Kultur

Mittwoch, 13. Februar 2019

Spielzeug, Sessel und Reflexe

Bauhaus feiert 100. Geburtstag – Pinakothek der Moderne zeigt zum Jubiläum 40 Designstücke

Das Bauhaus war der Aufbruch in eine neue Sachlichkeit. Foto: Pixabay

Zum 100. Geburtstag des Bauhauses zeigt die Pinakothek der Moderne inMünchen erstmals historische Objekte aus dem eigenen Bestand. Doch auch die zeitgenössische Rezeption soll nicht zu kurz kommen. Stahlrohre kann man zu einem einfachen Sessel formen. Sitz und Gurte aus Leder sorgen dann dafür, dass ein solches Sesselskelett zusammengehalten wird. So sieht modernes Design aus. Ähnliche Stühle entwarfen die Künstler des Bauhauses bereits vor hundert Jahren.


Der Unterschied? Marcel Breuers Clubsessel B3 „Wassily“ zum Beispiel war ergometrisch bestens durchdacht – gefertigt in Leichtbauweise, platzsparend und absolut nachhaltig in Kombination mit Leinenstoff. Der Sessel überzeugt bis heute. Nur ist er kaum noch erschwinglich und sein Original äußerst selten. Leicht wie eine Feder wirkt er und bleibt doch standhaft. Zwei echte Breuersessel neben 38 weiteren Designobjekten zeigt bis zum 2. Februar 2020 die Münchner Pinakothek der Moderne. Die Ausstellung unter dem Titel „Reflex Bauhaus 40 Objects – 5 Conversations“ versteht sich als eine Hommage an die 100-jährige Geschichte der bekannten Reformschule Bauhaus.
Ihr Einfluss auf Kunst, Architektur und Design habe sie zu einer der bedeutendsten Bildungsstätten des 20. Jahrhunderts gemacht, erklärt Kunstminister Bernd Sibler (CSU). Die echten Möbel, Kleider- und Spiegelschränke, Kommoden und Sitze, Spielzeug und kleineren Alltagsobjekte werden auf einer hölzernen Plattform präsentiert. Alle Objekte stammen aus den originalen Produktionsateliers des Bauhauses in Dessau. Sie gehören zum Bestand der „Neuen Sammlung“ in München. „Heute ist das Bauhaus eine Marke geworden“, sagt deren Leiterin Angelika Nollert. Geprägt vom demokratischen Geist habe man die Zukunft bauen wollen.


Das Bauhaus wurde am 1. April 1919 in Weimar gegründet, 1925 zog es nach Dessau um, siedelte später nach Berlin und wurde 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen. Seine Wirkzeit umfasst 14 Jahre. Dennoch erscheint die Gestaltungsschule heute als ein „Kumulationspunkt verschiedener historischer und kultureller Momente“, so Nollert. Mit ihrem hohen Gestaltungsanspruch gilt sie manchen bis heute als zu dogmatisch. In Architektur, Design und Kunst hat das Bauhaus dennoch weltweit viele Nachahmer und Nacheiferer gefunden. 1925 war das Bauhaus umgezogen, und in München zugleich die „Neue Sammlung“ gegründet worden. Die Stadt hatte sich dem Bauhaus zuvor als Alternative zu Dessau angedient, da an der Isar bereits der Bauhausverlag tätig war. Als eines der ersten Museen erwarb die „Neue Sammlung“ Arbeiten vom Bauhaus, die heute als Ikonen des modernen Designs gelten.
Außerdem setzte der Münchner Langer-Verlag die Buchproduktion nach dem Ende des Bauhausverlags fort. An diese historische Verbundenheit soll nun die Zusammenarbeit mit Tilo Schulz erinnern. Der 1972 in Leipzig geborene Künstler entwarf für die zwölfmonatige Schau eine Plattform, auf der die historischen Objekte mit zeitgenössischen Reflexionen in Dialog treten sollen. Wie zu Bauhauszeiten sollen fünf Künstler gestalterische Konzepte für die Zukunft entwickeln. Die Designerin Ayzit Bostan, die Lyrikerin Barbara Köhler, die Architektin Anupama Kundoo, der Komponist Junya Oikawa und die Künstlerin Sofie Thorsen wurden dazu eingeladen. (kna)

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