Kultur

Mittwoch, 04. Dezember 2019

Sich auf Geschichte einlassen

Thema Faulhaber: Dominik Schindler erhielt Pfalzpreis für Pfälzische Geschichte und Volkskunde

Der Vorsitzende des Bezirkstages, Theo Wieder (links), überreicht Dominik Schindler den Pfalzpreis für Pfälzische Geschichte und Volkskunde. Foto: view/Reiner Voß

Der Bezirksverband Pfalz fördert seit vielen Jahren mit seinen Pfalzpreisen hervorragende Leistungen von Kunst- und Kulturschaffenden, Heimatforschern, Journalisten und innovativen Köpfen. Unter den diesjährigen Preisträgern war auch der Historiker und Priester des Bistums Speyer, Dr. Dominik Schindler.

Am 17. November wurde er bei einer Gala im Pfalztheater Kaiserslautern mit dem Hauptpreis für Pfälzische Geschichte und Volkskunde ausgezeichnet. Der Bezirksverband würdigt mit dem Preis Schindlers Arbeit „Der Kairos im Chronos der Geschichtlichkeit. Michael Faulhaber als Bischof von Speyer (1911–1917)“. In der Würdigung heißt es: „Die Dissertation verknüpft hinsichtlich der bislang kaum untersuchten Speyerer Amtszeit Bischof Michael Faulhabers wissenschaftlich mustergültig Kirchengeschichte und Theologie. Unter Sichtung eines beeindruckenden Quellenkorpus werden hierbei sowohl die gesellschaftspolitische Verortung und das öffentliche Wirken Faulhabers als auch die Leitlinien seines Glaubenssystems ausführlich und differenziert gewürdigt. Durch diesen Ansatz leistet das Buch einen wichtigen Beitrag zum besseren sozialgeschichtlichen Verständnis des pfälzischen Katholizismus im späten Kaiserreich.“

Dominik Schindler über seine Arbeit
Die Person Michael Faulhabers interessiert mich schon länger. Genauer gesagt seit dem Jahr 2012 als anlässlich des 50. Todestages Faulhabers eine Dokumentation im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wurde. Ich erfuhr, dass Faulhaber, neben der ausführlich dargestellten Tätigkeit als Erzbischof von München und Freising, auch mal Bischof von Speyer war – was ich damals als 16jähriger ehrlich gesagt noch nicht wusste. Als es Jahre später an die Themenfindung für die Staatsexamensarbeit ging, kam der Gedanke auf Faulhaber zurück – jedoch nur Stückwerk, gemessen an der jetzt vorliegenden Dissertation.
Das Wirken Faulhabers ist derart umfangreich, dass eine Auswahl getroffen werden musste: Die Speyerer Zeit zwischen 1911 und 1917. Ich versuchte, so weit es möglich ist, einen Einblick in sämtliche Bereiche des schriftlichen Nachlasses zu bekommen und weit darüber hinaus staatliche und kirchliche Archive heranzuziehen.
Meine Angewohnheit, alles genau wissen zu wollen – die mir schon in Kindertagen nachgesagt wurde – kam mir zugute. Daher bohrte ich bei der Persönlichkeit Faulhabers immer weiter nach und stöberte Quellen auf, die letztlich ein umfassendes Bild zeichnen. Vor allem kommt Faulhaber dadurch in vielen Facetten zum Vorschein, die bislang nicht oder nur wenig beleuchtet wurden.
Inspiriert hat mich vor allem auch die große Lücke, die in der Geschichte des Bistums Speyer und der Bischofsgeschichte im frühen 20. Jahrhundert klaffte.
Bei der Beschäftigung mit Faulhaber zeigt sich zudem, wie eine Person erst durch die Betrachtung der Zeitumstände, in der sie gelebt und gehandelt hat, verstanden werden kann. Mein Anliegen ist es generell, die Abhängigkeit zwischen den Zeitumständen und der Persönlichkeitsentwicklung zu untersuchen. Daher lautet mein Denkanstoß, auch bezogen auf die heutige Zeit, sich nicht vorschnell von ersten Eindrücken und Äußerlichkeiten leiten zu lassen und sich daraufhin womöglich ein schnelles Urteil zu bilden. Es ist stets tiefer zu gehen, da sich Menschen in der Regel durch ganz vielfältige Dinge auszeichnen – vor allem solche, die auf den ersten Blick häufig nicht erkannt und verstanden werden können.
Geschichte ist keineswegs antiquiert und verstaubt! Je nachdem wie man sie betrachtet, kann viel aus ihr „gelernt“ werden – für das Jetzt und die Gestaltung der Zukunft. Für mich ist die wichtigste Erkenntnis aus Geschichte, dass, obwohl sie sich mit der Vergangenheit befasst, aus ihr eine große Wachheit für das Beschreiten der Zukunft gewonnen werden kann. Man muss sich einfach auf sie Einlassen.


"Ich würde Bischof Faulhaber fragen, wie er sich selbst sieht, ob ich ihn richtig verstanden habe und mit ihm ins Gespräch kommen, weshalb er an manchen Punkten (Erster Weltkrieg) für uns heutige Menschen nicht nachvollziehbar gehandelt hat. Auch würde mich interessieren, ob er mit retrospektivem Blick manchmal anders gehandelt hätte."

Dominik Schindler über eine fiktive Begegnung mit Bischof Faulhaber.

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