Kultur

Donnerstag, 07. Dezember 2017

Freiheitsheld und Mythos von Tirol

Vor 250 Jahren wurde Andreas Hofer geboren – Ein Held wider Willen

Andreas Hofer in stolzer Pose – dargestellt von einem unbekannten Künstler. Foto: Wikipedia Commons

Denkmäler wurden ihm errichtet, ein Lied hat er bekommen, und eine Torte ist nach ihm benannt. Auch 250 Jahre nach seiner Geburt ist der Gastwirt und Viehhändler Andreas Hofer (1767 bis 1810) für die Tiroler ein Mythos. Der Held wider Willen stellte sich Napoleon entgegen und kämpfte mit seinen Leuten gegen die bayerische Besetzung der Heimat.

Anfangs fand er Rückhalt beim österreichischen Kaiser, doch am Ende setzte das Haus Habsburg erneut auf seine Heiratspolitik. Der Franzosenkaiser nahm Marie-Louise von Österreich zur Frau. Hofer aber wurde in Mantua 1810 standrechtlich erschossen.

In die Wiege gelegt war Hofer das Heldentum nicht. In eine als heil empfundene Welt wurde er am 22. November 1767 gegen Mitternacht am Sandhof unweit von Sankt Leonhard im Passeiertal hineingeboren. Die Hebamme will damals am Himmel einen „Stern in der Gestalt eines Jagdgewehrs, der gerade auf das Sandwirtshaus herabstrahlte“ gesehen haben. Für den Historiker Meinrad Pizzinini zeigen solche Geschichten, wie schon früh die Legendenbildung begann.

Der Junge war das vierte und jüngste Kind sowie der einzige Knabe in der Familie des Sandwirts Josef Hofer und seiner Frau Maria. Im Alter von drei Jahren verlor er seine Mutter. Sein Vater heiratete nach zwei Jahren erneut. Doch die neue Frau habe den Kindern nicht die Mutter ersetzen können, heißt es.

Als auch der Vater 1774 starb, war seine Witwe überfordert, der Sandwirt rutschte in die roten Zahlen. Andreas Hofers älteste Schwester heiratete und übernahm das Wirtshaus, die Stiefmutter kümmerte sich um den Hof.  Andreas war ein fleißiger Schüler. Was das Schreiben betraf, wurde ihm eine kernige Ausdrucksweise bescheinigt.

1789 übernahm er im Alter von 22 Jahren das Erbe. Im selben Jahr heiratete er Anna Ladurner aus Algund. Überlieferungen zufolge lebten die Sandwirtsleute nicht aufwendig, aber auch nicht sparsam. Ohne „mannhaften Weingenuss“ soll Hofer nie schlafen gegangen sein. Als „grundehrlich, verständig, gutmüthig, freundlich und heiter“ charakterisierten ihn Zeitgenossen. Und der Kirche zugetan war er auch. Seine Frömmigkeit wurzelte in einem „gläubigen Gemüthe, das alle Grübelei ausschloß“, notiert der Historiker Beda Weber.

In jungen Jahren trat Hofer dennoch kampfeslustig auf. Sein dunkler Rauschebart entstand aus einer Neckerei heraus. Ob er sich nicht auch so einen Bart wie jener Bettler wachsen lassen wolle, zogen ihn Freunde am Wirtshaustisch auf. Hofer nahm die Wette an. Er wollte zeigen, dass er nicht unter dem Pantoffel seiner Gattin stehe. Und so wurde dieser Bart das Markenzeichen einer Führungspersönlichkeit, die bereits früh gewählter Abgeordneter des Passeiertales im Tiroler Landtag war.

1805 geriet Tirol unter die Herrschaft der mit den Franzosen verbündeten Bayern. Besondere Vorrechte wurden eingeschränkt, eine Kirchenreform im Sinne der Aufklärung umgesetzt. Dies erregte den Unmut der katholischen Bevölkerung Südtirols. Eine Zwangsrekrutierung der bayerischen Armee 1809 in Innsbruck zog den ersten bewaffneten Aufstand nach sich, mit Hofer an der Spitze. Drei Siege am Berg Isel gaben der Bewegung Aufwind. Hofer zog als Regent in die Innsbrucker Hofburg ein.

Langfristig konnte das Tiroler Aufgebot keinen Widerstand leisten. Im „Frieden von Schönbrunn“ wurde Österreich zur Abtretung vieler Gebiete gezwungen, darunter auch Tirol. Die Tiroler fühlten sich verraten und probten erneut den Aufstand. Dieser scheiterte im November 1809 in der vierten Berg-Isel-Schlacht. Hofer musste flüchten und zog sich auf eine Alm im Passeiertal zurück. Gegen ein Kopfgeld verriet ihn ein Landsmann. Der Freiheitsheld wurde vors Kriegsgericht gestellt und erschossen. Seine letzte Ruhe hat er unter einem monumentalen Grabmal in der Hofkirche in Innsbruck gefunden.

In einer Dauerausstellung erinnert das Museum Passeier in Sankt Leonhard an den Volkshelden Andreas Hofer. Zugleich theamtisiert die Schau das Thema Helden und zeigt auf, wie sie entstehen, wofür man sie gebrauchen oder auch missbrauchen kann. (Barbara Just, kna)

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