckerei leitete. Wenn man die ersten Ausgaben durchblättert, fällt auf, dass sich die Vielfalt der Themen und auch das Themenspektrum wie ein roter Faden bis ins Jahr 2021 ziehen. Es ist eine interessante Mischung aus historischen Beiträgen, die Region und das Bistum Speyer betreffend, interessante Persönlichkeiten der Vergangenheit und Gegenwart werden porträtiert, aktuelle Beiträge beleuchten das Zeitgeschehen, Einrichtungen des Bistums und des Caritasverbandes – mit dem Pilger-Kalender etwa zeitgleich gegründet – werden vorgestellt, dazu Klöster und besondere Kirchen. Daneben gibt es – wie heute – einen ausführlichen Jahreskalender mit Texten zu den Festen im Jahreslauf. Teilweise gab es, für die Zeit sehr ungewöhnlich, auch einen „Kalender der Juden“ mit den jüdischen Feiertagen. Manche Themen könnten aus der heutigen Zeit stammen. So beschäftigt sich ein großer Beitrag im Kalender von 1922 mit dieser Frage: „Sind außer unserer Erde auch noch andere Planeten des Weltalls bewohnt?“ Der Beitrag endet mit einem auch heute noch gültigen Goethe-Zitat: „Die Sterne begehrt man nicht, man freut sich ihrer Pracht.“ Einen Blick in die Geschichte ermöglicht der jährliche „Totenkranz“, in dem jeweils die im zurückliegenden Jahr verstorbenen Priester des Bistums gewürdigt werden.
Immer dabei in den Pilger-Kalendern auch Erzählungen und Gedichte sowie Alltagsthemen und Hilfreiches, etwa Wetterregeln, Hinweise zum Obst- und Gemüseanbau und Rezepte unter der Überschrift „Feinste Pfälzer Leckerbissen“  – in der ersten Ausgabe 1921 gibt es ein Rezept zu Krautnudeln. Mit der beginnenden Weltwirtschaftskrise können die Kalenderleser aber auch die Kurse des Dollars gegenüber der Reichsmark nachlesen. In den frühen Ausgaben des Pilger-Kalenders gab es zudem freie Seiten „für Bleistift-Notizen“. In Mindstyle-Magazinen der Gegenwart gibt es seit einigen Jahren  erneut solche „persönlichen Seiten“.
Finden sich in den ersten  Ausgaben vor allem Zeichnungen und wenige Fotos, ändert sich das mit der Ausgabe von 1931. Schwerpunktmäßig werden hier Klöster und Krankenhäuser im Bistum Speyer im Bild gezeigt. In der Ausgabe von 1932 finden sich dann viele Fotodokumente vom Domfest 1930 (900 Jahre Grundsteinlegung des Doms) und wohl auch vor dem Hintergrund sich verstärkender nationaler Strömungen breites Bildmaterial zur „Befreiungsfeier 1930“ aus Anlass des Abzugs der  französischen Besatzungstruppen aus der Pfalz.
Die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 brachte auch für den Pilger-Kalender tiefe Einschnitte. Fast wie aus einer Vorahnung auf zukünftige Zensur findet sich im Kalender von 1934 nochmals ein großer Beitrag mit Dutzenden von Bildern über katholische Jugendverbände, die zunehmend kontrolliert und 1939 endgültig verboten wurden. Kirchliche Medien erhalten nach 1933 von der Reichsschrifttumskammer zunehmend inhaltliche Vorgaben und werden von den örtlichen Stellen der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) zensiert. Der Pilger-Kalender beschränkt sich in der Folge immer mehr auf religiöse Beiträge und Unterhaltung. Spätestens im ersten „Kriegs-Kalender“ von 1940 war dies nicht mehr möglich. Da musste dann der verantwortliche Redakteur, Prälat Nikolaus Lauer, von 1927 bis 1965 auch Chefredakteur der Speyerer Bistumszeitung, Beiträge zum Luftschutz und unter der Überschrift „Jahresrundschau“ eine Lobeshymne auf Adolf Hitler in den Pilger-Kalender aufnehmen.
Der Pilger-Kalender von 1941 wirkt auf heutige Betrachter geradezu verstörend und kann nur aus den Zeitumständen heraus verstanden werden: Der größere Teil des Kalenders ist pure Propaganda für die Kriege Hitlers. Einige Überschriften: „Zum Ruhm unseres Feldherrn“, „Am Westwall“, „Denn wir fahren gegen Engelland“, „Ein Jahrtausend wird gestaltet“. Mit Blick darauf greift, was die deutschen Bischöfe im Zusammenhang mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren im Frühjahr 2020 zu den Verfehlungen ihrer Amtsvorgänger gesagt haben. Indem diese „dem Krieg kein eindeutiges ,Nein‘ entgegenstellten, sondern die meisten von ihnen den Willen zum Durchhalten stärkten, machten sie sich mitschuldig am Krieg“. 1941 wurde der Pilger-Kalender trotz des Kotaus der Verantwortlichen von der Hitlerregierung verboten. Ebenso musste die Bistumszeitung ihr Erscheinen einstellen, die Pilger-Druckerei wurde enteignet.
Mit der Ausgabe von 1950, das auch ein Heiliges Jahr ist, erscheint der Pilger-Kalender wieder. „Nach einer unfreiwilligen Pause von neun Jahren tritt der Pilger-Kalender wieder seine Wanderung durch die Pfälzische Heimat an“, schreibt „Der Kalendermann“ in seinem Geleitwort. Bis heute ist er in immer wieder aktualisierter Form im Bistum zwischen Rhein und Saar unterwegs.
„Kalendermann“ war 1950 Prälat Nikolaus Lauer, eine der prägenden Gestalten des Pilger-Kalenders, wie vor ihm Domvikar Baumann und der Speyerer Studienrat Joseph Bech und nach ihm der langjährige Chefredakteur Ferdinand Schlickel. Auch heute liegt die inhaltliche Verantwortung für den Pilger-Kalender bei der Redaktion der Bistumszeitung, aktuell bei Hubert Mathes. Der Pilger-Kalender hat einen langen Weg hinter sich – und hoffentlich noch viele Ausgaben vor sich, als Lesebuch der Region und des Bistums. Überlegungen für den Weg in die Zukunft gibt es schon.

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